Stefan Gwildis - Neues Spiel - Cover
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Stefan Gwildis Neues Spiel


  • Label: 105 Music/SONY
  • Laufzeit: 58 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Balanceakt, Soul-Klassiker in deutscher Sprache zu performen, ist als gelungen zu bezeichnen und könnte sogar ein breites Publikum begeistern.

Nanu, ist George Clooney jetzt etwa unter die Sänger gegangen? Ach nein, falscher Alarm! Der Mann, der uns mit dem leicht zerknautschten Gesichtsausdruck vom Cover der vorliegenden CD angrinst, ist nicht der Weltstar aus Hollywood, sondern der Hamburger Musical-Darsteller Stefan Gwildis („Wuttke II“, „Vanessa V“), dessen Karriere als Musiker bisher nur im Untergrund stattfand und sich auf zwei in Eigenregie, -Finanzierung und -Vertrieb unters Volk gebrachte CDs beläuft. Doch Dank den ehemaligen EMI-Managern Heinz Canibol und Roman Rybnikar, die im Zuge der panikartigen Umstrukturierungen beim Kölner Plattenriesen ihren Hut nahmen und mit 105 Music ihr eigenes Label gründeten, hat nun auch Stefan Gwildis ein adäquates Zuhause als Plattenkünstler gefunden.

Auf seinem dritten Album „Neues Spiel“ versucht Gwildis in neue künstlerische Dimensionen vorzustoßen und eine ganz harte Nuss zu knacken: Er covert Soul-Klassiker der 50er- und 60er-Jahre, von Größen wie Bill Withers, Otis Redding, Sly & The Family Stone oder The Temptations und singt diese in deutscher Sprache. Ein Vorhaben, das böse in die Hose hätte gehen können und schon im Vorfeld von einigen Redakteuren der Fachpresse verurteilt wurde. Doch lassen wir uns nicht von der Arroganz einiger selbsternannter Fachleute blenden und lauschen den 13 Songs auf „Neues Spiel“, die zu entdecken eine richtig spannende Angelegenheit ist.

Da praktisch jeder Musikfreund die Melodien kennt, an denen glücklicherweise nicht herumgedoktert oder verfremdet wurde und auch die beteiligten Musiker (u.a. Ralf Schwarz, Achim Rafain, Martin Langer, Mirko Michalzik, Marcio Doctor) über alle Zweifel erhaben sind, stellt sich einzig und allein die Frage, wie die eingedeutschten Texte wirken und was Gwildis stimmlich daraus macht. Aber da gibt es keinen Grund zu klagen, denn der 45-Jährige beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Soulmusik und weiß, wie man die Gefühle und Gedanken der Originalautoren in eine andere Zeit und Sprache transportiert. Dazu hat Stefan Gwildis eine sehr angenehme Stimme, mit welcher er die ausgewählten Stücke liebevoll und detailgenau interpretiert. Somit bleibt alles sehr dicht an der Urform, sodass die Konzentration bei den ersten Hördurchgängen vermehrt auf den Texten liegt. Im Laufe der Zeit nimmt diese besondere Wahrnehmung aber immer mehr ab und Text und Musik verschmelzen zu einem wie selbstverständlich zusammengehörenden Ganzen. Und deshalb klingen Evergreens wie „Ain’t no sunshine“ („Allem Anschein nach bist du’s“), „Chain of fools“ („Schön, schön, schön“), „Have a little faith on me“ („Lass mich nicht allein heut nacht“), „Sittin’ on the dock of the bay“ („Mitten vorm Dock Nr. 10“) oder „Papa was a rolling stone“ („Papa will da nicht mehr wohn’“) auch im neuen, ungewohnten Gewand absolut überzeugend.

Der Balanceakt, Soul-Klassiker in deutscher Sprache zu performen, ist demnach als gelungen zu bezeichnen und könnte sogar ein breites Publikum begeistern. Mal schauen, wie die alten Hasen Canibol/Rybnikar das anstellen.

Anspieltipps:

  • Wem bringt das was
  • Papa will da nicht mehr wohn’
  • Allem Anschein nach bist du’s
  • Lass mich nicht allein heut Nacht
  • Warum komm ich nur so selten dazu
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