Tenacious D - Tenacious D - Cover
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Tenacious D Tenacious D


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei der Bewertung eines solch offensichtlichen Fun-Projektes können nicht die normalen Maßregeln für Plattenrezensionen gelten.

Für bestimmte Menschen ist Musik eine dermaßen ernste Angelegenheit, dass man immer in Sorge sein muss, jene Zeitgenossen werfen sich irgendwann, etwa nach dem Genuss des x-ten Emo-Core-Albums, hinter die nächste S-Bahn. Doch für alle Gefährdeten ist jetzt Rettung in Sicht, denn Tenacious D liefern einen amtlichen Gemütsaufheller in Form einer knapp 50-minütigen Comedy-Rock-Therapie ab (für Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker).

Hinter Tenacious D verbergen sich die beiden vollschlanken Hollywood-Schauspieler Jack Black („High Fidelity“, „Schwer verliebt“) und Kyle Gass („The Cable Guy“, „Brain Dead“), die seit einiger Zeit ihr Unwesen in der amerikanischen Pay-TV-Serie „Tenacious D: The greatest band on earth“ treiben. Zuvor standen die beiden Hobby-Rocker für neun Jahre gemeinsam auf der Bühne und trugen Songs vor, die nichts anderes, als die gnadenlose Verarschung von Rockstars und deren mehr oder weniger bedeutenden Werken zum Ziel haben. Und genau das machen Kyle Gass und Jack Black auch auf ihrer ersten CD. Zwar hat es in der Geschichte der Rockmusik immer wieder mal Bands gegeben, die sich als Comedy-Act versuchten (Spinal Tap, Bad News), von kommerziellen Erfolgen waren diese aber regelmäßig weit entfernt. Das dürfte sich nun ändern.

Tenacious D haben mit Epic Records (Sony) nicht nur eines der weltgrößten Labels im Rücken, sondern auch hochrangige Unterstützung für die Produktion ihres Debütalbums erhalten. So saßen keine Geringeren als The Dust Brothers (Beck, Beastie Boys, Linkin Park, Rolling Stones) an den Reglern und so renommierte Musiker wie Page McConnell (Phish), Warren Fitzgerald (The Vandals), Steve McDonald (Redd Kross) und natürlich Dave Grohl (Foo Fighters) halfen an den Instrumenten aus. Gass und Black selbst sind für den Gesang zuständig und klimpern auf abgefahrene Art und Weise auf ihren Akustikgitarren herum („One note song“). Die 14 Songs werden von kleinen Sketchen zusammengehalten, die mit ihren derben Texten („Hard fucking“, „Inward singing“, „Cock pushups“) dafür sorgen, dass sich das Album die begehrte „Parental Advisory Explicit Content“-Auszeichnung abholt. Doch das bedeutet nicht, dass wir es bei Tenacious D mit Scharlatanen zu tun haben. Dazu wurde einfach zuviel Wert auf ein vernünftiges Songwriting gelegt. So überrascht die Singleauskopplung „Tribute“ durch epische Gitarrensoli in Led-Zeppelin-Manier, „Wonderboy“, ebenfalls als Single vorgesehen, ist eine hymnisch-theatralische Meat-Loaf-Verulkung mit wunderbar kranken Akustikgitarreneinlagen und „Fuck her gently“ verrät uns alles, was wir schon immer über Sex wissen wollten.

„Explosivo“ ist eine kongeniale Nu-Rock-Adaption mit schrammelden Rhythmusgitarren, sägenden Lead-Gitarren und genial abgedrehten Vocals. „Dio“ hingegen ist ein Aufruf an Ronnie James Dio (Ex-Black Sabbath Shouter) gefälligst abzutreten, da er eindeutig zu alt für Hardrock ist. Den vakanten Posten würden die Herren von Tenacious D danach freundlicherweise übernehmen. „The road“ klingt ein wenig nach Südstaaten-Rock in der Form, wie Kid Rock ihn zu präsentieren pflegt, „Friendship“ perlt als poppiger Akustik-Rock-Song aus den Boxen und „Rock your socks“ ist ein ungezügelter Stampf-‘N‘-Roll-Knaller. Doch erst zum Schluss fahren die beiden Komiker ihre besten Geschütze auf. Zuerst lädt das 3-minütige Hörspiel „Drive-thru“ zum Schmunzeln ein, dann folgen mit „Double team“ und „City hall“ zwei der womöglich coolsten Songs des Albums. „Double team“ beginnt als Lagerfeuerballade mit Richie-Sambora-Riffs und verwandelt sich dann in einen funky groovenden Rocksong voller Wahnwitz („...hail satan!“) und Energie. „City hall“ dagegen ist ein fast 7-minütiges Opus über das Rock-‘N‘-Roll-Leben, das musikalisch irgendwo zwischen The Who, Barbra Streisand, Lagwagon und der Sesamstrasse angesiedelt ist. Wahnsinn pur eben....

Bei der Bewertung eines solch offensichtlichen Fun-Projektes können nicht die normalen Maßregeln für Plattenrezensionen gelten. Jack Black und Kyle Gass wollen Unterhaltung mit allen Mitteln bieten, zudem nicht nur Musik zählt, sondern auch allerhand Sprechpassagen. Dem Einen werden diese eingestreuten Sketche gnadenlos gut gefallen, andern gehen sie vielleicht als Störfaktor recht bald auf die Nerven. Klar ist, dass Tenacious D keine alltägliche Platte abgeliefert haben. Trotzdem ist sie es wert gehört zu werden, auch wenn der straighte Rock-Fan etwas anderes erwartet. Als gelungenes Zwischenspiel taugt das Werk allemal, bevor wir uns wieder dem Ernst des Lebens zuwenden.

Anspieltipps:

  • Tribute
  • The road
  • Drive-thru
  • Double team
  • Fuck her gently
  • Kyle quit the band
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