Cave In - Antenna - Cover
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Cave In Antenna


  • Label: RCA/BMG
  • Laufzeit: 56 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie macht man heutzutage noch gute Rockmusik? Eine Frage, die zu beantworten gar nicht mal so leicht ist. Denn oft ist es doch so: Man verliert sich in pseudo-grungiger Testosteron-Creed-Nickelback-Attitüde, schreibt ein gutes Album mit perfekten Rocksongs und bringt dann einen selbstzitierenden zweiten Tonträger raus, der nichts als langweilig ist (just geschehen mit 3 Doors Down, Creed, Lifehouse...). Oder man hängt sich an die Nu-Metal-„Bewegung“ und produziert noch langweiligeren, kommerziellen Retorten-Pop im Metal-Gewand.

Wo bleiben da die Alternativen zum „Alternative Rock“, der längst nicht mehr das ist, was er einmal war? Oder, um endlich einmal zu einem Punkt zu kommen, was sind Cave In, die nach ihrem letzten Werk „Jupiter“ für das jetzt folgende Nachfolgealbum schon mal vorsorglich von der einschlägigen Fachliteratur zu den Rettern des Rock hochgepusht wurden? Der besagte Nachfolger „Antenna“ ist nämlich auf den ersten Blick gar nicht mal so revolutionär. Der Opener „Stained Silver“ ist wohl das, was man als Progressive Rock bezeichnet (was auch immer das bedeuten mag) und überzeugt durch vertrackte Rhythmen und einer Intensität, die entfernt an „Trail Of Dead“ erinnert. Doch was ist das: „Inspire“, ein reinrassiger Rock-Song, der so auch durchaus von Three Doors Down geschrieben sein könnte, von dem aggressiv-intelligenten Riff (das übrigens älter ist als das nahezu identische Pendant von Radiohead’s „Paranoid Android“, wie Sänger Stephen Brodsky betont) mal abgesehen. Hören wir gerne, aber kennen wir auch schon, bleibt das Fazit nach diesem Lied.

Während dann „Joy Opposites“ dann wieder die wolkige Progessiv-Krone trägt und sich durch spaciges Gitarrengeschwurbel und wilden Trommelwirbel auszeichnet, ist „Anchor“ dann wieder so deutlich Rock n’ Roll, dass es nur eine Freude ist. Dass Cave In mit dieser Ambivalenz aus progressivem Fast-Metal und melodisch-reinrassigen Rock noch lange nicht am Ende sind, spricht für sie. So ist „Beautiful Son“ ein fast akustisches Stück, das so klingt, wie es sich Oasis heute nicht mehr trauen und die Beatles es in ihrer Spätphase nur zu gerne zum Besten gaben. Doch dann „Seafrost“, ein achtminütiger Hammer, der spätestens alle „The Calling“-Fans vom Stuhl hauen wird. Hier wird über eine schier endlose Zeit ein undurchdringlicher Soundteppich kreiert, der viel Geduld beansprucht. Dass es nach diesem anspruchsvollen Stück konventioneller zugeht, ist da nur begrüßenswert.

Jetzt liefern Cave In eine Songperle nach der nächsten, mal schneller („Penny Racer“), dann mal wieder mit Soli angereichert wie im fantastischen „Woodwork“ und insgesamt stimmig wie im hochmelodiösen Super-Highlight „Lost In The Air“. Ein schwaches Lied macht sich also nicht mehr wirklich bemerkbar, und Cave In zelebrieren Rock auf höchstem Niveau, aber immer mit einem gewissen Anspruch und haben längst gewonnen.

Gewonnen mit ihren Songs, die auch noch nach Wochen Tiefe behalten, und doch schon beim ersten Mal zu gefallen wissen. Gewonnen gegen die Langeweile, die sich mit der endlosen Zahl an ideenlosen Combos im Rock-Business ausbreitet. Das anstrengende „Seafrost“ dürfte zwar absolute Geschmackssache sein und viele werden das eine oder andere Lied als zu konventionell verschreien. Die vielbeschwörte „Revolution“ wird auch ausbleiben und Chad Kroeger wird weiterhin Klone seiner selbst in die Welt schicken, um die Welt mit seinem Ego zuzuschütten. Wem das alles vollkommen egal ist, dem liefern Cave In mit „Antenna“ das erste wirkliche Highlight dieses Jahr. Zwar nicht so genial wie Trail Of Dead oder die ohnehin nur sehr bedingt vergleichbaren Queens Of The Stone Age, aber dennoch uneingeschränkt empfehlenswert.

Anspieltipps:

  • Inspire
  • Beautiful Son
  • Lost In The Air
  • Woodwork
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