Zwan - Mary Star Of The Sea - Cover
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Zwan Mary Star Of The Sea


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 66 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Am 2. Dezember 2000 ging eine der großartigsten Rockgruppen in die ewigen Jagdgründe ein, denn an diesem Tag gaben die Smashing Pumpkins ihr furioses Abschiedskonzert im heimischen Chicago und waren fortan Geschichte. Ein dermaßen erfolgreiches Projekt, mit über 25 Millionen verkauften Tonträgern, einfach so einzustellen stellt schon eine mutige Entscheidung dar. Doch genau diese, in seiner Musik ausgelebte, Konsequenz hat den Musik-Verrückten Billy Corgan von jeher ausgezeichnet.

Er steuerte den Rockdinosaurier mit der selben Brillanz, mit der die ersten fünf Alben der Kürbisse ausgestattet waren, in eine künstlerische Sackgasse, sodass zuerst die gewohnt breite Käuferschicht wegbrach („Machina - The machines of god“ verbuchte trotz ansatzweise großer Rockkunst schlechte Verkaufszahlen) und dann die Plattenfirma keine Lust hatte, noch im selben Jahr den sperrigen Nachfolger „Machina II - The friends & enemies of modern music“ zu veröffentlichen, was Corgan kurzerhand selbst über die Pumpkins-Website in die Hand nahm. Genervt von diesen Querelen, die der diktatorische Songwriter Billy Corgan nicht gewohnt war, beschloss er das Ende der Band. Doch in Corgan reifte bereits die Idee zu einem neuen Projekt und kaum ein halbes Jahr später war eine Art Supergruppe geboren: Zwan. Die Band besteht aus den Corgan-Kumpels Matt Sweeny (Ex-Chavez, Gitarre), Jimmy Chamberlain (Ex-Smashing Pumpkins, Drums), David Pajo (Ex-Stereolab, Gitarre), Paz Lenchantin (Ex-A Perfect Circle, Bass) und natürlich Billy Corgan (Vocals, Gitarre) selbst.

Zur Beruhigung sei gleich gesagt, dass Zwan nicht komplett anders klingen, als die Smashing Pumpkins. Die Stilistik im Songaufbau ist und bleibt typisch Corgan, auch wenn er ein paar liebgewonnene Schnörkel unter den Tisch fallen lässt. Er schreibt weiterhin grandiose (Pop-)Melodien und weiß diese mit seinen Mitmusikern in ein ansprechendes Korsett aus handgemachter Musik zu stecken. Das einzige, was dem Sound ein wenig abgeht, ist der infernalische Krach, den die Pumpkins imstande waren auf ihre Hörer loszulassen. An diese Stelle treten nun sonnige Gute-Laune-Liedchen wie „El sol“, gefühlvolle Schmalzballaden („Of a broken heart“) und recht simple Stücke wie „Lyric“ oder „Settle down“. Doch zwischendrin servieren uns Zwan ein paar Perlen modernen Rockmusik, wie das wunderbare „Honestly“, der ersten Singleauskopplung, oder das epische „Ride a black swan“, das auch auf dem Pumpkins Meisterwerk „Mellon collie and the infinite sadness“ eine bravouröse Figur abgegeben hätte. Aus der gleichen Güteklasse stammt auch das Titelstück („Jesus, I Mary star of the sea“), das als atemberaubende Rock-Oper, von 14 Minuten Länge, Gänsehaut erzeugt und wohl nur von einem Besessenen wie William Patrick „Billy“ Corgan hinzubekommen ist. Allein dieser Song ist den Kauf der CD wert. Großartig!

Etwas völlig neues probiert Corgan dagegen beim Stück „Baby let’s rock“ aus. Die Komposition erscheint wie aus dem Lehrbuch der Popmusik und zeigt sich eindeutig von den Beatles beeinflusst. Entsprechend süßlich kommt die Melodie daher. Trotzdem harmoniert sie wunderbar mit den harten Rock-Riffs von Matt Sweeny und Corgans weinerlicher Stimme. Was auf einem Corgan-Werk auf gar keinen Fall fehlen darf, ist die eine, große, Ballade, die diesmal auf den Namen „Desire“ lautet und massives Gefühlskino der Marke „Adore“ (Smashing Pumpkins, 1998) darstellt. Damit hätten wir nämlich fast alle Trademarks der übergroßen Vorgänger-Band beieinander, die „Mary star of the sea“ zu einem Pflichtkauf für den geneigten Rockfan macht. Auch wenn auf dem Album nicht alles Gold ist, was glänzt, hat Meister Corgan ein Werk zusammengestellt, das einem den Glauben an die Rockmusik zurück gibt, die Corgan bereits für tot erklärt hatte.

Anspieltipps:

  • Desire
  • Honestly
  • Endless summer
  • Ride a black swan
  • Of a broken heart
  • Jesus, I Mary star of the sea
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