David Bowie - Heathen - Cover
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Heathen


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8/10 Unsere Wertung
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei aller Euphorie über die erste Hälfte des Albums, darf man aber nicht außer Acht lassen, dass das Werk auch einige wenige Schwachpunkte besitzt.

Jubiläum im Hause Bowie: Mit „Heathen“ präsentiert der Thin White Duke sein mittlerweile 25. Studioalbum und das erstmals auf seinem eigenen Label ISO Records. Vorbei sind also die Zeiten im Dienste der altehrwürdigen Dame EMI Records. Völlig unabhängig und mit absoluter künstlerischer Freiheit kann Bowie seine Werke jetzt dem Vertriebspartner seiner Wünsche anbieten. In diesem Fall traf die Wahl auf Columbia/Sony Music. Mal schauen, wer das nächste Mal ran darf. Denn Bowie galt schon immer als gewiefter Geschäftsmann, der weiß, wie man immer noch ein paar Dollars mehr machen kann.

Allerdings ist Bowie nicht nur für seinen geschäftlichen Spürsinn bekannt. In Musikerkreisen trägt er aufgrund seiner unglaublichen Wandlungsfähigkeit den Spitznamen „das Chamäleon“. Kaum ein Künstler steht dermaßen für den Umgang mit den unterschiedlichsten Stilarten (Pop, Disco, Glam-Rock, Dance), die er in Form von musikalischen Charakteren wie Ziggy Stardust, Major Tom und Aladdin Sane sowie perfekt gestylten, aber ebenso phantasievollen Outfits zum Ausdruck bringt, wie David Bowie. Nicht selten in seiner über 30-jährigen Karriere war er damit der Zeit voraus und fungierte als Trendsetter.

In den 90er Jahren hatte man allerdings das Gefühl, dass Bowie ein wenig den Anschluss verloren hatte und krampfhaft neuen Musiktrends wie Electronic, Techno und Drum ’N Bass hinterherlief. Nicht nur die beinharten Fans fragten sich, ob der gute David nach kommerziellen Flops wie „Black tie, white noise“ (1993), „Outside“ (1995), „Earthling“ (1997) und „Hours“ (1999) noch mal die Kurve bekommen würde. Sicher waren dies mitsamt keine schlechten Alben, die auch das eine oder andere Kritikerlob einheimsen konnten, doch ein David Bowie war nun mal aus den 80er Jahren das krasse Gegenteil gewohnt: Satte Singlehits und böse Kritikerschelte. Da interessiert es einen um so mehr, was der neue Independent-Bowie anno 2002 zu bieten hat.

Zum einen ist da die Rückkehr zu seinem alten Weggefährten, dem Produzenten-Urgestein Toni Visconti, mit dem er das letzte Mal 1980 an dem Album „Scary monsters“ zusammenarbeitete. Ein klares Signal, in welche Richtung die Kompositionen umgesetzt werden sollten. Zum anderen zeigt die kollegiale Unterstützung von Pete Townshend (The Who) und Dave Grohl (Foo Fighters) an den Gitarren eine Rückbesinnung auf natürliche Klänge. Auch wenn es einen Bowie ohne Synthesizer, Keyboardteppiche und der obligatorischen Verschrobenheit seiner Stimme niemals geben wird.

So ist dann auch der Einstieg in „Heathen“ mit dem sphärischen Song „Sunday“ typische Bowie-Kost auf höchstem Niveau. Das knapp fünfminütige Stück schleppt sich geheimnisvoll monoton dahin, bis sich kurz vor Ende die scheinbar aufgestaute Energie entlädt. Bei Pink Floyd oder den frühen Genesis wäre dies die Einleitung zum einem mindestens fünfzehnminütigen Opus gewesen. Bei Bowie ist schlicht Schluss. Die nächste Nummer („Cactus“) ist die Coverversion eines Pixies-Songs, bei der Bowie den Rocker raushängen lässt, ehe bei „Slip away“ wieder psychedelische Sphärenklänge Einzug halten und den Hörer direkt in die Mitte der 70er Jahre zurückversetzen. Mit diesem Song hat Bowie sein geniales Können, hymnenhafte Songs, mit bildhaften Texten zu schreiben endlich wieder mal unter Beweis gestellt. Lyrics wie diese (Auszug: „… Don't forget to keep your head warm. Twinkle twinkle Uncle Floyd. Watching all the world and war torn. How I wonder where you are. Sailing over Coney Island. Twinkle twinkle Uncle Floyd. We were dumb but you were fun, boy. How I wonder where you are. Oogie knew there's never ever time. Some of us will always stay behind. Down in space it's always 1982. The joke we always knew. What's the matter with you…”) lassen einen nur darauf warten, dass der gute Major Tom gleich ums Eck geschwebt kommt. Ebenso herausragend ist das Neil-Young-Cover „I’ve been waiting for you“. Die Umsetzung erfolgte erfreulicherweise sehr rootslastig und steht Bowie ungewöhnlich gut zu Gesicht. Dagegen ist „Everyone says hi“ eine etwas zwiespältige Angelegenheit. Hier zitiert Bowie fast schon zu sehr die 80er Jahre und traut sich im Refrain wirklich „Doo wap wap doo wap wap oooo“ zu singen.

Bei aller Euphorie über die erste Hälfte des Albums, darf man aber nicht außer Acht lassen, dass das Werk auch einige wenige Schwachpunkte besitzt. Gerade zum Ende hin gibt es einige Stücke, die den hohen Level nicht mehr ganz halten können. Verzichtbar wären auf jeden Fall „I took a trip on a gemini spaceship” und „A better future“ gewesen. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass der neue “alte” Sound dem Meister richtig gut tut und das Album einen größeren Erfolg verdient hat, als die diversen Vorgänger.

Anspieltipps:

  • Sunday
  • Cactus
  • Afraid
  • Slip away
Dieser Artikel ging am um 12:26 Uhr online.
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