Air Of December - William - Cover
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Air Of December William


  • Label: Rockwerk/WES2
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Vor gar nicht langer Zeit haben wir das Debütalbum der Bremer Rockband Cosmotron besprochen, schon steht der nächste relativ unbekannte Act aus deutschen Landen an. Air Of December heißt das aus Dortmund stammende Sextett, dessen Einflüsse in der Rockmusik der 70er-Jahre und im BritPop der ausgehenden 90er-Jahre zu finden sind. Seit ihrer Gründung im November 1995 konnte die Band bei über 120 Club-Konzerten im westfälischen Raum einiges an Live-Erfahrung sammeln und 1997 auf der Jugendmesse YOU die Auszeichnung als beste Newcomerband einfahren.

Im selben Jahr erschien auch das Debütalbum „Plastic rose“ von Air Of December, die damals noch als Quintett unterwegs waren. Inzwischen zählen mit Carsten Kriegler (Gesang), Thorsten Hartwich (Gitarre), Christian Grzella (Gitarre), Christian Stach (Keyboard, Hammond), Kay Guido Lipka (Bass) und Lars Börsting (Drums) sechs Musiker zum Line-Up. Jetzt erscheint das zweite, selbstproduzierte Air-Of-December-Album „William”. Dieses entstand innerhalb von drei Monaten im Wohnzimmer und Proberaum der Band. Die Songs wurde in den vergangenen zwei Jahren geschrieben und balancieren zwischen Melancholie, Leidenschaft und Wut.

Allen HiFi verwöhnten Ohren, die bloß die „dicke Hose“-Produktionen der Hitparaden-Acts kennen, sei im Vorfeld gesagt, dass es sich bei „William“ um ein Low-Budget-Album handelt, das es klangtechnisch nicht mit der Konkurrenz aufnehmen kann, die sich ja bisweilen richtiggehend bemüht, LoFi zu klingen. Aber das ist eben der Hohn unserer Zeit: Teure Studiotempel buchen, um dann so richtig schön nach Garage zu klingen. Doch solche Nebenschauplätze spielen eine untergeordnete Rolle, wenn die Musik zu überzeugen weiß. Und tatsächlich liefern die Westfalen auf ihrem Zweitwerk eine sehr solide Vorstellung ab.

Fiel bei Cosmotron noch die große Nähe zu Placebo und zu deren Sänger Brian Molko auf, so überraschen Air Of December mit einem Sänger, der so unverschämt nach Brett Anderson (Suede) klingt, dass es schon wieder unterhaltsam ist. Natürlich mag ein derartiges Timbre polarisieren, doch auf jeden Fall erhalten die Songs allein dadurch Ecken und Kanten, die das Werk von der breiten Masse abhebt. Die Kompositionen bewegen sich dabei überwiegend im Midtempo-Bereich und vereinen die psychedelischen Komponenten aus der Rockmusik der frühen 70er-Jahre, wozu natürlich besonders Christian Stach mit seiner Hammond Orgel beiträgt, mit der Theatralik des BritPop, die den Songs die entsprechende melodische Würze gibt. Herauszuheben sind das atmosphärische „By your side“, bei dem Carsten Kriegler um eine ganze Ecker tiefer singt und Gitarrist Thorsten Hartwich ein herzallerliebsten Soundteppich auslegt, das hymnische „Ordinary nightmare“, bei dem sich Bassist Christian Grzella hervortut, sowie die frech rockenden „Shine on“ und „Lie in wait“, das ein wenig an die Hannoveraner Kollegen von Fury In The Slaughterhouse erinnert, als diese noch nicht von der Großindustrie vereinnahmt waren und unbeschwerten Pop/Rock boten.

Unterm Strich ist „William“ ein bemerkenswertes Album geworden, mit dem sich die Band durchaus für höhere Weihen qualifiziert. Echte Ausfälle sind nicht zu verzeichnen, auch wenn hier und da etwas Füllmaterial geboten wird. Die Band spielt knapp 60 Minuten erfrischend rauen Gitarren-Pop, der in Deutschland in dieser Form eher selten anzutreffen ist. Die musikalische Umsetzung aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Orgel garantiert dabei für Kurzweil, da sich die Songs nicht in ausgelatschten Pfaden bewegen, obwohl sich der Bandsound sehr wohl an genretypischen Vorbildern orientiert. Es wäre schön, wenn die Sechs einmal die Chance erhielten, mit einem Produzenten wie etwa Franz Plasa, der nachweislich etwas davon versteht, deutsche Musik frisch und unverbraucht auf Band zu bringen, zusammenzuarbeiten und ein Album unter echten Studiobedingungen aufzunehmen.

Anspieltipps:

  • Good news
  • By your side
  • Embraceable
  • Carnation in bloom
  • Ordinary nightmare
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