Marla Glen - Friends - Cover
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Marla Glen Friends


  • Label: MG Music/SONY
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach einer mehrjährigen Schaffenspause meldet sich dieser Tage eine der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten in der Musiklandschaft auf der Bildfläche zurück: Marla Glen. Seit Beginn ihrer Plattenkarriere vor zehn Jahren stand die Chicagoerin mit ihrer markant rauchigen Stimme und dem provokant androgynem Äußeren im Mittelpunkt des Medieninteresses. Und obwohl sich ihr Publikum fast ausschließlich für die Musik der 43-Jährigen interessierte, setzte ihre ehemalige Plattenfirma alles daran, ein Image für Marla Glen aufzubauen, das selbst vor dreist gefälschten Biographien und effekthascherisch inszenierten Berichten keinen Halt machte. Dabei wurde die unerfahrene Künstlerin derart unter „Verschluss“ gehalten, dass sie weder die Musiker zu Gesicht bekam, die ihre Songs im Studio einspielten, noch erfuhr, dass sie mit regelmäßigen Gold- und Platinauszeichnungen zu den heimlichen Stars in Deutschland zählte.

Irgendwann bemerkt Marla, dass sie in der Öffentlichkeit als whiskysaufendes Ghetto-Kid aus der Gosse vermarktet und um die Rechte an ihren Songs beraubt wurde. Als sie dagegen anzugehen versucht, kommt es zum großen Knall und zur Trennung von Plattenfirma und Management. Danach zieht sie sich für einige Jahre aus dem Business zurück, wobei durchaus im Raum stand, das Musikerleben für immer an den Nagel zu hängen. Doch der Drang nach Musik und die Überredungskunst ihrer Freunde, die auch in der bitteren Zeit zu ihr gehalten haben, ist stärker als der Frust über ein verlogenes Business, das die wahren Künstler gnadenlos ausbeutet und die rückläufigen Umsätze mit grenz-bescheuerten Castingshows auszugleichen versucht, die dann talentfreie Eintagsfliegen wie Daniel Küblböck zu Tage fördern.

Aber da es im Leben ab und an auch ein wenig Gerechtigkeit gibt, kehrt Marla Glen fast sechs Jahre nach ihrem letzten Studioalbum („Our world“) zurück. Im neuen, eigenen Studio bei Heilbronn aufgenommen und von der eigenen kleinen Plattenfirma MG-Music-SK vertrieben, stellt Marla Glen auf „Friends“ unter Beweis, dass sie noch immer zu den außerordentlichsten Sängerinnen zählt, denen man in der heutigen Musikszene begegnen kann. Die neuen Songs bestechen mit Bläsersätzen, Swing-Klängen und der unnachahmlichen Röhre der Amerikanerin. Stilsicher verarbeitet sie in swingendem Songs wie „Earthly power“ und „Friends“, dem relaxt groovenden „Lay with you“ oder dem rockigen „Shut your mouth“, das all die Journalisten aufs Korn nimmt, die Marla in der Vergangenheit ungefragt als eine Art Zombie dargestellt haben, unterschiedlichste Einflüsse, von Blues über Jazz bis hin zu Funk, Soul und Pop. Im Vergleich zu ihren früheren Alben klingen die neuen Kompositionen, die fast alle aus ihrer Feder stammen, deutlich poppiger. Marla Glen präsentiert sich auf „Friends“, trotz der zahlreichen Rückschläge und Enttäuschungen, die sie in ihrer Karriere schon einstecken musste, als gereifte Künstlerin, die je nach Belieben musikalische Akzente setzen kann.

Geholfen hat ihr dabei Produzent und Arrangeur Michel Crosio, unter dessen Regie 12 außergewöhnliche Songs wie das spirituelle „Dreams“, besinnliche Balladen wie „Crazy world“ oder das Chanson-ähnliche „Hanging around“ entstanden, in denen Marla Glen einmal mehr beweist, dass sie trotz aller persönlichen Schwierigkeiten, die jetzt hoffentlich endgültig der Vergangenheit angehören, noch immer in der Lage ist, den positiven Seiten des Lebens etwas abzugewinnen.

Anspieltipps:

  • Mad
  • Dreams
  • Same way
  • Crazy world
  • Earthly power
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