Isgaard - Golden Key - Cover
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Isgaard Golden Key


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 53 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Koloratursopranistin kämpft mit gleichförmigen Kompositionen ohne zündende Ideen.

Alljährlich wird das deutsche Volk bei der Auswahl seines Vertreters beim Grand Prix Eurovision mit einem gnadenlosen Medien-Hype in Aufregung versetzt. Obwohl dieser 2003 ein wenig abgeht, wird die Nation auch diesmal wieder gespannt vor dem Fernseher sitzen, wenn am 7. März in der Kieler Ostseehalle der Vorentscheid zum Finale in Riga (Lettland) stattfindet. Wie immer haben sich, neben vielen Newcomern, auch wieder einige prominente Teilnehmer angekündigt (Die Gerd Show, Der Junge mit der Gitarre), die das Risiko eingehen, sich mit ihrer Live-Performance vor großem Publikum zu blamieren. Man denke nur an die unglaublich peinlichen Auftritte des Ex-Container-Bewohners Zlatko oder dem Münchner Modezar Rudolph „Mosi“ Moshammer aus dem Jahr 2001 zurück.

Zu den vielsprechendsten Acts der insgesamt 14 Teilnehmer gehört in diesem Jahr die aus Husum in Schleswig-Holstein stammende Isgaard, die bereits im letzten Jahr mit ihrer wunderbaren Stimme begeistern konnte, als sie in der Abstimmungspause als Gastsängerin zusammen mit der Avantgardegruppe Schiller auftrat. Der Name Isgaard kommt aus dem Isländischen und bedeutet soviel wie „Eisgarten“ oder „Eishof“. Schon als Kind entdeckte Isgaard ihre Liebe zum Gesang. Als Teenager war sie jahrelang im Kirchenchor. In dieser Zeit machte sie auch Bekanntschaft mit Musical-Klassikern (z. B. „West Side Story“, „My Fair Lady“), die sie faszinierten. Doch wer traut sich schon auf dem Lande, an eine professionelle Sängerkarriere zu denken? Isgaard nahm klassischen Gesangsunterricht bei einem Lehrer in München, der ihr viel beibrachte, seiner begabten Schülerin dann aber irgendwann empfahl, sich an der Sängerakademie in Hamburg zu bewerben. Isgaard wurde sofort aufgenommen und studierte ab 1996 klassischen Operngesang. Bald lernte Sie einige Musikproduzenten in Hamburg kennen, denen Isgaard durch ihre glasklare, drei Oktaven umfassende Stimme aufgefallen war, die nicht nur in Verbindung mit Isgaards Musik auf ihrem Debütalbum „Golden key“ an Michael Cretus Enigma-Projekt, Enya oder Tarja Turunen von Nightwish erinnert, denn als sogenannte Koloratursopranistin ist sie in der Lage, auch in hohen Stimmbereichen schnelle Läufe zu singen.

Eines Tages traten die Musikerkollegen Mirko von Schliefen und Christopher von Deylen mit der Bitte an Isgaard heran, ihre Stimme für das Danceprojekt SCHILLER zur Verfügung zu stellen. Und so sang sie für das 2001 erschienene Schiller-Album „Weltreise“ die Stücke „Ein schöner Tag“ und „Dream of you“ ein, die auch als Singles Aufmerksamkeit erregten. Seitdem treibt Isgaard ihre eigenen musikalischen Vorstellungen weiter voran. Gemeinsam mit ihrem Produzenten und Komponisten Jens Lück, mit dem sie seit 1999 arbeitet, spielte sie das Album „Golden key“ ein, das sich am äußersten Rand der Popmusik bewegt. Die Songs klingen einerseits mystisch („Anima“), andererseits die Seele besänftigend („Turn to stone“). Ein echtes Chill-out-Vergnügen für den Hörer jenseits des Teenageralters, das auf die Länge von zwei, drei Songs recht interessant klingt und sich positiv vom täglichen Pop-Einerlei abhebt, aber über die Dauer eines kompletten Albums eintönig und einschläfernd wirkt. Obwohl man Isgaard zurecht als stimmliches Ausnahmetalent bezeichnen kann, ist sie nicht in der Lage, den gleichförmigen Kompositionen etwas mehr Abwechslung zu verleihen. Es fehlt ganz einfach die zündende Idee, die den Funken auf den Hörer überspringen lässt. Dass dazu auch eine Michael-Jackson-Coverversion („Earth song“) nicht mehr in der Lage ist, hätte man eventuell auch selber erkennen können. So aber fließen die 53 Minuten von „Golden key“ am Hörer entlang, ohne ihn tatsächlich zu berühren. Schade eigentlich.

Anspieltipps:

  • Anima
  • Golden key
  • Set me free
  • Turn to stone
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