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Enrico Ruggeri The Best Of Enrico Ruggeri: Live


  • Label: MCC/SONY
  • Laufzeit: 68 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Deutschland im Sommer 2003. Ein Land stöhnt: Diese Hitze! Doch was will man mehr? Endlich wieder ein Sommer, der den Asphalt schmelzen und die Wasservorräte knapp werden lässt. Da lohnt sich sogar ein Urlaub auf „Balkonien“. Italien, des Deutschen liebstes Urlaubsland, ist in diesem Jahr eh offiziell verpönt. Doch auch Zuhause muss niemand auf „La Dolce Vita“ verzichten. Eine leckere Mafia-Schindel aus der Tiefkühltruhe, dazu ein guter Barolo Cerequio sowie die neue CD des italienischen Rockveteranen Enrico Ruggeri und schon kommt das Urlaubsfeeling ins Haus.

Doch halt! Wer ist eigentlich Enrio Ruggeri? Hierzulande kennt man einen Eros Ramazzotti, Umberto Tozzi, Nek, Tiziano Ferro oder, wenn’s sein muss, auch Adriano Celentano. Aber Enrico Ruggeri? Nie gehört! Dabei zählt Enrico Ruggeri zu den Aushängeschildern der italienischen Rockmusik. Geprägt von Künstlern wie David Bowie und Lou Reed, gründete der 1957 in Mailand geborene Ruggeri während der Schulzeit seine erste Band Josafat, die wenig später in der Gruppe Champagne Molotov aufging. Nach der Schule lässt sich Ruggeri für das Studienfach Jura eintragen und arbeitet in der Folgezeit als Italienisch- und Lateinisch-Aushilfslehrer an Mittelschulen. Ender der 70er-Jahre verlässt er die Universität, da die Musik seine ganze Zeit beansprucht. Erste Erfolge zeichnen sich ab. Mit seiner Band Decibel spielt als Vorband bei Tom Petty & The Heartbreakers und Adam & The Ants.

In den 80ern startet Ruggeri eine Solokarriere, nachdem es Streitigkeiten mit dem Decibel-Kollegen gab. 1980 erscheint das erste einer Vielzahl von Solowerken des Italieners, mit denen er zum gefeierten Dauergast des San Remo Musikfestivals avanciert. 1986 wird das Jahr des kommerziellen Durchbruchs, als das Album „Enrico VIII“ eine Goldene Schallplatte erhält. Inzwischen genießt Ruggeri auch einen Ruf als hervorragender Songschreiber, von dem immer mehr Kollegen partizipieren wollen, indem sie sich Songs und Texte von ihm auf den Leib schreiben lassen. Am 6. Februar 1996 feiert Enrico Ruggeri drei Millionen verkaufte Alben und auch beim Festival San Remo läuft es wieder mal ausgesprochen gut. 1997 ist das Jahr der Metamorphosen: Ruggeri rasiert sich die Haare vom Kopf und unterschreibt bei dem neuen Label PDU, einen Plattenvertrag. Im Oktober 2001 startet Ruggeri ein neues, ambitionierte Projekt. Er bringt seine Musik auf Theaterbühnen, von deren Tournee „La Vie En Rouge“ sowohl ein Buch als auch ein Doppelalbum erscheint.

Das im August erscheinende Album „The best of Enrico Ruggeri – Live“ gibt nun die Klimaxe Enrico Ruggeris Karriere in neuen Unplugged-Versionen wieder. Die Songs wurden live vor Publikum in ganz besonderen, fast schon klassischen Instrumentierungen aufgenommen, die die Musik des Mailänders auf ein ganz neues Level bringen. Damit unterstreicht Ruggeri ein weiteres Mal seinen Ruf als musikalisches Chamäleon in der italienischen Musiklandschaft. Natürlich muss man sich erst mal in den dargebotenen Stilmix des Italo-Stars reinfinden, doch nach gewisser Zeit, bzw. einigen Gläsern Rotwein, zünden Schunkelhymnen wie „La Vie En Rouge“ und „I Naviganti“, Sing-Alongs wie das rockige „Mistero“, soulige Stücke mit formidablen Harmoniewechseln („I Dubbi Dell’Amore“) und wunderschöne Balladen wie das angejazzte „Nuovo Swing“ oder „Quello Che Le Donne Non Dicono”, bei dem Ruggeris rauchige Stimme besonders gut zur Geltung kommt und von einem imposanten Publikumschor begleitet wird.

Sehr schön ist das an russische Volkslieder erinnernde „Bratiska“, mit stilechtem Akkordeoneinsatz und einer von Co-Producer Luigi Schiavone gespielten Mandoline als Balalaikaersatz. Ebenfalls herausragend das schleppende „Il Portiere Di Notte”. Der Besen gleitet behutsam über das Schlagzeug, während der Kontrabass den Takt vorgibt, dem Piano und Akustikgitarre folgen. Das zentrale Element des Songs ist allerdings der atmosphärische Trompetenpart, der das Stück zu einem Highlight des Albums erhebt. Wesentlicher Fröhlicher und mit einem treibenden Rhythmus im Gepäck geht es da bei „Anna E Il Freddo Che Ha“ zu Werke. Einer der vielen Songs, die durch das neue Arrangement richtiggehend aufblühen. „Il Mare D’Inverno“, ein poppiges Midtempostück, wird von Pianoklängen in Moll eröffnet, ehe Trompete, Gitarre und ein wiederum sehr engagierter Publikumschor einsetzen, die den Song zu einem typischen Stück italienischer Lebensfreude machen, bei dem Mollklänge keine Chance haben. Also genau das, was der Deutsche, neben dem Wetter, so an Italien liebt.

„The best of Enrico Ruggeri – Live“ ist ein abwechslungsreiches Album mit vielen kleinen Pop-Juwelen, das nicht nur den Fans italienischer Rock- und Popmusik gefallen dürfte. In entspannter Atmosphäre eingespielt, präsentiert Enrico Ruggeri seine zahlreichen Karrierehöhepunkte, denen das neue Unplugged-Gewand sehr gut steht. Die beteiligten Musiker liefern ausnahmslos starke Leistungen ab, wobei besonders die Parts der Solotrompete zu begeistern wissen. Wer sich in diesem Jahr ein Stück Italien nach Hause holen möchte und sich traut, einmal auf die üblichen Schlager Südeuropas zu verzichten, der frage seinen Plattenhändler ab dem 18. August nach der neuen Enrico-Ruggeri-CD. Denn: Es muss nicht immer Eros Ramazzotti sein!

Anspieltipps:

  • Mistero
  • La Vie En Rouge
  • Il Mare D’Inverno
  • Il Portiere Di Notte
  • Anna E Il Freddo Che Ha
  • Quello Che Le Donne Non Dicono
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