The Raveonettes - Chain Gang Of Love - Cover
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The Raveonettes Chain Gang Of Love


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 34 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Garagen-Rock und kein Ende. Die Industrie melkt einen Trend mal wieder bis zum bitteren Ende und schickt dieser Tage die nächste „The“-Band ins Rennen um die Gunst des überforderten Hörers. Diesmal heißt die Combo The Raveonettes und kommt zur Abwechslung nicht aus New York, Detroit oder London, sondern aus dem schönen Kopenhagen in der Musikprovinz Dänemark. Auch handelt es sich um keine drogensüchtige Rasselbande unkontrollierbarer Jungspunde, sondern um ein Duo im Stil der momentanen Götter des Garagen-Rock, The White Stripes. Mastermind ist ein gewisser Sune Rose Wagner, der sich für Songwriting, Texte, Gesang und die verzerrten Gitarren verantwortlich zeigt. Unterstützung erhält er von dem blonden Debbie-Harry-Lookalike Sharin Foo, die ebenfalls singt und den Bass bedient.

Der Sound der Raveonettes ist im lärmenden Schrammelrock der 80er-Jahre verwurzelt. Bei Bands wie den Cramps oder Jesus & Mary Chain aber auch verwandt mit den Sixties-Ikonen von The Velvet Underground. Gerade die Vocals erinnern in ihrer Art und Dynamik an eine Mischung aus Lou Reed und den Everly Brothers. Das Erscheinungsbild der Dänen wird bestimmt von einer trashigen B-Movie Biker-Optik, wie schon die EP „Whip it on“ zeigte und nun auch das Cover des ersten Studioalbums „Chain gang of love“ zu einer schaurig schönen Angelegenheit macht. „Chain gang of love“ entstand unter der Regie des Blondie-Produzenten Richard Gottehrer und präsentiert 13 Songs aus der Feder von Sune Rose Wagner, die die Drei-Minuten-Marke selten übersteigen und mit Akkorden geradezu geizen. Trotzdem sind die Kritiker der englischen Musikzeitschriften wieder mal Feuer und Flamme (gähn) und sparen nicht mit Euphorie. Kein Wunder, dass sich Herr Wagner inzwischen für den Größten hält und daraus keinen Hehl macht. Sympathisch ist was anderes, wie wir nicht erst seit den bräsigen Gallagher-Brüdern wissen. Aber „wichtig ist auf’m Platz“ bzw. was uns der kleine Silberling in etwas mehr als 30 Minuten kredenzt.

Doch da liegt leider auch der Hase im Pfeffer. Rohe Energie und wild kreischende Gitarren allein reichen nicht aus, um ein Album zu etwas Bedeutendem zu machen. Für sein Geld kann der geneigte Garagen-Band-Hörer nämlich auch eine gewisse Abwechslung, unverbrauchte Melodien und ein paar scharfe Gitarrenriffs erwarten. Was The Raveonettes dagegen auf ihrem Debüt präsentieren hat jedoch eher die Bezeichnung Sound-Brei verdient und rein gar nichts mit der vielbeschworenen „Wall Of Sound“ zu tun.

Dabei ist der Opener „Remeber“ sogar eine richtig feine Schrammel-Hymne. Mit viel Hall aufgenommen, schweben die offenen Harmonien und die Stimmen von Sharin und Sune Rose langsam durch den Raum und versetzen den Hörer in ein wohliges Sixties-Feeling. „The great love sound“ drückt dagegen aufs Tempo und erweist sich als eine Art Speed-Ausgabe von „Remember“, während „Noisy summer“ als eben dieser unerträglich aus den Boxen lärmt. Auch „The love gang“ ist ein hübscher Popsong, der aber außer ein paar Noise-Einlagen nichts neues bietet und so langsam verdeutlicht, dass der Raveonettes-Sound sowieso keine Überraschungen bereithält und sich in den immer gleichen Bahnen bewegt. Langweiler wie das Titelstück sprechen da Bände.

War man zu Beginn des Album noch richtig gespannt, lässt die Konzentration von Song zu Song nach. Die Platte rauscht durch wie ein ICE und wiederholt dieses Schauspiel bei jedem Durchlauf aufs Neue. Um so länger die Platte läuft, desto belangloser wirken die Songs. Und das bei lediglich 34 Minuten Spielzeit. Was für eine Leistung, Herr Wagner! Anstatt auf Urge Overkill für Arme zu machen („The truth about Johnny“), täte den Songs schlicht und ergreifend ein wenig mehr Abwechslung gut. Für eine Single oder EP mögen die Tracks des dynamischen Duos aus Dänemark ja taugen. Als ganzes Album verlieren sie leider zu schnell ihre Atmosphäre.

Spannung, Vielseitigkeit, Raffinesse - all das geht diesen Newcomern ab. Das Album wirkt konstruiert und verbietet schon dadurch Vergleiche mit The Kills oder The White Stripes. Von diesen Garagen-Bands sind The Raveonettes noch weit entfernt. Man kollationiere Meisterwerke wie „White blood cells“ oder „Elephant“ mit „Chain gang of love“ und alles ist klar. Sune Rose Wagner und Sharin Foo müssen noch ein bisschen üben, um eine tragende Rolle im Wettstreit der Garagen-Bands spielen zu können.

Anspieltipps:

  • Remember
  • The love gang
  • Heartbreak stroll
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