Ben Kweller - Sha Sha - Cover
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Ben Kweller Sha Sha


  • Label: RCA/BMG
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Garde blutjunger Singer/Songwriter-Talente scharrt seit geraumer Zeit, auf den großen Durchbruch wartend, in den Startlöchern, um alte Recken wie Bob Dylan allmählich in der Gunst des Publikums abzulösen. Zuletzt konnten hoch begabte Musiker wie Ben Lee, Howie Day, Ron Sexsmith und Ryan Adams mit ihren Werken überzeugen. Vor kurzem veröffentlichte nun ein weiterer potentieller Star der alternativen Singer/Songwriter-Szene sein Major-Debüt: Benjamin Lev, genannt Ben, Kweller aus Greenville, Texas (USA).

Obwohl Ben Kweller erst 21 Lenze zählt, hat er bereits eine bewegte Vergangenheit im Musikbusiness aufzuweisen. Im Alter von zwölf Jahren gründete er die Rockband Radish, die schon bald zu den Geheimtipps in der Musikszene von Dallas zählte. Die Gruppe veröffentlichte zwei Independent-Alben, ehe sie vom Major-Label Polygram/Universal als Pendant zu Silverchair verpflichtet wurde, um im Zuge der Neo-Grunge-Welle als neue Superstars aufgebaut zu werden. Leider brachte man es nicht weiter, als zu einem Album („Restraining bold“, 1997), das einen Top-40-Hit in England abwarf, den entfachten Medien-Hype aber nicht Genügeleisten konnte. 1999 trennten sich Radish und Mastermind Kweller zog von Dallas nach Brooklyn, New York. Sein Ziel war es, in der pulsierenden Szene an der Ostküste als Solokünstler anerkannt zu werden. In seinem kleinen Apartment in der Smith Street schrieb er massenhaft Songs und präsentierte diese live als „Opening-Act“ u.a. für The Eels, Juliana Hatfield, Jeff Tweedy (Wilco), Moldy Peaches, Kristin Hersh und Evan Dando (Lemonheads). Besonders letzterer war vom Talent Ben Kwellers angetan und erwies sich als Förderer des jungen Texaners. 2000 brachte Kweller seine erste Soloplatte „Freak out, it’s Ben Kweller“ heraus, die ein Jahr später von der EP „Phone home“ gefolgt wurde. Die 5-Track-CD bestand aus Demos und Schlafzimmeraufnahmen und war zugleich Vorbote des ersten Major-Albums, für das sich das Label von Kollege Dave Matthews (ATO, im Vertrieb von RCA/BMG) die Rechte gesichert hatte.

Das Album mit dem eigentümlichen Namen „Sha Sha“ wurde mit Produzent Stephen Harris (Counting Crows, Natalie Imbruglia, U2, Dave Matthews Band) im Sommer 2001 in New York aufgenommen und präsentiert eine Art akustischen Lo-Fi Garagen-Pop mit Anleihen bei Weezer, Nirvana und den Lemonheads. Alle elf Tracks wurden von dem musikalischen Multitalent (Kweller spielt Piano, Gitarre und Schlagzeug) selbst komponiert, getextet und eingesungen und bringen mit ihren spätpubertären Texten und den fröhlichen Melodien frischen Wind in die Stube. Dabei achtet Kweller darauf, dass die Stücke nicht eindimensional klingen und verschiedene Stilarten abdecken. So gibt es bei „Family tree“ wunderbaren mehrstimmigen Chorgesang zu folkigen Gitarren zu bestaunen, während der Titeltrack „How ist sould be (sha sha)“ mit Ben-Folds-artigen Piano-Parts und beatlesken Harmonien überrascht. Die erste reguläre Singleauskopplung „Wasted & ready“ sowie „Harriet’s got a song“ zeigen Rivers Cuomo mal eben, wie das letzte leicht verhunzte Weezer-Werk hätte klingen können: schrammelnde Gitarren, verzerrte Soli, fettes Drumming und coole Hooklines. Man merkt, der Bursche versteht was von intelligentem Songwriting.

Doch Herr Kweller kann nicht nur rocken! Einer der unbestreitbaren Höhepunkte auf „Sha sha“ ist die melodieverliebte Pianoballade „Walk on me“, die im Mittelteil gar an die seligen Hothouse Flowers (!) erinnert und im krassen Gegensatz zu genialen Rumpel-Songs wie „No reason“ oder „Make it up“ steht, die zwar ungeniert ein paar Riffs aus dem Nirvana-Fundus verbraten, aber trotzdem noch genügend Eigenständigkeit aufweisen können, um zu überzeugen. Dennoch verraten gerade diese Songs die Inspirationen Kwellers aufs Deutlichste: „Meine Einflüsse sind weitreichend“, berichtet Kweller. „Bei meinen Eltern liefen den ganzen Tag die Beatles, und ich fand das von kleinauf toll. Irgendwann überlegst du dir, dass es notwendig ist, die Beatles deiner eigenen Generation zu entdecken. Wie aus dem Nichts kamen Nirvana und veränderten mein Leben. Sie waren für mich wie eine Religion. Und dann erschoss sich Kurt Cobain, was mich sehr hart getroffen hat. Ich musste weiter nach meinen Beatles suchen und fand sie in Weezer. Also fieberte ich nicht mehr dem neuen Nirvana-, sondern dem neuen Weezer-Album entgegen. Als nach `Pinkerton` nichts mehr kam, brach für mich abermals eine Welt zusammen“. Kweller wirkt wie ein kleines, übermotiviertes Kind, wenn er über seine musikalische Vorlieben spricht; gleichzeitig ist er allerdings auch erstaunlich ambitioniert, was seine Karriere angeht: „Die Leute sollen meine Songs hören und lieben, so wie ich die Lieder von Nirvana oder Weezer liebe. Ich versuche alles dafür zu geben."

Das kann man dem 21-Jährigen bei seinem Major-Debüt uneingeschränkt attestieren. Der Junge spielt unbelastet auf und serviert eine Dreiviertelstunde hohe Songwriterkunst mit moderner Lo-Fi-Attitüde zwischen Pop und Rock. Dabei sollte man Ben Kweller keinesfalls übel nehmen, dass er sich großzügig bei seinen Vorbildern bedient. Denn wer so jung ist, der ist auch noch Fan. Und Fans dürfen das!

Anspieltipps:

  • Harriet’s got a song
  • Wasted & ready
  • In other words
  • Make it up
  • No reason
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