Robert Plant - Dreamland - Cover
Große Ansicht

Robert Plant Dreamland


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Besonders hervorzuheben ist der respektvolle Umgang mit den zahlreichen Coverversionen, die zwar oftmals bis zur Unkenntlichkeit umarrangiert wurden, aber niemals die Seele des Songs verletzen.

Auf seinem ersten Soloalbum seit neun Jahren präsentiert der Großmeister der Rockmusik ein überzeugendes Potpourri aus sechs Coverversionen und vier Songs aus der Feder des Meisters und seiner fünf Band-Mitstreiter. Auch wenn man es sich nicht stets bewusst ist, so war Robert Plant bereits in seinen frühen Led-Zeppelin-Jahren ein Meister der Interpretation fremden Materials. Schon auf dem Debüt des Rock ’N Roll-Luftschiffes aus dem Jahr 1969 drückte Plant Blues-Klassikern wie „You shook me“ und „I can't quit you baby“ mit seiner facettenreichen Stimme, die einer Mixtour aus hysterischem Geschrei und melancholischem Geflüster gleichkommt, seinen Stempel auf.

Auch auf „Dreamland“ vernachlässigt Plant seine stimmlichen Markenzeichen nicht, selbst wenn diese nach über 30 Jahren im harten Business ein wenig an Schärfe eingebüßt haben. Kein Wunder, bei der dargebotenen Stimmakrobatik, denn geschont hat sich der gute Robert nie. Doch sei’s drum. Auch ein Ian Gillan von Deep Purple muss sein „Child in time“ heutzutage ein paar Noten tiefer singen. Somit sei’s ihm verziehen, denn Songs wie der Opener „Funny in my mind (I believe I’m fixin’ to die)“, eine von vier Eigenkompositionen, funktionieren auch mit halber Kraft. Hier wird in bester 16 Horsepower-Tradition mit erhabener Düsternis und staubtrockenem Wüstenrock operiert. Da sägt die E-Gitarre und stampft das Schlagzeug. Sogar auf den Einsatz einer Ziehharmonika wurde nicht verzichtet. Das macht Laune. Doch in Punkto Musikalität bildet der Song die Ausnahme. Im Plants Traumland beherrschen andere Töne das Geschehen und so gibt Song Nummer zwei („Morning dew“, ein 40 Jahre alter Folksong, der u.a. durch The Grateful Dead zu Hit-Ehren gelangte) bereits die endgültige Marschroute für das gesamte Album vor: Ruhige, getragene Rocksongs in psychedelischen Blues- und Folkgewändern, gepaart mit den exotischen Klängen indischer Musik (Justin Adams bedient neben seiner Gitarre auch noch die Instrumente Darbuka und Gimbri), wie wir es bereits von den Page & Plant Werken „No quarter“ (1994) und „Walking into Clarksdale“ (1998) kennen.

Besonders hervorzuheben ist der respektvolle Umgang mit den zahlreichen Coverversionen, die zwar oftmals bis zur Unkenntlichkeit umarrangiert wurden, aber niemals die Seele des Songs verletzen, wie etwa die Neuinterpretation des durch Gitarren-Gott Jimi Hendrix berühmt gewordenen Traditionals „Hey Joe“ von William Roberts. Wütend zersägt, bedrohlich und elektrisierend baut sich der Song auf wie eine meterhohe Welle, um über den Hörer drein zu brechen, so dass die unzähligen Hendrix-„Ersatzversionen“ wie Begleitmusik für einen Hausfrauen-Nachmittag klingen. Die Ballade „Song to the siren“ dagegen ist eine wunderschöne Hommage an Tim Buckley und zugleich das einzige Lied, zu dem der Text im Booklet abgedruckt wurde. „Last time I saw her“, eine weitere Eigenkomposition, zeigt eine gewisse Verwandtschaft zur Jagger/Richards-Nummer „Sympathy for the devil“, freilich ohne deren sich von Note zu Note steigernde Intensität zu erreichen. Trotzdem nicht zu verachten! Das sechs Minuten lange Stück „Win my train fare home (If I ever get lucky)“ ist ein stimmungsvoller Blues, der zwar als Robert Plant-Werk aufgeführt ist, aber Fragmente von Robert Johnson („Milk cow’s calf blues“), John Lee Hooker („Crawlin’ king snake“) und Arthur „Big Boy“ Crudup („That’s allright mama“) enthält.

Das absolute Highlight (neben „Hey Joe“) ist „Darkness, darkness“, einer mantra-artigen Hymne an die Dunkelheit, die sich in sieben Minuten zu einer kleinen Wall Of Sound erhebt. Hier wäre tatsächlich nur noch eine Steigerung möglich, wenn Plant zu einer seiner charakteristischen Stimmeskapaden ansetzen würde. Aber darauf wartet man leider vergebens. Ein kleiner Wermutstropfen, auf dem ansonsten sehr gelungen Werk, das gewiss vermehrt die Liebhaber von Klängen aus den 60er und 70er Jahren anspricht, die auch mal eine Stunde ohne knalligen Nu-Rock auskommen können und bei drei atmosphärischen Blues-Songs am Stück nicht sofort einschlafen. Aber auch der geneigte Fan „moderner“ Klänge, kommt beim Genuss der zehn Songs auf „Dreamland“ auf seine Kosten, da es sich hier schlicht und einfach um ein gut gemachtes, klassisches Rockalbum ohne Ausfälle handelt.

Anspieltipps:

  • Hey Joe
  • Skip’s song
  • Morning dew
  • Darkness, darkness
  • Funny in my mind (I believe I’m fixin’ to die)
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Robert Plant“
comments powered by Disqus