Tom Waits - Alice And Blood Money - Cover
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Tom Waits Alice And Blood Money


  • Label: Epitaph/SPV
  • Laufzeit: 90 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Spätestens seit seinem Album „Mule variations“ von vor drei Jahren kann man sich wieder auf neue Veröffentlichungen aus dem Hause Waits freuen. Mit diesem Meisterwerk der Melancholie, das Melodien zutage förderte, wie man sie von Waits seit Jahren nicht mehr zu hören bekam, röchelte, murmelte und raunzte sich der Meister zurück in die Herzen der Musikfans. Dabei stand es lange Zeit schlecht um die Zukunft des Kaliforniers. Genau wie Neil Young in den 80er Jahren, machte der Schmuddel-Poet eine Phase durch, in der man seine Plattenveröffentlichungen bedenkenlos auf dem Müll befördern konnte.

Ähnlich wie old Neil, war Waits auf seinen Alben nur noch damit beschäftigt, die Musik in ihre Einzelteile zu zerlegen und anschließend zu unkenntlichem Soundbrei zu verarbeiten. Doch im Gegensatz zu Herrn Young, der aufgrund seiner Verweigerungshaltung sogar von seinem Label GEFFEN verklagt wurde, durfte Waits ungestört weitermachen, bis er eben dieses grandiose Comeback vorlegte. Als Nachfolger präsentiert uns der König der Säuferballaden mit „Alice“ und „Blood money“ jetzt gleich zwei Alben. Eine absolute Seltenheit, die bisher nur Megasellern wie Bruce „The Boss“ Springsteen („Lucky town“ / „Human touch“) und Guns `N Roses („Use your illusion I + II“) vorbehalten war.

Während auf „Alice“ das Theaterstück „Alice im Wunderland“ bearbeitet wird, hat sich Waits auf „Blood money“ Georg Büchners Musical-Drama „Woyzeck“ vorgenommen. Wie üblich, dominiert dabei ein äußerst finsterer Grundton, der sich durch beide Werke zieht. Mit seinem rostigen Timbre intoniert der Barde schwermütige Jazz, Country und Blues Balladen, die gänzlich ohne elektrisch verstärkte Instrumente auskommen und nur mit Piano, Klarinette, Banjo, Violine, Cello, Gitarre, Bass, Trompete und ein wenig Schlagzeug vorliebnehmen. Ergebnisse sind dann solch herzzereissende Stücke wie „Flower’s grave”, das an “Tom Traubert’s blues” vom Album „Small change” (1976) erinnert, oder das grandiose „Poor Edward“, das die Geschichte vom armen Edward erzählt, der auf seinem Hinterkopf ein weiteres Gesicht trägt, das zu entfernen ihn das Leben kosten würde („… Did you hear the news about Edward? On the back of his head he had another face. Was it a woman's face or a young girl? They said to remove it would kill him. So poor Edward was doomed. The face could laugh and cry. It was his devil twin. And at night she spoke to him. Things heard only in hell. But they were impossible to separate. Chained together for life. Finally the bell tolled his doom. He took a suite of rooms. And hung himself and her from the balcony irons. Some still believe he was freed from her. But I knew her too well.I say she drove him to suicide. And took poor Edward to hell…”). Herrlich skurril, wie wir es von Onkel Tom gewohnt sind. Doch es geht noch extravaganter, wenn Waits bei dem Stück „Kommienezuspadt“ von „Alice“ seinem typischen Wahnsinn freien Lauf lässt und sich an der deutschen Sprache versucht und damit die vorherrschende Düsterkeit etwas auflockert.

Tom Waits Anhängern müssen seine Alben nicht empfohlen werden. Sie kaufen sowieso alles von ihrem Helden und lassen sich von so manchen Dissonanzen nicht erschrecken. Man wird sich höchstens streiten, welches der beiden Werke das bessere darstellt. Klar ist, dass „Alice“ etwas eingänglicher ausgefallen ist und die einzelnen Stücke besser im Gedächtnis bleiben. „Blood money“ dagegen greift auf die Alben der 80er Jahre zurück und ist allgemein nicht so leicht zu verdauen. Doch das ist, wie gesagt, Ansichtssache. Aber da Tom Waits noch nie everbody's Darling war, spielt das fast keine Rolle.

Anspieltipps:

  • Alice (Alice)
  • Flower’s grave (Alice)
  • Poor Edward (Alice)
  • I’m still here (Alice)
  • Woe (Blood money)
  • A good man is hard to find (Blood money)
  • Coney Island baby (Blood money)
  • Another man's wine (Blood money)
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