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Soundtrack Matrix Reloaded


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 90 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine derartige Mischung von Inhalt, Stil und Action hatte es vor dem ersten "Matrix"-Film (1999) im Kino nicht gegeben. Umso höher sind die Erwartungen an das Sequel "Matrix Reloaded" (Filmkritik hier:), das Mitte Mai bei den Filmfestspielen in Cannes uraufgeführt wurde. Laurence Fishburne, der in den Filmen den Cyber-Rebellen Morpheus spielt, beschrieb das "Matrix"-Phänomen als „Kombination von Science-fiction, Hongkong-Kung-Fu, Cyberpunk und klassischem amerikanischen Actionkino, mit einer großen Dosis Spiritualismus und Philosophie."

Ausgebrütet wurde all dies von den Autoren und Regisseuren Larry und Andy Wachowski, die bei ihren Filmprojekten für gewöhnlich sehr viel Wert auf die musikalische Untermalung legen. Die Vorliebe der Wachowskis liegt dabei im Bereich der elektronischen Musik, die sich in den "Matrix"-Filmen, gepaart mit moderner Rockmusik und den futuristischen Scores von Don Davis („Bound“, „Jurassic Park III“), wiederfindet und die ideale Ergänzung der kühlen Ästhetik der Filme darstellt. Die Regisseure achteten strikt darauf, dass nicht ausschließlich Nu-Rock- und Synthesizer-Musik verwendet wurde, sondern auch die reale Opulenz eines großen Orchesters nicht zu kurz kam. Dass dies nicht immer einfach zu bewerkstelligen ist, berichtet Komponist Don Davis: „Tatsächlich gingen wir etwas anders vor, als ich es gewohnt war. Zunächst musste ich den Wachowskis jedes einzelne Musikstück als Demo präsentieren. Ich nahm das Stück auf dem Synthesizer auf, und dann kamen sie vorbei und schauten sich die Szene mit der Musik an. Ich fügte die vorläufigen Aufnahmen in den Film ein, damit er so bei den Testaufführungen laufen konnte. Der Film war also mit der endgültigen Musik unterlegt, allerdings in einer vorläufigen Form. Nach den Testvorführungen wurden einige Schnittdetails verändert, allerdings noch bevor ich alle Musiksequenzen orchestriert hatte. Während ich also die vorläufigen Stücke orchestrierte, konnte ich sie der neuen Schnittfassung anpassen. Wenn ich mir das überlege, lief das absolut stromlinienförmig."

Der Soundtrack zu "Matrix Reloaded" erscheint als üppig ausgestatte Doppel-CD. Auf dem ersten Silberling gibt sich, ähnlich wie beim vier Jahre alten Vorgänger, die Creme de la Creme des Nu-Rock die Ehre (u.a. Linkin Park, P.O.D., Deftones, Rage Against The Machine, Marilyn Manson), während auf der zweiten CD der Soundtrack-Score von Don Davis und Juno Reactor sowie ein umfangreicher Enhanced-Teil, u.a. mit dem Trailer des fotorealistischen Actiondramas „The Final Flight Of The Osiris & The Animatrix“ vom Final-Fantasy-Chefanimator Andy Jones, das die Vorgeschichte zu "Matrix Reloaded" erzählt, untergebracht wurde. Auf die zweite CD soll hier aber nicht weiter eingegangen werden, oder interessiert sich jemand ernsthaft für die Besprechung eines Soundtrack-Scores?

Den Auftakt machen die hyper-erfolgreichen Linkin Park, die mit „Meteora“ vor kurzem den Nachfolger ihres, mit 14 Millionen verkauften Einheiten, unglaublich erfolgreichen Debüts „Hybrid theory“ veröffentlicht haben und auf „Matrix Reloaded“ mit „Session“ einen instrumentalen Elektro-Song im Stile ihres katastrophalen Remix-Werkes „Reanimation“ vorlegen, der auch als 12. Track auf „Meteora“ zu finden ist. Darauf folgt der bereits bekannte Gitarren-Orkan „This is the new shit“ vom aktuellen Marilyn-Manson-Album „The golden age of grotesque“, ehe der God-Father des post-modernen Schock-Rock, Rob Zombie, auf den Plan tritt und mit „ReLoad“ ein Erbeben Marke TripHop meets Heavy Metal präsentiert. Damit liefert er innerhalb kürzester Zeit seinen dritten Soundtrack-Beitrag ab, nachdem er zuerst seinem eigenen Filmprojekt "House Of 1000 Corpses" musikalisch auf die Sprünge half und danach „The man without fear“, zusammen mit Drowning Pool, zum DareDevil-Soundtrack beisteuerte. Als nächstes steht das dramatische Instrumentalstück „Furious angels“ von Rob Dougan an. Dougan, bekannt als Remixer für U2 oder Moby, um nur zwei Namen zu nennen, war bereits auf dem ersten Matrix-Soundtrack mit „Clubbed to death“ vertreten und spielte für den zweiten Teil mit „Furious angels“ eine orchestrale Breitwandhymne ein. Das ist Filmmusik at it’s best!

Da das neue Deftones-Album auf dem selben Label zeitgleich mit dem "Matrix Reloaded"-Soundtrack in die Läden kommt, macht es aus marketingtechnischen Gründen Sinn, dass die Millionen-Seller mit „Lucky you“ ebenfalls einen brandneuen Song beisteuern. Das Stück baut ganz und gar auf elektronischem Geplucker und der studiotechnisch verfremdeten Stimme von Chino Moreno auf und kommt komplett ohne Gitarren aus. Die nächste Band Team Sleep ist ein Projekt um Deftones-Sänger Chino Moreno, dem Gitarristen Todd Wilkinson und DJ Crook, wobei auch der Rest der Deftones-Mannschaft im Hintergrund mitwirkte und ihren Teil zu „The passportal“ beitrug. Der Song ist sehr atmosphärische, typische Soundtrack-Ware.

P.O.D. veröffentlichen mit „Sleeping awake“ den ersten neuen Song seit ihrem Multi-Platin-Werk „Satellite“. Ursprünglich plante man nur den Remix eines bereits bekannten P.O.D.-Songs auf den Soundtrack nehmen, doch die Band wollte unbedingt ein neues Lied beisteuern, obwohl man nur eine Woche zum Komponieren und Aufnehmen hatte. Dies hört man dem Track dann auch an, der über das Niveau einer Single-B-Seite nicht hinauskommt. Aber das spielt in kommerzieller Hinsicht ja keine Rolle, weshalb „Sleeping awake“ als erste Single ausgekoppelt wurde und bereits auf MTVIVA rauf und runter gespielt wird. Obwohl Rage Against The Machine bereits vor einigen Jahren in die ewigen Jagdgründe der Rockmusik eingegangen sind, dürfen sie ein zweites Mal einen Beitrag zu Matrix leisten. „Calm like a bomb“ stammt vom letzten Studioalbum „The battle of Los Angeles“ und ist ein grooviger Funk-Rocker in gewohnter RATM-Manier. Genial!

Paul Oakenfold gehört zur weltweit höchsten DJ-Garde und verdingte sich lange Zeit als Produzent und Remixer für Bands wie New Order, The Cure oder Massive Attack. Auf „Dread rock“ führt er Rock- und Technomusik auf beeindruckende Art zusammen und liefert einen gepflegt nervösen Footstomper für die Rock-Discos dieser Welt ab. Das englische Trio Fluke zählt zu den Pionieren der Electronica-Bewegung der frühen 90er-Jahre und präsentiert mit „Zion“ einen ähnlichen Techno-Rocker wie zuvor Oakenfold. Zum Schluss der ersten CD darf auch noch die Dave Matthews Band ran, die in den USA Verkaufszahlen wie verrückt aufweisen kann, in Europa dagegen überhaupt nicht stattfindet. Vielleicht hat man sich deshalb zu dem Kompromiss hinreißen lassen, das Stück „When the world ends“ von Paul Oakenfold remixen zu lassen. Der Sound hat zwar jetzt, bis auf die Stimme von Dave Matthews, überhaupt nichts mehr mit dem der DMB gemein. Aber als Experiment betrachtet, kann man das 6-minütige Werk durchaus als gelungen bezeichnen.

Das Doppelalbum zum zweiten Matrix-Film ist das perfekte Rundumsorglospaket für alle Anhänger von Neo und Co. Zum vollendeten Genuss empfiehlt sich jedoch in der Lage zu sein, harte Rockmusik und Elektro-Sounds gleichermaßen gut zu finden, sonst könnte zumindest die erste CD eine relativ stressige Angelegenheit werden. Tatsächlich sollte man sich auch Gedanken darüber machen, ob der Erwerb eines Soundtracks Sinn macht, wenn ca. die Hälfte der darauf vertretenen Stücke bereits bekannt sind. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Lobend erwähnt werden muss allerdings, dass man diesmal auf die Veröffentlichung eines separaten Scores verzichtete und diesen ohne Aufpreis dem Song-Soundtrack beigefügt hat. Somit gilt der leise Vorwurf des Ausverkaufs nur bedingt.

Anspieltipps:

  • Unloco – Bruises
  • Rob Dougan – Furious angels
  • Marilyn Manson – This is the new shit
  • Dave Mattews Band – When the world ends
  • Rage Against The Machine – Calm like a bomb
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