John Mayer - Room For Squares - Cover
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John Mayer Room For Squares


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die ungewöhnliche Art, populäre Musik darzubieten, macht das vorliegende Album so interessant.

Von Zeit zu Zeit erleben längst vergessen geglaubte CDs wie durch Geisterhand eine triumphale Wiederauferstehung. Im Augenblick widerfährt dieses Wunder dem 25-jährigen Singer/Songwriter-Talent John Mayer aus Atlanta (USA). Sein zweites Album „Room for squares“ wurde ursprünglich im Juni 2001 auf dem kleinen Label Aware Records veröffentlicht, fand aber außerhalb Nordamerikas keine große Beachtung in der Öffentlichkeit.

Doch im Hause Sony Music glaubte man an das Talent des jungen Burschen. Das von John Alagia (Dave Matthews Band, Ben Folds Five) produzierte Werk, das nach dem gleichnamigen Hank-Mobley-Jazz-Album aus dem Jahr 1963 benannt ist, wurde von Jack Joseph Puig (Eric Clapton, Weezer, The Black Crowes) in den Ocean Way Studios in Los Angeles neu abgemischt, mit einem Bonus-Track („3x5“) versehen und unter dem Columbia-Label am 18. September 2001 neu veröffentlicht. Seitdem konnten in den USA weit über zwei Millionen Einheiten von „Room for squares“ abgesetzt werden. Und ein Ende ist nicht in Sicht. In der mittlerweile 58. Chartwoche befindet sich das Album wieder auf steigendem Kurs und wird jetzt auch langsam in Europa entdeckt. Ausschlaggebend dafür ist sicher die hervorragende zweite Singleauskopplung „Your body is a wonderland“, die mit einem sexy-charmanten Promo-Video ausgestattet, garantiert auch das Publikum in der alten Welt für sich begeistern wird.

Eigentlich sollte die Musikerkarriere des in Connecticut geborenen John Mayer etwas anders verlaufen. Mit 19 Jahren schrieb er sich am Berklee College Of Music in Boston ein, um ein Musikstudium zu absolvieren. Doch schon bald erkannte er, dass dies nicht die Art war, wie er sich den Umgang mit Musik vorgestellt hatte. Er schmiss das Studium und zog auf Anraten eines Freundes nach Atlanta um, wo er sich in der lokalen Szene bald einen Namen als außerordentlicher Live-Performer machte. 1999 veröffentlichte John Mayer sein rein akustisch gehaltenes Debüt „Inside wants out”, das eine interessante Mischung aus Folk, Jazz und Pop präsentierte. Für „Room for squares“ wurden von den acht Tracks der Debüt-CD die ersten vier nochmals verwendet und in ein neues Sound-Gewand gehüllt. So wurde aus der ehemaligen „ein Mann und seine Gitarre“-Instrumentierung durch die Unterstützung von David LaBruyere (Bass) und Nir Zidkiyahu (Drums) ein echtes Bandalbum.

Anscheinend ist Herr Mayer ein kleiner Schelm, denn wer beim Zählen der Songs auf dem Back-Cover des Albums ins Stutzen gerät, tut dies zurecht. Frech werden 14 Songs aufgelistet, obwohl es nur deren 13 sind. Nach der Nummer zwölf kommt die vierzehn. Dazwischen liegen zwei Sekunden der Stille. Was immer dies soll, der Meister wird seine Gründe dafür haben. Und wenn es nur Aberglaube ist. Etwas weniger übersinnlich geht es dagegen bei den Kompositionen zu. Mit seiner angenehm warmen Stimme, mit der Mayer glatt als Dave-Matthews-Stimmdouble durchgehen würde, arbeitet sich der 25-Jährige durch seine locker, beschwingten Songs, die allesamt perfekt arrangiert sind. Dazu erzählt er kleine Geschichten aus dem Leben über Liebe, Freundschaft und persönliche Unsicherheiten, wie im Song „Why Georgia“, in dem Mayer nach dem Sinn des Lebens fragt („I wonder sometimes about the outcome of a still verdictless life. Am I living it right?”). In „My stupid mouth“ beschreibt er die Beziehung zu einem Mädchen, die aufgrund einer unbedachten Äußerung in die Brüche geht und unterlegt dies mit einer cleveren Popmelodie, die die Leiden des Protagonisten („I’m never speaking up again, starting now“) perfekt in Szene setzt.

Höhepunkt des Album ist das wunderbare „Your body is a wonderland“, das sich, wie der Titel schon verrät, natürlich um Sex dreht, aber nicht auf gewöhnliche, vordergründige Art, sondern auf fein subtile Weise beschreibt, wie man den Körper seiner Liebsten erforscht („Damn baby you frustrate me. I know you’re mine all mine all mine. But you look so good it hurts sometimes. Your body is a wonderland. Your body is a wonder. I’ll use my hands…”). In einem grandiosen Arrangement aus Jazz-Versatzstücken und poppigen Elementen lässt Mayers Band sanfte Gitarren-Licks aus den Boxen perlen, den Bass swingen und die Wurlitzer grooven. Da bemerkt man den Musikhochschüler, der an Mayer verlorengegangen ist. So werden anspruchsvolle Hits geboren, von denen sich noch ein paar auf der CD tummeln („St. Patrick’s day“, „Great indoors“!), die aber eine gewisse Reifezeit im Ohr des Hörers benötigen, denn die Musik John Mayers springt einen nicht an, sondern will langsam entdeckt werden.

Besonders diese ungewöhnliche Art, populäre Musik darzubieten, macht das vorliegende Album so interessant, verlangt aber auch vom Hörer ein Mindestmaß an Eingewöhnungsbereitschaft. Denn bis auf „Love song for no one“ treiben alle Songs in relativ ruhigem Fahrwasser und schaffen so eine durchgängige Stimmung wie ein verschlafener Sonntagnachmittag auf dem Sofa. Aus diesem Grund stellt „Room for squares“ eine etwas heikle Gratwanderung zwischen Faszination und gepflegter Langeweile dar, die das Werk nicht gerade zu einem Pflichtkauf macht, aber für Sting- oder Dave-Matthews-Fans eine feine Alternative ist. Adult-Pop-Liebhaber werden das Album absolut respektieren, Rock-Fans sich vermutlich mit Grausen abwenden.

Anspieltipps:

  • Your body is a wonderland
  • Why Georgia
  • My stupid mouth
  • Neon
  • Love song for no one
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