Celine Dion - One Heart - Cover
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Celine Dion One Heart


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 54 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
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Im Universum der Chanteuse bleibt alles beim Alten.

Im Hause Sony Music/Celine Dion ist man bekanntermaßen sehr geschäftstüchtig. Da das letzte Album der Kanadierin, „A new has come“ (2002) trotz acht Millionen verkaufter Einheiten nicht gerade ein Renner war, der Vorgänger „Let’s talk about love“ (1997) zog immerhin 28 Millionen Käufer an, schiebt man nach ungewöhnlich kurzer Zeit ein neues Werk namens „One heart“ hinterher. Denn Eile ist geboten, schließlich möchte man zu Weihnachten bereits das nächste, französischsprachige Album, der 35-Jährigen veröffentlichten. Zudem benötigt das ambitionierte Vorhaben der Sängerin, drei Jahre lang im 4.000 Menschen fassenden Caesars Palace Coliseum in Las Vegas rund 600 Auftritte zu geben, umfangreiche Promotion. Denn wie man hören konnte, läuft der Absatz der horrend teuren Tickets mehr als schleppend.

Da man das Nötige mit dem Praktischen verbinden kann, purzelt einem beim Öffnen der „One heart“-CD als erstes ein duftender Werbe-Flyer für das demnächst erhältliche Celine-Dion-Parfüm entgegen („Live to love - The sensuously melodic new fragrance from Celine Dion“). Kurz daran gerochen. Gar nicht mal schlecht. Merke: In neun Monaten ist schon wieder Weihnachten! Also, nichts wie ran! Bleibt nur zu hoffen, dass diese Rundumversorgung die Fans des „Wunderkinds“ aus Quebec nicht überfordert. Doch was ein wahrer Fan ist, zeichnet sich durch Hingabe und Leidensfähigkeit aus. Nicht ohne Grund ist Celine Dion mit 150 Millionen verkauften Tonträgern die weltweit erfolgreichste Künstlerin der Gegenwart. Sie wurde mit 118 internationalen Musikpreisen ausgezeichnet, darunter sechs Grammy Awards, zwei Academy Awards („Oscars“), fünf American Music Awards und 20 Juno Awards und darf sich rühmen, am, mit 27 Millionen verkauften CDs, erfolgreichsten Soundtrack aller Zeiten zum erfolgreichsten Film aller Zeiten („Titanic“) mitgewirkt zu haben.

Das neueste Oeuvre der Franco-Kanadierin enthält insgesamt 14 Songs und wurde wie gewohnt von der kompletten, verfügbaren Produzenten- und Songschreiber-Elite betreut. Als da wären: Ric Wake, Anders Bagge, Kristian Lundin, Peer Astrom, Max Martin, Mark Taylor, Erick Benzi, Humberto Gatica und Vito Luprano, um nur ein paar zu nennen. So wird sichergestellt, dass die größtmögliche Bandbreite der populären Musik abgedeckt wird. Und da das Vorgängeralbum nur einen lumpigen Singlehit abwarf („I’m alive“), griff man heuer auf ein altes Hausrezept der Musikbranche zurück. Die erste Singleauskopplung ist eine Coverversion und zwar des Klassikers „I drove all night“, den sowohl Roy Orbison als auch Cindy Lauper bereits sehr ansehnlich interpretierten. Doch was Dion und ihre Hitschmiede aus dem Song machen, ist schlicht als beschämend zu bezeichnen. Das Stück wird mit billigen Europop-Trash-Beats auf unterstem Niveau zugekleistert, um die Top-Of-The-Pops-Zuseher in die Plattenläden, respektive an ihre bevorzugte Download-Plattform zu treiben.

Nach diesem peinlichen Opener folgen drei Songs aus der Feder der schwedischen Teen-Pop-Gottheit Max Martin (Backstreet Boys, Nick Carter, Britney Spears, N*Sync). „In his touch“ ist eine schleppende Ballade mit hymnischen Refrain, also quasi das Markenzeichen von Celine Dion, während „Faith“ ein luftiger Popsong ist, der durch Esbjörn Öhrwalls Akustikgitarrenklänge aufgepeppt wird und nach Sommerhit klingt. „Love is all we need“ hört sich dagegen nach Ausschussware an, die besser als Single-B-Seite aufgehoben wäre. Der Titelsong „One heart“ wurde von John Shanks geschrieben, der sein Können schon den Corrs, Michelle Branch, Sheryl Crow und Melissa Etheridge zur Verfügung stellte. Entsprechend seiner musikalischen Vita, griff Shanks bei „One heart“ auf akustische Gitarren zurück, unterlegte den Song aber mit einem stampfenden Disco-Beat. Das führt, ähnlich wie beim Opener, zu leichten Verwirrungen ob des Sinn oder Unsinns solcher Tanztempeleinlagen.

Das Songtrio „Naked“, „Sorry for love“ und „Have you ever been in love“ vertraut auf schwedische Hit-Power made in Stockholm. Die Herren Anders „Bag“ Bagge und Peer Astrom (Jennifer Lopez, Jessica Simpson, Boyzone) untermauern Celine Dions Image als die großen Balladensängerin - sehnsuchtsvoll, aber unschuldig, hilflos im wogenden Meer der Leidenschaft. Trotzdem sollte die Frage erlaubt sein, warum mit „Sorry for love“ und „Have you ever been in love“ zwei Songs des vorherigen Albums nochmals verbraten wurden. Oder hat man geglaubt, dass der Hörer dies nicht bemerken würde? Lediglich „Naked“ ist eine echte Neukomposition und wie geschaffen fürs Formatradio. Als Rausschmeißer gibt es den von Cathy Dennis geschriebenen Europop-Song „Reveal“ im Stile eines Discostompers, das gefällig rockende „Coulda woulda shoulda“, welches als Singleauskopplung fest gebucht sein dürfte und die Dion-typische Pianoballade „I know what love is“. Damit dürfte klar sein: Wer bei der Musik von Frau Dion in der Vergangenheit Brechreize bekam, wird diese auch bei ihrem neuen Album nicht unterdrücken können. Freunde von radiotauglichen Popsongs und schmachtenden Balladen erhalten dagegen eine amtliche Vollbedienung.

Im Universum der Chanteuse bleibt alles beim Alten. Die Marke Celine Dion wird geflissentlich umsorgt und keinen Experimenten ausgesetzt. „One heart“ präsentiert 14 Titel von der Art, die Celine Dions Fans erwarten: Monumental und emotionsgeladen. Und dabei um einiges spritziger als auf „A new day has come“. Das funktioniert ganz passabel, weil Celine Dion im Gegensatz zu Diven wie Mariah Carey, Madonna oder Whitney Houston nie versucht, sich komplett neu zu definieren, sondern glaubwürdig bleibt, indem sie sich vom Stil und von den Sounds anderer inspirieren lässt und dabei ihr eigenes Image pflegt.

Anspieltipps:

  • Faith
  • Naked
  • In his touch
  • I know what love is
  • Coulda woulda shoulda
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