Venice - Welcome To The Rest Of Your Life - Cover
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Venice Welcome To The Rest Of Your Life


  • Label: 105 Music/SONY
  • Laufzeit: 72 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer den Familiennamen Lennon sein Eigen nennt und zudem Musik macht, sorgt ganz automatisch für einen netten Story-Aufhänger. Dumm nur, wenn man gar nicht mit dem verstorbenen Beatle verwandt ist. So ähnlich muss man sich auch die Karriere der kalifornischen Gruppe Venice vorstellen. Unter Kollegen haben die Brüder Michael und Mark Lennon und ihre Cousins Kipp und Pat Lennon einen hervorragenden Ruf und arbeiteten schon mit Bruce Springsteen, Michael Jackson, Don Henley, Brain Wilson und David Crosby zusammen. Verkaufstechnisch bekam die 1977 gegründete Band dagegen noch kein Bein auf den Boden.

Das 13 Jahre nach Bandgründung (!) veröffentlichte Debütalbum ging in der Hochzeit des Grunge völlig unter. Von dem sieben Jahre später (!) erschienenen zweiten Album „Born and raised“ und dem im Jahr 2000 veröffentlichte Drittwerk „Spin art“ nahm auch kaum jemand Notiz. Lediglich in Holland stieß der fröhliche Westcoast-Pop des Quartetts auf reges Interesse und sorgte für Top-Ten-Platzierungen und Gold-Auszeichnungen, sodass unsere Nachbarn auch als erste in den Genuss des neuen Venice-Albums kamen. Acht Monate später wird das „Welcome to the rest of your life“ betitelte Album auch bei uns veröffentlicht. Die CD wurde von Terry Manning (Lenny Kravitz, ZZ Top, Led Zeppelin, Shakira) produziert und in den berühmten Compass Point Studios in Nassau auf den Bahamas eingespielt, wo Venice die ganz besonderen Vibes des Aufnahmetempels einfangen wollten. Denn in dem Chris Blackwell (Gründer von Island Records) gehörendem Gebäudekomplex spielten u.a. schon die Rolling Stones, Bob Marley, Joe Cocker und Eric Clapton Platten ein.

Eröffnet wird das Album von „Think again“, der ersten Singleauskopplung und amtlichen Gute-Laune-Komposition in bester Westküstenmanier. Die Melodie schwebt auf einer Wolke aus wohligem Chorgesang und von den Byrds inspirierten Akustikgitarren und macht richtig Appetit auf die Venice-CD. Doch leider haben die Herren aus L.A. ihr Pulver mit diesem Song bereits verschossen. Weitere Höhepunkte finden auf „Welcome to the rest of your life“ kaum statt. Einzig die romantische Lagerfeuerballade „Language of the heart“ kann noch so richtig überzeugen. Diese stammt zwar aus der Feder von Band-Kumpel David Patrick Wilcox, wird aber zur Ehrenrettung der Band wunderschön umgesetzt. Ebenfalls noch ganz nett sind „Father time“, „The family tree“ und der Titeltrack sowie „Sweet aloha“, dessen Rhythmus von dem Jane’s-Addiction-Song „Been caught stealing“ inspiriert wurde und einen hübschen Groove an den Tag legt. Das war’s dann aber endgültig. Dabei kann man den Jungs von Venice gar nicht mal böse sein. Schließlich sind Bands wie die Eagles und die Byrds mit eben diesem Sound weltberühmt geworden. Nur hatten diese entscheidend mehr Hooklines zu bieten, als die Lennon-Familie. Dass die Lennons virtuos mit ihren Instrumenten umgehen und eine blitzsaubere Produktion hingelegt haben, reißt das Pendel da auch nicht mehr herum.

So bleibt festzuhalten, dass Venice mit „Welcome to the rest of your life“ ein völlig entspanntes, um nicht zu sagen langweiliges Album abliefern, das sie als eine Tra-la-la-Band outet, die in unregelmäßigen Abständen CDs auf den Markt schmeißt, die sich dann traditionell nicht verkaufen - außer in den Niederlanden. Und das ist doch auch etwas, das man später seinen Enkelkindern erzählen kann: „In Holland waren wir ganz groß!“

Anspieltipps:

  • Think again
  • I’m not myself
  • Blue paint
  • Language of the heart
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