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Soundtrack Werner: Gekotzt Wird Später!


  • Label: WSM/Warner Bros.
  • Laufzeit: 57 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit 1990 werden die hiesigen Lichtspielhäuser im Abstand von vier bis fünf Jahren von einer chaotischen Comicfigur namens Werner heimgesucht, die regelmäßig ein Millionenpublikum begeistert, obwohl die Stories der Filme nicht gerade vor Einfallsreichtum strotzen und nach Meinung der Puristen nicht mehr viel mit dem Charme der in den 70er-Jahren erschaffenen Figur des Bier saufenden Klempnerlehrlings aus Flensburg zu tun haben. Werner-Erfinder Rötger „Brösel“ Feldmann (53) hat mit seiner grundsympathischen Figur des rebellischen Halbstarken, mit dem derben Humor und den komischen Kumpels, einen Comic-Helden erschaffen, der sich vom dilettantisch gezeichneten Undergroundhit („Alles klar“, „Oder was?“, „Eiskalt“) zum hochprofessionell designten Kult einer ganzen Generation („Ouhauerha!“, „Geht tierisch los“, „Ex-Gummibur“) entwickelte.

Die 19. Werner-Bücher (inkl. diverser Specials und „Best Of“) verkaufen sich seit über 20 Jahren in astronomischen Auflagen. In den immer umfangreicher werdenden Merchandisingkatalogen gibt es nichts, was es nicht gibt. Riesige Rock-Festivals wurden organisiert, auf denen Feldmann mit dem realgewordenen „Red-Porsche-Killer“ zu Wettrennen antrat. Supermärkte versorgten die durstige Fangemeinde mit original Werner-„Flaschbier“ („Bölkstoff“). Die ersten beiden Kinofilme sahen knapp 10 Millionen Besucher und zeitweise verständigte sich halb Deutschland im Werner-Slang („Hau wech die Scheisse!“, „Beschoid“, „Besser is das!“), der der Nation durch die BILD-Zeitung beigebracht wurde.

Doch es gab auch Flops, die das Brösel-Imperium gehörig ins wackeln brachten. Die Bücher wechselten vom „Semmel-Verlach“ zu „Achterbahn“, die mit Werner das ganz große Geld machen wollten und im Zeitalter des Börsenbooms einen größenwahnsinnigen Börsengang starteten („Die Werner Aktie“), der in der Insolvenz des Unternehmens endete. Vielleicht hat man aus diesem Grund das Gefühl, dass nur deshalb jetzt der vierte Werner-Film „Gekotzt wird später!“ in die Kinos kommt, um die leeren Kassen aufzufüllen. Denn mit einem Blockbuster ist eben mehr Geld zu machen, als mit einem Comicbuch. Dabei stammt die Story des neuesten Leinwandabenteuers aus einem alten Werner-Buch, dem ´87er-Werk „Normal ja!“. Die eiligen drei Könige, Werner, Eckat und Andi, haben eine riesige Oldsmobile-Limousine umgebaut, um ihren Traum vom gemeinsamen Urlaub zu verwirklichen. Und so geht es quer durch Deutschland, mit dem einem Ziel: Flachköpper machen am Strand von Korsika!

Zur musikalischen Untermalung gibt es natürlich einen amtlichen Soundtrack, der mit einigen Klassikern und ein paar neuen Werner-Songs aufwartet. Allen voran der neue Titelsong „Gerner Werner“ von Klaus Büchner - ein Rock-Hit wie ihn ein Werner-Film und Party-People brauchen - zum Mitfeiern und Mitgrölen! Aber es werden auch alte Werner-Lieder, zum Teil in neuem Gewand, zum Besten gegeben. Darunter All-Time-Hits wie „Beinhart!“ (Torfrock) und „Das muss kesseln!“ (Andreas Frahnert). Aber auch die anderen Songs des Films garantieren Party-Feeling: Free präsentieren mit „All right row“ einen der bekanntesten Gitarrenriffs der Rockgeschichte, Modern Talking begeistern mit ihrem typischen Falsettgequietsche („Cheri, cheri lady“), Torfrock fordern „Freie Bahn mit Marzipan“, Freddy Quinn (!) singt „Wir zwei Mann und kein Befehl“ und Rio Bravo liefern ein atmosphärisches „Surfin’ bird“ ab. Insgesamt erwarten den Hörer 17 Party-Burner plus zwei Intermezzos von Barmbek Symphony („Der König kommt“, „Röhrich im Hund“), die für ein wenig Kurzweil sorgen können, aber sicher keinen Preis für hohes Niveau oder besondere Innovation gewinnen können. Wie so oft bei Soundtrack-Kopplungen, erinnert die Songauswahl an eine Art musikalische Resteverwertung, die mit wenig Geld und Aufwand eine weitere Einnahmequelle, neben dem Film, erschließen soll. Wer dafür 15,-- Euro investieren möchte, sollte die CD vorher unbedingt Probehören, oder lieber gleich ne Kinokarte kaufen.

Anspieltipps:

  • Barmbek Allstars - „Audobaun“
  • Klaus Büchner - „Gerner Werner“
  • Muggy Barmbek – „Bullen Blues“
  • Torfrock – „Freie Bahn mit Marzipan“
  • Andreas Fahnert – „Das muss kesseln – Remix“
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