Smoke Blow - German Angst - Cover
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Smoke Blow German Angst


  • Label: Nois-O-lution/INDIGO
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Was ist Prollrock? Wenn sich drei Freunde in einem Keller treffen, Alkohol trinken und Musik spielen? Wenn fünf „Tote Hosen“ mit Parolen wie „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“ Stadien füllen? Oder wenn ein britischer Unterschicht-Prolo von seinem neuen Album behauptet „it blows your mind“? Mag sein, dass all das Kriterien für diese obskure Spielart sind. Aber was „Smoke Blow“, eine bis auf die Zähne mit musikalischen Waffen bestückte Band mit „German Angst“ abliefern, könnte man getrost als Prototyp des Prollrock deklarieren.

Über eine Spielzeit von zwölf Lieder wird hier ein Feuerwerk des erbarmungslosen Wüstenpunks abgebrannt, das auf komplexe Songstrukturen und sonstige Experimente kompromissfrei pfeift. Die sechsköpfige Band aus Kiel mit den beiden Sängern Jack Letten (Muster-Anarchist, siehe Internetseite www.smokeblow.de) und MC Straßenköter (der ein geradezu unfassbares Organ an den Tag legt, das so bisher auf einem Longplayer nicht zu hören war) haben mit „German Angst“ wohl ihr Meisterwerk einstudiert. Lieder wie „Alligator Rodeo“ oder das überaus melodiöse und mit weiblichen (!) Chören angereicherte „Skoolyard Fool“ brennen sich sofort ins Gedächtnis ein und wollen immer wieder aufs Neue entdeckt werden. Besseren Punk aus Deutschland durfte man schon lange nicht mehr finden.

Zum Genuss dieser CD gelten denn auch bestimmte Regeln: Einmal „German Angst“ eingelegt, den Regler auf das Maximum justiert, dazu ein kühles Bier und schon kann’s losgehen: Luftgitarre und – Schlagzeug rausgeholt und solange moshen, bis einem schlecht wird. Am besten noch im Gesellschaft guter Freunde, aber bitte nicht in aller Öffentlichkeit, evoziert diese – mit Verlaub – kranke Musik doch geradezu debile Verhaltensweisen.

Trotz allen Lärms wurde hier hochsolides Songwriting betrieben, das den Hörer ganz gezielt mitreißt und keine Verschnaufpause zulässt. Dennoch: Bei allem Spaß, den dieses Album machen kann, ist es mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Wer mit Punk generell nichts am Hut hat, wird das hier alles sehr seltsam finden. Und abseits eines gewissen Alkoholpegels, dürften manche Gestalten diese CD auch nicht gerade erträglich finden. Aber dennoch gibt es im Alltag Momente, in denen diese CD Gold wert ist: Wenn mal wieder alles schief gelaufen ist. Wenn man diesen Scheiß-Tag nur noch vergessen möchte. Oder wenn man mit seinen Prollkumpanen ganz einfach mal Regression betreiben möchte. Daher: Empfehlenswert, wenn auch nur eingeschränkt.

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