Jesse Malin - The Fine Art Of Self Destruction - Cover
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Jesse Malin The Fine Art Of Self Destruction


  • Label: One Little Indian
  • Laufzeit: 48 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Produced by Ryan Adams“ prangt in fetten Lettern auf dem Sticker, der die Frontseite des ersten Soloalbums „The fine art of self destruction“ von Jesse Malin ziert. Ein Gütezeichen erster Klasse und verkaufsfördernde Maßnahme zugleich. Denn wer kennt schon Jesse Malin? Eben! Gut, ein paar Insidern ist sicher bekannt, dass der New Yorker als Mastermind der Punk-Rock-Truppe D-Generation fungierte, die in den 90er Jahren drei minder erfolgreiche Alben herausbrachten und 1999 ihren Dienst quittierten. Aber zur Berühmtheit hat es der Barde dadurch nicht gebracht.

Und so heißt es seitdem für Jesse Malin, sich mit kleineren Engagements als Songschreiber für Compilations („The song Ramones the same“), Soundtracks („Bringing out the dead“, „Year of the horse“, „Down by law“) oder als Statist in Hollywood-Filmen zu verdingen (in Martin Scorsese‘s „Bringing out the dead“ spielte Malin für satte 1.300 Dollar Gage einen Türsteher). Doch zum Glück hat Malin in Ryan Adams (Ex-Whiskeytown) einen guten Freund, Saufkumpan und zudem prominenten Fürsprecher, mit dem er nicht nur durch die Clubs und Kneipen New Yorks zieht, sondern auch innerhalb von sechs Tagen zwischen Weihnachten und Silvester 2001 ein komplettes Album eingespielt hat, das im Oktober 2002 zuerst in England veröffentlicht wurde und jetzt sukzessive im Rest der Welt auf den Markt kommt. Während der Sessions in den New Yorker Loho-Studios ging Adams seinem Kumpel nicht nur als Produzent zur Hand, sondern übernahm auch die Rolle des Lead-Gitarristen und Keyboarders. Des weiteren gaben sich Melissa Auf Der Maur (Ex-Smashing Pumpkins, Ex-Hole) sowie Joe McGinty (Ween, Spacehog, Psychedelic Furs) die Ehre und trugen ihr Können zu einem atemberaubenden Debütalbum bei. Dadurch ist „The fine art of self destruction“ eine dieser Platten geworden, die wie aus dem Nichts auf der Bildfläche erscheinen und den geneigten Hörer sofort in ihren Bann ziehen.

Mit brüchiger, alkoholgeschwängerter Stimme, die der Neil Youngs durchaus ähnlich ist, erzählt Jesse Malin seine meist traurigen Geschichten vom Leben auf den Straßen New Yorks, die er zusammen mit seinen Kollegen kongenial in Szene setzt. In den durchgehend rauen Songs, die allesamt als „First Takes“ aufgezeichnet wurden, toben sich die Musiker so richtig aus. Da schrammelt die Akustikgitarre Malins, scheppern die Drums von Paul Garisto und Ryan Adams produziert einige Feedbackorgien auf der E-Gitarre, die auch einem Herrn Young gut zu Gesicht stehen würden, während Melissa Auf Der Maur als Background-Sängerin überzeugt. Das alles wird mit Melodien kombiniert, die einem sofort im Gehör hängen bleiben, ohne dabei billig oder mainstreamorientiert zu wirken. So auch beim Album-Opener „Queen of the underworld“, der die erste Singleauskopplung darstellt. Er handelt davon, dass Menschen als Ausgleich zu ihrem Alltagsleben Zuflucht in der Musik suchen und sich mit gleichgesinnten in Clubs treffen, um gemeinsam „auf eine andere Ebene“ zu gelangen. Als Synonym dafür steht die Geschichte eines Mädchens, das in dem Song als Königin der Unterwelt bezeichnet wird.

Durch diese realistischen Bezüge in den Texten, atmen die Kompositionen das Lebensgefühl New Yorks, das in der letzten Zeit nur von den Strokes auf ähnlich geniale Weise eingefangen wurde. Deshalb wäre es auch müßig, weitreichende Ausführungen über die zwölf Stücke auf „The fine art of self destruction“ anzustellen, da mindestens zehn Songs der CD zu den überzeugendsten Beiträgen der letzten Jahre im Singer/Songwriterbereich zählen. Man höre nur den wunderschönen Pianopart im Titelsong, die coole Percussion und den überragenden Duettgesang in „Riding on the subway“, den wahnsinnig intensiven Gesang bei „Solitaire“ („On a winter’s day I don’t nee anyone, on the month of May I don’t need anyone. Got some cigarettes. I don’t need anyone. And no real regrets. I don’t need any ooooone!“), oder die abgefahrenen Gitarrensoli im treibenden „High lonesome“. Beinahe jeder Song bietet auf diese Weise Höhepunkte, die das Werk zu einem einzigen Genuss machen. Sogar dem etwas kitschigen „X-mas“ kann auf diese Weise noch ein gerüttelt Maß Genialität abgewonnen werden. Also nicht lange aufhalten lassen, vielleicht noch die Anspieltipps Probehören, aber dann nichts wie ab in den nächsten Laden und Herrn Malins CD kaufen!

Anspieltipps:

  • T.K.O.
  • Downliner
  • Brooklyn
  • Solitaire
  • Riding on the subway
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