Jennifer Love Hewitt - BareNaked - Cover
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Jennifer Love Hewitt BareNaked


  • Label: Jive/ZOMBA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu gerne würde ich die Rezension des Jennifer-Love-Hewitt-Albums „BareNaked“ damit beginnen, dass es sich um eine neuerdings singende Schauspielerin („Party Of Five“, „Ich weiß was du letzten Sommer getan hast“, „Sister Act 2“) handelt, die es besser dem Schuster gleichgetan hätte und bei ihren Leisten geblieben wäre. Doch dieser Zahn wird dem Rezensenten spätestens beim Studium von Frau Hewitts Biografie gezogen. Die 23-jährige Texanerin sang bereits im zarten Alten von 12 Jahren ihr erstes Album „Love Songs“ (1992) ein, das allerdings nur in Japan veröffentlicht wurde. Es folgten zwei weitere Werke („Let’s go bang“, 1995 und „Jennifer Love Hewitt“, 1996), die auch in den USA auf den Markt kamen, aber nicht mehr als Achtungserfolge waren. Somit ist „BareNaked“ bereits die vierte Platte in der Karriere der „Scream-Queen“, ohne das die Öffentlichkeit groß Notiz davon genommen hätte.

Das soll sich nun ändern. „BareNaked“ erscheint beim Teenpop-Label Jive Records, im Vertrieb von Zomba, das im November letzten Jahres in einem 2,74 Milliarden Dollar schweren Deal von BMG aufgekauft wurde. Die Bertelsmänner versprechen sich von dem Geschäft einen größeren Einfluss auf dem Popmarkt, treiben doch bei Jive u.a. Koryphäen wie Britney Spears, Aaron Carter und N*Sync ihr erfolgreiches Unwesen. Und nun auch Jennifer Love Hewitt, die als Unterstützung für ihr Album auf die Künste der Sängerin und Produzentin Meredith Brooks zurückgriff, die 1997 mit „Bitch“ einen Welthit hatte. In der Praxis bedeutete dies, dass Jennifer Love Hewitt für die Texte und Meredith Brooks für die Musik zuständig war. Dadurch ist man bei so manchem Song Déjà-vu-Erlebnissen ausgesetzt, wenn man bestimmte Harmonien oder Gitarrenriffs alter Meredith-Brooks-Kompositionen wiedererkennt.

Noch bevor das Album in Deutschland erhältlich war, konnte der geneigte Hörer an den ersten Singleauskopplungen mit den dazugehörigen Promo-Clips zu „Barenaked“ und „Can I go now?“ feststellen, dass Jennifer Love Hewitt nicht nur über ein passables Äußeres verfügt, sondern auch mit einem durchaus akzeptablen Gesangstalent gesegnet ist. Frau Hewitt haucht wie die zarte Unschuld vom Lande, gibt den verruchten Vamp, oder packt die Soul-Röhre aus. Soviel Variabilität hätte man der Dame gar nicht zugetraut. Doch nun muss die schauspielernde Sängerin beweisen, dass sie dieses Talent auch auf die Länge einer ganzen CD projizieren kann.

Die 12, in verschiedenen kalifornischen Studios in Burbank und Tarzana eingespielten Stücke, auf „BareNaked“, decken grob die gesamte Palette des US-amerikanischen Mainstreamradios ab. Hier etwas Rock, dort ein wenig Folk, dazu ein bisschen Soul, garniert mit einer guten Priese Pop und schon ist eine Dreiviertelstunde hitparadenverdächtige Musik angerührt. So wird der Titelsong von einem Korsett aus akustischen Gitarren, zarten Basstupfern und sparsam eingesetzten Bläsern zusammengehalten, die sich in einem eingängigen Refrain entladen. Daran erkennt man, dass Meredith Brooks nichts von dem Talent verloren hat, prägnante Songs zu schreiben, die schnell im Ohr hängen bleiben. Bei „Can I go now“ gehen Bass und Schlagzeug ungleich grooviger zur Sache. Gepaart mit den schneidigen, Brooks-typischen, Gitarrenklängen ergibt sich ein veritabler Singer/Songwriter-Titel, der vorbehaltlos zu gefallen weiß. Es folgt die bittersüße Herzschmerz-Ballade „You“, die ein paar Durchläufe benötigt, um ihren ganzen Reiz zu entfalten. „Hey everbody“ ist ein unauffälliger aber feiner Popsong, der die Wandlungsfähigkeit Jennifer Love Hewitts Stimme unterstreicht. So schafft sie es, die im Text ausgedrückte Stimmung exakt einzufangen und differenziert wiederzugeben. Als dritte Singleauskopplung bietet sich der Titel „First time“ an. Der Song hat eine sehr gefällige Melodie und verbreitet eine positive Grundstimmung. Eben echter amerikanischer Power-Pop mit leichtem Rockeinschlag, wie gemacht fürs College- und Autoradio.

Ab dann begeben sich die Songs immer weiter in den Bereich harmloser Popmusik, die überwiegend in die Sparte „Füllmaterial” einzuordnen ist. Nicht wirklich schlecht, aber auch keine Glanzlichter vor dem Herrn. Einfache, solide Kost, die zum gepflegten Nebenbeihören wie geschaffen ist. Tut nicht weh und wirkt kaum nach. Bis auf den Schlusssong. Hier präsentiert Frau Hewitt eine A-Capella-Version des Kris-Kristofferson-Songs „Me and Bobby McGee“. Ein Sakrileg, mit dem sich das Mädel keinen Gefallen getan hat. Ihre Gesangsleistung ist zwar nicht übel, aber die Version von Janis Joplin ist und bleibt unerreicht und bedarf keiner weiteren Interpretationen. So hat selbst „BareNaked“ sein kleines Ärgernis und damit so etwas wie Ecken und Kanten aufzuweisen. Wenn das nichts ist!

Anspieltipps:

  • Avenue of the stars
  • Can I go now?
  • Barenaked
  • First time
  • You
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