Train - My Private Nation - Cover
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My Private Nation


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Drops of Jupiter“ ging vor knapp zwei Jahren eine Melodie um die Welt, die man inzwischen getrost als Evergreen des amerikanischen Pop/Rock bezeichnen kann. Sie machte die unscheinbare Band Train aus San Francisco zu gefeierten Helden und bescherte den fünf Jungs einen Grammy, Top-Ten-Platzierungen auf der ganzen Welt und drei Millionen verkaufte Kopien ihres zweiten Albums.

Doch trotz der Superlative fallen einem beim Namen Train auch einige Kritikpunkte ein. So dürfte „Drops of Jupiter“ vielen Millionen Radiohörern ein Begriff sein. Die Musiker hinter diesem „Übersong“ spielen dagegen ganz gerne Verstecken, sodass sie kaum jemand kennt. Und diejenigen, die sich in der Euphorie des Singlehits das gleichnamige Album zulegten, wurden auch noch bitter enttäuscht, da die meisten Songs auf der CD nicht mal ansatzweise an das Niveau der Single herankamen und in einem Brei aus hässlicher amerikanischer Schlagermusik versumpften. Die Langzeitwirkung des Albums wurde dadurch komplett an die Wand gefahren, sodass man am Ende eh nur die „Drops of Jupiter“-Single hören wollte.

Dies ist sicher keine besonders gute Ausgangslage für das dritte Train-Album „My private nation“, das dieser Tage in die Plattenläden gestellt wird und irgendwie die Aufmerksamkeit des gemeinen Plattenverkäufers erregen soll. Wie schon der Vorgänger, wurde die CD von Guru Brendan O’Brien (Pearl Jam, Bruce Springsteen The Offspring, Stone Temple Pilots, Limp Bizkit, Korn) produziert und in den Southern-Tracks-Studios in Atlanta, Georgia eingespielt. Dazu ist für Herbst 2003 eine Europatour geplant. Am Engagement kann es also nicht liegen, wenn es darum geht, Kredit beim Publikum gutzumachen.

Typisch für eine Band wie Train ist es, dass die Öffentlichkeit nichts davon mitbekam, dass die Gruppe inzwischen zum Quartett geschrumpt ist, da Gitarrist Rob Hotchkiss in diesem Jahr seinen Ausstieg erklärte. Allerdings ist der Gute noch auf sechs Songs des Albums zu hören, was auf eine freundschaftliche Trennung schließen lässt. Doch ob mit oder ohne Hotchkiss - das Rezept der Band hat sich nicht geändert. Schon der Opener, die erste Single-Auskopplung „Calling all angels“, schlägt in die Kerbe der beiden Vorgänger-Alben und gibt die Richtung für die nächste Dreiviertelstunde vor: Fett produzierter, hymnischer Pop/Rock mit dezenten Hooklines und einigen großen Momenten, wie bei der kraftvollen Pianoballade „When I look to the sky“, die am ehesten die Nachfolge von „DOJ“ antreten könnte und deshalb unbedingt als Single ausgekoppelt werden sollte. Doch auch „Save the day“, „Lincoln avenue“ und „Counting airplanes“ bedienen sich eifrig an erwiesenen Erfolgselementen und pflegen den charakteristischen Bandsound, der entfernt mit dem der Counting Crows verglichen werden kann. So erarbeitet sich das Quartet Song für Song die Gunst des Hörers, selbst wenn die Wut nach dem schwachen Vorgänger noch nicht ganz verraucht ist.

Dafür präsentiert sich auf dem aktuellen Werk eine deutlich gereifte Band, die es nicht nötig hat, mit aufdringlichen Sing-Alongs durchs Unterholz zu brechen. Die kleinen Geschichten von Sänger Pat Monahan werden in abwechslungsreich arrangierte Songs verpackt, die zwischen Westcoast-Pop („Calling all angels“), College-Rock („All american girl“, „My private nation“) und beatleesken Melodien („Following Rita“) pendeln und etwas für jeden AOR-Fan in petto haben. Somit ist es auch für den Rezensenten eine unvorhersehbare Überraschung, dass „My private nation“ das bisher beste Train-Album geworden ist. Dabei liegt die Lösung ganz offensichtlich auf der Hand: Das Werk muss diesmal nicht an einem alles überstrahlenden Song gemessen werden, sondern bietet elf mehr oder weniger gleichwertige Stücke auf, die allesamt ein überdurchschnittliches Niveau besitzen und in ihrer Gesamtheit genau so überzeugen können wie durch einzeln herausgepickte Kompositionen. Wer sich von also von bombastischen Arrangements und poppiger Rockmusik nicht abschrecken lässt, sollte „My private nation“ unbedingt antesten.

Anspieltipps:

  • Lincoln avenue
  • Calling all angels
  • All american girl
  • When I look to the sky
  • I’m about to come alive
Dieser Artikel ging am um 08:32 Uhr online.
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