The American Analog Set - Promise Of Love - Cover
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The American Analog Set Promise Of Love


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Make it or break it!“. Diese gern angewandte Floskel im Musikbusiness, die Musikern signalisieren soll, dass sie mit ihrem neuen Album die letzte Chance haben, endlich den kommerziellen Durchbruch zu schaffen, diese Floskel gilt dieser Tage wohl auch für die Texanischen Independent Folk-Popper von The American Analog Set. Von Fans und Kritikern wohlwollend behandelt, dümpelt die Band seit ihrer Gründung im Jahr 1995 bei kleinen Labels herum und brachte in dieser Zeit vier Studioalben auf den Markt. Ihr neuestes Werk erscheint nun, zumindest in Europa, unter den Fittichen des Branchenriesen EMI (Labels/Virgin). Dadurch wird sich zeigen, ob die fünf Jungs aus Austin, Texas in der Lage sind, mit ihrer Musik über den Status von „Local Heroes“ hinauszukommen.

Falls die Mannen um Mastermind Andrew Kenny (Gitarre, Vocals) dies überhaupt wollen. Denn am Grundprinzip ihrer minimalistischen Stücke hat sich auch anno 2003 nicht viel geändert. Leicht psychedelische Farfisa-Orgel-Tupfer paaren sich mit entspannt atmosphärischen Gitarren. Dazu gesellt sich Kenny’s sanft flüsternder Gesang und ein paar lockere Drum-Beats – fertig ist ein Sound, der vergleichbar ist mit dem von Bands wie Low oder den frühen Yo La Tengo. Also gar keine schlechte Mischung, die mit dem starken Vorgängerwerk „Know by heart“ (2001) ihren ersten Höhepunkt fand. Doch um sich auf „Promise of love“ zu den Highlights vorzuarbeiten, muss sich der Hörer zuerst durch den ausladenden Opener „Continuous hit music“ kämpfen, der aus nichts anderem als einer 4 ½ Minuten langen, monotonen Orgelschleife mit scheppernden Drums und kreischenden Gitarren besteht und natürlich das genaue Gegenteil eines Chartbreakers darstellt. Schon verrückt, wie man bei einer Spielzeit von unter 40 Minuten auch noch Zeit verschenken kann.

Dass AmAnSet, wie sie von ihren Fans genannt werden, trotzdem ein Händchen für begnadetes Songwriting besitzen, zeigen hypnotische Stücke wie „Hard to find“, das mit feinen Harmoniewechseln und einer himmlischen Melodie daherkommende „Come home baby Julie, come home“ oder das funky groovende „The hatist“. Trotzdem ist „Promise of love“ eher eine Platte der verschenkten Möglichkeiten. Neben einigen genialen Momenten, wirken die Songs streckenweise unfertig, skizzenhaft und etwas unausgereift. Entweder verzettelt sich der Fünfer in ellenlangen Instrumentalphasen, in denen nicht wirklich etwas passiert („You own me“, „Modern drummer“) oder man wirft den Ansatz einer großen Melodie in den Raum, wo dann wieder jegliche Spur eines spannenden Songs um die Melodie herum fehlt („Fool around“). Zufall? Unvermögen? Wenn man Sänger Andrew Kenny Glauben schenken mag, handelt es sich dabei um eine ganz bewusste Verweigerungshaltung, die zum Ziel hat, aus einfachen Popsongs lang ausgedehnte Improvisationen zu basteln. „Wenn wir Popstars werden wollten, könnten wir das durchaus. Es interessiert uns nur nicht. Ein Bandgefüge macht ja erst dann richtig Spaß, wenn alle gemeinsam mit der Songstruktur spielen und sich überraschen lassen, was am Ende dabei herauskommt.” Und so beschert uns das fünfte American-Analog-Set-Album acht fragmentarische Songs, die nur in Ansätzen überzeugen können, und selten in der Lage sind, als Ganzes Wirkung zu erzielen.

Zwar ist „Promise of love“ beileibe kein schlechtes Album, doch fehlt es ihm etwas an Abwechslung und dem entscheidenden Kick, der eine Songsammlung aus der breiten Masse der Veröffentlichungen heraushebt. Vielleicht sollte die Band mal mit einem gestandenen Produzenten zusammenarbeiten, um ihr Songmaterial einen Tick mehr auf den Punkt zu bringen. Dann ist auch für The American Analog Set der große Durchbruch drin.

Anspieltipps:

  • The hatist
  • Hard to find
  • Come home baby Julie, come home
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