PeterLicht - Stratosphaerenlieder - Cover
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PeterLicht Stratosphaerenlieder


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Highlights der Liedersammlung sind allerdings die Kompositionen, auf denen es eher ruhig und verträumt zugeht.

Wenn draußen die Temperaturen steigen und der Sommer langsam näher rückt, ist es an Zeit, nach einem sogenannten Sommerhit Ausschau zu halten. Sprich: Drei Minuten Musik, die an den warmen Tagen des Jahres aufgrund ihrer eingängigen Melodie und sinnentleerter Fröhlichkeit für die Beschallung von Freibädern, Biergärten und Cabrios sorgt. Vor zwei Jahren wurde dem Lied „Sonnendeck“ diese Ehre zuteil. Ein herrlich verrückter Lo-Fi-Popsong von PeterLicht. Hinter diesem Pseudonym versteckt sich das Projekt eines gewissen Meinrad Jungblut, der persönlich nie Erscheinung tritt, aber trotzdem mit einem kultverdächtiges Video, in dem ein Bürostuhl auf Reisen geht, für entsprechende Präsenz auf den Videokanälen sorgte.

Das schnell hinterhergeschobene Album „14 Lieder“ entwickelte sich zum Independent-Hit und weckte Erinnerungen an die Zeit der „Neuen deutschen Welle“. PeterLicht servierte seinen Hörern elektronischen Deutsch-Pop mit zum Teil aberwitzigen Texten, deren Krönung das mit einen Diktiergerät aufgezeichnete „Lied gegen die Schwerkraft“ war, in dem PeterLicht gegen eben diese vom Leder zog („Die Schwerkraft ist überbewertet, man braucht sie gar nicht, wie man im Weltraum sieht. Und die Sonne kocht auch nur mit Wasser, die soll sich nicht so aufspielen, die gelbe Sau. Und der Himalaja, der alte Arsch, da kann ich mich drüber aufregen.“).

Im April 2003 kehrt PeterLicht mit seiner zweiten CD „Stratosphärenlieder“ zurück. Für das Album hat Meinrad Jungblut mit dem Produzenten Andreas Wodraschke zusammengearbeitet, der unter anderem für den Soundtrack zum Kinofilm „Das weiße Rauschen“ verantwortlich ist. Thematisch drehen sich die Songs darum „wie es ist, wenn man seinen Tag in dieser Welt verbringt". Also geht es in den Texten um Antilopen („Antilopen eins“, „Antilopen zwei“), um den Sommer („Die Geschichte vom Sommer“), um Purpurwolken, Autobahnen und Schienenwege („Morgenlied“), den Herbst, die Liebe, um hundsgewöhnliche Safarinachmittage („Safarinachmittag“), die Gesellschaft und um ein verbotenes Wort. Kurz: Geordnetes Chaos im unnachahmlichen PeterLicht-Stil. Zwar findet sich auf „Stratosphärenlieder“ kein Song, der einen sofort anspringt und „Hit!“ schreit, aber dafür einige gelungene Spielereien wie der abgedrehte Discostampfer „Bisnispipeul“ (Business people), das ganz entfernt an „Sing” von Travis erinnernde Titellied, die musikalische Abenteuertour im 70er Sound namens „Safarinachmittag“, oder das Nonsens-Stück „Die Geschichte vom Sommer“, das als amtlicher Nachfolger von „Like ice in the sunshine“ in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Die Highlights der Liedersammlung sind allerdings die Kompositionen, auf denen es eher ruhig und verträumt zugeht („Morgenlied“, „Zonen“, „Blaues Blau“). Mit atmosphärischer Instrumentierung und Texten, die kleine Geschichten erzählen und deshalb einfach zum Zuhören zwingen, erzeugt PeterLicht eine hypnotische Stimmung, die den Hörer zum gepflegten Chillen einlädt. Auf diese Weise erarbeitet sich das Projekt PeterLicht mit seiner eigentümlichen Musik eine Ausnahmestellung in der deutschen Musiklandschaft. Dass es sich dabei nicht unbedingt um leicht verdaubare Kost handelt, liegt in der Natur der Dinge. Denn hier werden konsequent zum Teil wunderschöne Melodien als seltsam dumpfe Töne, wie bei einem kaputten Kassettenrekorder durch den Wolf gedreht. Das ist Lo-Fi-Pop in Reinkultur und erinnert stark an die wahren Helden der NdW, was es aber auch nicht leichter macht, das Gehörte zu beschreiben. PeterLichts „Stratosphärenlieder“ muss jeder einfach mal selber gehört haben, um zu verstehen, was der Künstler damit sagen will.

Top, die Einladung gilt!

Anspieltipps:

  • Stratosphaerenlieder
  • Safarinachmittag
  • Antilopen zwei
  • Blaues Blau
  • Zonen
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