Karin Clercq - Femme X - Cover
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Karin Clercq Femme X


  • Label: PIAS Recordings/ZOMBA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Französischsprachige Popmusik strahlt seit jeher eine magische, nicht erklärbare Anziehung auf das von allen möglichen Dancepop-Projekten gequälte Ohr der europäischen Bevölkerung aus. Da mag man es auch verzeihen, wenn z.B. eine Vanessa Paradis nicht wirklich überzeugend singen kann. Allein der Charme der Musik macht dieses kleine Manko wieder wett. Ende April steht uns nun das Debüt einer bis jetzt gänzlich unbekannten Künstlerin aus Brüssel ins Haus, die sich ebenfalls der französischsprachigen Popmusik verschrieben hat, dieses Thema aber unter ganz anderen Vorzeichen angeht.

Die 30-jährige Karin Clercq ist eigentlich von Beruf Schauspielerin. Ihre ersten Schritte als Singer/Songwriter verdankt sie dem in der Bretagne gedrehten Kurzfilm „Errances“ von Natalie Jacques. Karin sollte darin ein Lied singen, das der Produzent und Komponist Guillaume Jouan geschrieben hatte. Die beiden entwickelten auf Anhieb eine spezielle Arbeitsatmosphäre, die man nach den Dreharbeiten mit der Produktion eines Albums fortsetzen wollte. Die beiden einigten sich darauf, dass Karin die Texte und Guillaume für die Musik sorgen sollte. Das Ergebnis liegt nun in Form des Albums „Femme X“ vor, das insgesamt 13 höchst individuelle Kompositionen im Stile einer Mischung aus Karin Clercqs favorisierten Künstlern und Bands wie Nick Cave und Portishead darstellt. Dabei schwebt die ganze Zeit der Geist der 60er Jahre über der Musik, die einen Vergleich mit Nicos Auftritt bei The Velvet Underground als gar nicht so abwegig erscheinen lässt. Denn auch Clercq begeistert mit einem eigensinnigen, bitter-süßen Sprechgesang zwischen Polly Jean Harvey und Vanessa Paradis, der lange Zeit nachwirkt.

Karin Clercq ist eine Geschichtenerzählerin, für die autobiographischen Schreiben nicht tabu ist. Und die deshalb nahezu mit jeden Song die Abgründe ihrer Seele nach außen zu stülpen scheint. Mitunter wirken die Texte so intim, als hätte man Einblicke in ihr persönliches Tagebuch erhalten. Kein Wunder, dass es ihr gelingt, den Zuhörer auf Anhieb von ihren Songwriterqualitäten zu überzeugen. Ob atmosphärischer Pop („Rouillée“, „Grise"), Sixties-Rock („Les petites errances“, „Kassandre“), akustischer Folk-Pop („Ne pas“) oder elektronischer Pop-Rock („Désir“), an diesem Album wird der geneigte Hörer lange Zeit Freude haben. Denn hier gilt es Musik zu entdecken, die nicht alltäglich ist und vielleicht auch nicht sofort im Ohr hängen bleibt. Vielmehr wird auf „Femme X“ eine faszinierende Stimmung aufgebaut, von der man sich schon nach kurzer Zeit nur schwer befreien kann. Mal düster, mal melancholisch, aber immer gnadenlos offen und direkt. Selten ist Karin Clercqs Welt ein Ort, an dem die Sonnenstrahlen noch erwärmen, schon häufiger aber wie ein stürmischer Herbsttag, an dem sie flüsternd von ihren Träumen und Sehnsüchten erzählt. Verbunden mit der atmosphärischen Musik von Guillaume Jouan trifft das Album einen Nerv, von dem einige Hörer gar nicht wissen, dass sie ihn besitzen. Doch um dies herauszufinden, bleibt einen nur der Gang zum Schallplattenhändler des Vertrauens übrig. Also nichts wie los. Es lohnt sich!

Anspieltipps:

  • Les Petites Errances
  • La Chanson D‘Anna
  • Kassandre
  • Grise
  • Désir
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