AFI - Sing The Sorrow - Cover
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Sing The Sorrow


  • Label: Dreamworks/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5/10 Unsere Wertung
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Sing The Sorrow“ lässt mehr als einmal wirklich gute Ansätze und auch ganze Lieder durchschimmern, die auf ein enormes Potential schließen lassen.

Punk’s not dead, er riecht nur schlecht. Im Falle von AFI dürfte das möglicherweise wörtlich zutreffen. War man Anfang der 90er Jahre als Punk-Melodycore-Combo im Stile von Lagwagon oder NoFX gestartet, mutierte man mehr und mehr zu einer Art Sythese aus Goth Metal und Punk. Und schaut man sich die vier Amerikaner mal genau an, dann könnte man eventuell der Meinung nicht ganz abgeneigt sagt, dass hier einer nicht mehr so ganz frisch duftet. Auf ihren Bandphotos stieren sie mit einer derart lebensfeindlichen, blassen Visage in die Kamera, dass der Schluss, dass man es mit einer Punkcombo zu tun hat, eher fern liegt.

Auf den ersten Blick ist diese sechste Platte von „A Fire Inside“, wie sich die Band ausgeschrieben nennt, auch alles andere als flockiger Melodycore. Der Opener „Miseria Cantare“ startet mit einem derart fett aufgetragenen Tru-Metal-Pathos, das einem förmlich die Spucke wegbleibt. Schon zu dieser Stelle fragt man sich, ob das hier denn alles so ernst gemeint ist, wie es scheint oder ob man sich nicht doch über einschlägige Kapellen wie „Manowar“ lustig machen will. Doch auch „The Leaving Song Pt.2“ geht diesen, beschreiben wir ihn mal wohlwollend als „gewagt“, Weg abgeschwächt weiter. Ein Schlagzeug, das klingt, als sei es durch einen unseligen Defibrilator aus den 80er Jahren in unsere ach so moderne Zeit transportiert worden. Gitarren, die sich nach Klischees anhören, die man längst begraben glaubte.

Wo ist der Punk geblieben? Muss man sich jetzt schon selbst verarschen, um „authentisch“ rüberzukommen? Abwarten, denn in „Bleed Black“ und „Silver and Cold“ lassen AFI erstmals ihre Wurzeln erahnen und liefern braven Sing-Along-Punk, der allerdings hier – erstmals halbwegs erträglich – mit düsterer Goth-Attitüde vermengt wurde. Mit „Death Of Seasons“ schießen die Amerikaner allerdings endgültig den Vogel ab. Hier brüllt sich Sänger Davey Havok in bester Joey-DeMaio-Manier die Seele aus dem Leib und meint das Ganze offensichtlich auch noch ernst. Hier muss man dann doch lächeln, auch wenn man sich insgeheim über diesen absoluten Totalausfall ärgert.

Gottlob toppen AFI diesen „Höhepunkt“ im verbleibenden Restprogramm nicht mehr, sondern produzieren hier (übrigens unter anderem mit Hilfe von Nirvana-Produzent Butch Vig, dem man den Vorwurf der Überproduktion durchaus machen kann) netten Rock mit Punk-Einschlag, der mal richtig hübsch ist wie in „The Leaving Song“ oder auch mal sehr durchschnittlich wie in „Paper Airplanes“ (letzeres kann sich leider wiederum nicht von dümmlichen Tru-Metal-Chören trennen). Den Abschluss bildet „...But Home Is Nowhere“, das einzige Stück auf dieser Platte, dem es gelingt, das Pathos nicht vollkommen hirnrissig und triefend zu transportieren.

Fazit: „Sing The Sorrow“ lässt zwar mehr als einmal wirklich gute Ansätze und auch ganze Lieder durchschimmern, die auf ein enormes Potential schließen lassen. Aber die Mischung, die AFI hier allen Ernstes anstreben, will einfach nicht aufgehen. Sich als Punkband dem Thema Metal derartig ironiefrei zu stellen, ist zwar mutig, in diesem Fall aber leider nicht wirklich gelungen.

Anspieltipps:

  • Bleed Black
  • Silver And cold
  • ...But Home Is Nowhere
Dieser Artikel ging am um 13:13 Uhr online.
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