The Star Spangles - Bazooka!!! - Cover
Große Ansicht

The Star Spangles Bazooka!!!


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 37 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie kommen aus New York City, tragen das obligatorische „The“ im Namen, rocken wie die Hölle und sehen aus wie eine billige Kopie der Strokes: The Star Spangles, die bereits jetzt als das nächste große Ding der Retro-Rock-Welle gehandelt werden. Denn die vier Musiker meinen es ernst, verdammt ernst. Davon zeugt schon das nach einem Kaugummi benannte Debüt „Bazooka!!!“ (mit drei Ausrufezeichen). Wobei „Bazooka“ auch ein Szenebegriff für eine mit Kokain versetzte Marihuanazigarette ist. Doch sei’s drum. Politisch korrekt ausgedrückt, sollen sich die punkigen Songs der New Yorker mit der Nachhaltigkeit eines riesigen Kaugummis in die Gehirne ihrer Hörer fräsen und die Platte, wenn möglich, zu einem satten Erfolg machen. Denn vom Leben auf der Strasse haben die Star Spangles ein für alle Mal genug. Wie räudige Straßenköter haben sie sich durch den Moloch New York gebissen haben - und ihr Debütalbum „Bazooka!!!“ liefert die Stories dazu.

Dabei drohten die Karriereträume der Star Spangles zunächst zu platzen. Gitarrist Tommy Volume und Sänger Ian Wilson sind vor den Toren New Yorks aufgewachsen, in einem langweiligen Städtchen namens Brewster. Dort haben die beiden nicht nur ihre gemeinsame Liebe zu den Stooges entdeckt und ihre erste Band gegründet, sondern möglichst schnell die Kurve gekratzt. Scheiß aufs Studium. Nichts wie ab in die City. Und kaum hatten sie sich versehen, standen sie da - als eine der ärmsten Bands von New York. „Als wir unter Vertrag genommen wurden, lebte ich noch von der Wohlfahrt und Ian war obdachlos“, sagt Tommy, der auf den ersten Blick tatsächlich den Eindruck eines Rock-’N’-Roll-Tagelöhners macht. „Wir haben uns ständig das Equipment ausleihen müssen, besaßen noch nicht mal einen eigenen Verstärker.“ Da kann man schon mal nervös werden. Und so wurden zu Beginn des Jahres 2001 der ursprüngliche Bassist und der Drummer durch zwei ähnlich gepolte Außenseiter besetzt: Nick Price und Joey Valentino. Price kam nach New York aus Littleton, New Hampshire, dem Geburtsort der Punklegende G.G. Allin. Drummer Joey Valentine hatte es da schon etwas weiter: Der Schlagzeuger stammt aus der früheren Tschechoslowakei und kam mit seinen Eltern nach Jersey, als er fünf Jahre alt war.

Das New York der späten Neunziger, das die Star Spangles hervorgebracht hat, ist nicht der viel beschworene Schmelztiegel des Garage-Sounds mit Bands wie den Strokes oder Black Rebel Motorcycle Club an der Spitze, die die Rockszene des Big Apple plötzlich wieder so hip gemacht haben. „Es gibt keine so genannte Szene. Nur Leute wie wir, die solche Musik lieben“, behauptet Ian. Dass zu diesen Leuten eben auch Dee Dee und Tommy Ramone gehörten, war natürlich besonders inspirierend. Schließlich gehören die Star Spangles der wohl letzten Generation von Rockfans an, die mit Shows der Ramones aufgewachsen sind. Und in eben diese Fußstapfen wollen die Vier mit ihrem Debütalbum treten. Als Capitol Records die Star Spangles unter Vertrag nahmen, schmissen alle vier Bandmitglieder ihre Gelegenheitsjobs über Bord und schafften sich erst einmal vernünftiges Equipment an. Mittlerweile sind sie schon drei Mal für kleine Tourneen nach Großbritannien geflogen, tourten mit den Datsuns durch die Staaten und werden diesen Sommer auf diversen Festivals in Europa auftreten, um sich als würdige Ramones-Nachfolger zu präsentieren.

Eben dieses Gefühl hat man die ganze Zeit, wenn die Star Spangles mit erfrischender Rotzigkeit in nur 37 Minuten durch die 13 Songs auf „Bazooka!!!“ fegen. Hier regiert stumpfer, zielgerichteter Punk-Rock mit zupackenden Melodien und starken Anleihen bei den Helden der New Yorker Punk-Szene der 70er-Jahre. Angefangen beim grandiosen Opener „I live for speed“, der nichts mit Amphetaminen zu tun hat, sondern mit dem rastlosen Lebensrhythmus der vier Spangles, über die coole Singleauskopplung „Which one of us is gonna burn this house down“, dessen Titel wie eine Aufforderung zum Bandwettstreit klingt; vom hitverdächtigen Mitgrölsong „I don’t wanna be crazy anymore“, bis hin zu den zwei Coverversionen, die die Burschen von der Lower East Side eingespielt haben. Da ist zum einen „Crime of the century“, im Original eine Aufnahme aus dem Jahr 1979 von Gang War, der gemeinsamen Band von Johnny Thunders und MC 5-Legende Wayne Kramer, sowie „I’ll get her back“, eine Adaption von „I want you back“, dem Opener des epochalen Debütalbums der australischen Garage-Punk-Band Hoodoo Gurus. Sänger Ian Wilson krächzt und nölt sich durch das Songmaterial, das seine Bandkollegen ungehobelt und rau runterschrubben. Da fällt die Ode an die Liebste schon mal etwas lärmig aus („Angela“), oder klingt ein Song wie „Stay away from me“ wie Jimi Hendrix auf Speed, wenn das überhaupt geht.

Selbstverständlich ist das in keiner Weise neu, was The Star Spangles auf ihrem Debüt abliefern, jedoch um einiges spritziger, als das, was die Schwemme der sogenannten „The“-Bands in den letzten Monaten auf die Reihe brachte. Die Band bedient sich ungeniert bei ihren musikalischen Vorbildern und kann bei allen modischen Reminiszenzen jederzeit überzeugen. Zwischen den Ramones, MC 5, den Stooges und Johnny Thunders betreiben The Star Spangles Historienpflege, die sich ausführlich der Blütezeit des New Yorker Punk-Rock annimmt und diese mal behutsam auffrischt, um sich dann wiederum bewundernd vor seinen Helden zu verbeugen. Noch mal: Hier wird nichts neu erfunden, und doch schockiert einen die Erkenntnis, alles schon einmal gehört zu haben, überhaupt nicht. Ein guter Song ist und bleibt eben ein guter Song und diese Platte verbreitet zumindest soviel Kurzweil, um die Zeit bis zur nächsten Strokes- oder BRMC-Platte adäquat zu überbrücken. Denn die Devise lautet: „cool geht vor“!

Anspieltipps:

  • In love again
  • Science fiction
  • I live for speed
  • If we can’t be lovers
  • I don’t wanna be crazy anymore
Neue Kritiken im Genre „Punkrock“
Diskutiere über „The Star Spangles“
comments powered by Disqus