Evanescence - Fallen - Cover
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Evanescence Fallen


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 44 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Haben wir das nicht alles schon einmal gehört? Oder ist das am Ende überhaupt nichts Neues? Man weiß es nicht genau. „Evanescence“, das heißt vielsagend zu deutsch „Dahinschwinden“ und könnte als Bitte an diese Band gerichtet verstanden werden. Denn ihr Major-Debüt „Fallen“ ist nichts anderes als der in schlechte Musik gegossene Freibrief zu Gelddrucken. Denn hinter einer Sängerin, die in der Oper weit besser aufgehoben wäre, und einer vor sich hin moshenden Rhythmuskapelle verstecken sich hier nicht mehr als elf weitestgehend irrelevante Kompositionen, deren Kalkül stets beim „Genuss“ dieser LP mitschwingt.

Das Konzept der hoffnungslos gehypten Amerikaner ist so einfach wie durchschaubar: „Linkin Park“ haben enormen Erfolg, da wäre es doch fast schon kommerzieller Selbstmord, eine plumpe Kopie zu kreieren. Und deshalb schuf der Kommerz-Gott „Evanescence“. Den perfekten Klon aus der Sirenen-Attitüde von „Nightwish“ für die Pathos-Freunde, der fetten Bratzigkeit von „Linkin Park“ für den coolen Nu-Mosher und dem balladesken Kitsch einer Tori Amos für die Teelichter-Fraktion. Als wäre es niemals bisher da gewesen, schwelgen hier Geigen, Klaviere und eine nach mindestens drei Hördurchgängen tödlich nervende Frauenstimme durch ausgesprochen ideenfrei betitelte Lieder („My Last Breath“, „Hello“, „Whisper“) und wechseln sich, damit den Nu-Metal-Kids nicht langweilig wird, periodisch mit 08/15-Bretter-Riffs ab. Der lyrische Inhalt beschränkt sich dann auch auf die sinnentleerte Beschäftigung mit dem eigenen Ableben oder dem des Freundes oder sonstwem. „Larmoyant“ klingt hier fast euphemistisch in Bezug auf die textlichen Ausgüsse der Jammerqueen Amy Lee, ihres Zeichens Frontfrau der Dahinschwindenden.

Doch es gibt einen Weg zurück, zeigt die wohl am ehesten auf Linkin-Parker spekulierende Single „Bring Me To Life“, die inzwischen hinreichend aus Radio und Musik-TV bekannt sein dürfte. Bezeichnenderweise ist das hier noch das gelungenste Stück einer ansonsten gar nicht mal so guten Platte, deren Songs zum Großteil unbemerkt an einem vorbeischleichen. Ein bis zwei Mal ist das als Hintergrundmusik noch schön und gut, aber irgendwann ist die durchaus nervige Stimme gepaart mit den ewig gleichen, ach so seelenvollen Lyrics nur noch penetrant. Haben „HIM“ auf „Love Metal“ wenigstens noch ansatzweise ihre musikalische Substanz (von den Texten muss hier ja nicht geredet werden) anklingen lassen, präsentieren uns hier ihre Seelenverwandten aus den USA eine weitere Platte, die in einem Jahr niemand mehr kennen wird, nicht mal die ahnungslosen Bravo-Abonnenten, die eine neue hübsche Band neben Alex, Daniel und Ville Valo an ihre Zimmerwände tapezieren dürfen.

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