Dan Bern - New American Language - Cover
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Dan Bern New American Language


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 60 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie viele „kleine“ Bob Dylan's gibt es da draußen in der großen weiten Welt, die ebenso talentiert sind wie der Meister himself, aber leider nur von einer kleinen Fanschar geschätzt und geliebt werden und vermutlich niemals eine Platte veröffentlichen werden? Unzählige wahrscheinlich. Doch hin und wieder schafft es einer aus der zweiten Reihe ganz nach vorne ins Rampenlicht.

Der aus Iowa stammende Dan Bern hatte dieses Glück und bekam einen Plattenvertrag beim Label Work, einem Ableger des Majors Sony Music. Leider wurde Work liquidiert und Bern musste nach nur zwei Alben („Dan Bern“ und „Fifty eggs“) seine Koffer packen.

Das war vor vier Jahren. Eine elendlange Zeit im Musikgeschäft, in der sich der Künstler mit Malerei und gelegentlichen Independentveröffentlichungen über Wasser hielt. Doch zum Glück gibt es in England das kleine Label Cooking Vinyl, das sich als Auffanglager gescheiterter Rockstarexistenzen betätigt und Künstler wie Billy Bragg, Grant-Lee Phillips, Ron Sexsmith, Cracker und Bruce Cockburn unter Vertrag hat. Dies ist auch die neue Heimat von Dan Bern. Darüber darf man wirklich froh sein. Denn so kann man das neue Werk des Amerikaners regulär im Einzelhandel erwerben und sich abenteuerliche Internet-Importe sparen.

Doch was bietet uns der Barde auf seinem fünften Album? Unter den Fittichen des Dylan und Springsteen Weggefährten Chuck Plotkin (der seit 1978 für sämtliche Albumproduktionen des Boss verantwortlich ist) serviert uns Dan Bern 12 Songs, die in einem Mantel aus Blues und Folk-Rock eingehüllt, wunderbar skurrile Geschichten erzählen. Eingespielt mit einer 6-köpfigen Band plus diversen Gastmusikern in klassischer Instrumentierung aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und lockeren Sprenkeln aus Mundharmonika, Orgel und Violine. Diese Kombination aus fesselnden Texten und dem typischen Americana-Sound macht die Klasse dieses Albums aus.

So singt Bern im dem Song „Albuquerque lullaby” untermalt von den sehnsüchtigen Klängen einer Slideguitar von alten Freunden (“I have a friend sits in his office where he’s had his big success. Now he cries all day. He says the Internet is stealing his royalties. Talks of his glory days. I say no one cares about your glory days”) oder im Schlußsong „Thanksgiving day parade” über die Eigenarten von Inselbewohnern (“Australians are the coolest people in the world. Let’s all go down under with strings of colored pearls and lay them at the feet of the heirs of english crime”). Bei dem schmissigen Roadrocksong „Alaska highway” werden Kollegen mit einem Augenzwinkern gedisst (“While riding down the highway with cowboy Joe I met Leonardo DiCaprio. Leo, he’s trying to get away from the unwanted advances of Eminem. Em’s wearing drawstrings and lispin’ along sayin’ please put me into your highway song…”). Der ergreifendste Song des Albums ist jedoch „God said no“, eine hinreißende Ballade, in der sich Bern in ein Zwiegespräch mit Gott begibt und schildert, was er unternehmen würde, wenn er das Rad der Zeit zurückdrehen könnte („I met god on the edge of town where the wind meets the stillness, where darkness meets the light, where the ocean meets the sky, where the desert meets the rain, where the earth meets the heavens….. I asked god do one thing for me. Send me back in time. Send me to Seattle. Let me go find Kurt Cobain. Take away his gun. Take away his bullets. Talk to him. Make him wanna live. Tell him we love him. Help him see his glory. God said no…..”).

“New american language” ist das perfekte Album für einen sonnigen Nachmittag, den man zusammen mit alten Freunden auf der Veranda einer Ranch in New Mexico bei kühlem Budweiser Bier verbringt.

Anspieltipps:

  • God said no
  • Alaska highway
  • Turning over
  • Albuquerque lullaby
  • Toledo
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