Bruce Springsteen - The Rising - Cover
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Bruce Springsteen The Rising


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 73 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„The sky was falling and streaked with blood. I heard you calling me, then you disappeared into the dust. Up the stairs, into the fire.”

Es gibt Songs, die man sein Leben lang nicht vergisst. Bruce Springsteen zählt zu den Menschen, die in der Lage sind, solche Großtaten zu komponieren. Wer anders, als der Boss himself, sollte demnach zu den abscheulichen Attentaten auf die Vereinigten Staaten von Amerika vom 11. September 2001 glaubhaft musikalisch Stellung beziehen?

Schon einmal wurde Bruce Springsteen zur Stimme Amerikas erklärt, als er 1984 mit seiner Hymne „Born in the USA“ das Thema Vietnam-Krieg aufgriff und sich vom damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan ungefragt vor dessen politischen Karren spannen ließ. Dabei stellt der Song anstatt einer Glorifizierung Amerikas eher eine zynische Abrechnung mit seinem Heimatland dar und schildert das Dasein eines Vietnam-Veteranen, der nach der Rückkehr aus dem Krieg nicht mehr klar kommt und enttäuscht resigniert. Doch das wollte offensichtlich niemand erkennen. Im Prinzip ist „Born in the USA“ eines der größten Missverständnisse in der Rockgeschichte. Trotzdem bekommt auch heute noch eine ganze Generation Gänsehaut, wenn der Boss zu einer stampfenden Bass-Drum loslegt: „Born down in a dead man's town. The first kick I took was when I hit the ground. You end up like a dog that's been beat too much. Till you spend half your life just covering up. Got in a little hometown jam. So they put a rifle in my hand. Sent me off to a foreign land. To go and kill the yellow man. Come back home to the refinery. Hiring man says "Son if it was up to me". Went down to see my V.A. man. He said "Son, don't you understand". I had a brother at Khe Sahn fighting off the Viet Cong. They're still there, he's all gone. He had a woman he loved in Saigon. I got a picture of him in her arms now. Down in the shadow of the penitentiary. Out by the gas fires of the refinery. I'm ten years burning down the road. Nowhere to run ain't got nowhere to go. Born in the U.S.A. I was born in the U.S.A.”

Und jetzt also „The rising”. Ein Album, mit dem Springsteen am besten einem ganzen Volk aus der Seele sprechen soll. Keine leichte Aufgabe. Da musste selbst der Boss in die Trickkiste greifen und rekrutierte nach 18 Jahren sein alte Kapelle, die E Street Band, um Roy Bittan (Keyboards), Clarence Clemons (Saxophon), Nils Lofgren (Gitarre), Steven van Zandt (Gitarre, Vocals), Max Weinberg (Drums), Danny Federici (Orgel), Garry Tallent (Bass) und Patti Scialfa (Vocals), die ihm zuletzt ein wenig bei den Bonus-Tracks seines „Greatest Hits“ Albums (1995) zur Seite stand. Trotz dieser immens langen Solo-Phase mag man es kaum glauben, dass die aktuelle CD des Boss erst sein 12. Studioalbum in annähernd 30 Jahren Karriere darstellt.

Nach Zeiten zum Teil ungerechtfertigter Kritik („Human touch“ und „Lucky town“ sind entschieden besser, als das, was die Presse daraus machte), leidlich gefloppten Alben wie „The ghost of Tom Joad“ (1995 / das einzige Werk, für das Springsteen keine Platin-Auszeichnung in den USA bekam) und gewiss auch schwächeren Alben („Tunnel of love“, aus dem Jahr 1987, war sicher kein Ruhmesblatt), präsentiert der berühmteste Mann New Jerseys (neben Jon Bon Jovi) ein außergewöhnlich gutes Werk mit 15 Songs, die gefühlsmäßig die volle Palette auffahren. Produziert von Brendan O’Brien (Pearl Jam, Stone Temple Pilots, Aerosmith), Korn), geht die Band gewohnt erdig und bemerkenswert spielfreudig zur Sache. Springsteen beschreibt mit fast schon spirituellen Texten das Schicksal der Opfer, Polizisten und Feuerwehrleute der Anschläge des 11. Septembers. Dabei wird allerdings nicht nur Trübsal geblasen. So werden vermeintlich fröhliche Songs, wie „Waiting on a sunny day“, „Mary’s place“ oder „Counting on a miracle“ dargeboten, mit denen Springsteen den Menschen Mutmachen möchte. Kaum zu glauben, dass einem die Saxophon-Soli von Clarence Clemons nochmals so viel Freude machen würden, wie damals in den 80er Jahren zu „The river“-Zeiten.

Da sind aber auch düstere und unheimlich eindringliche Balladen, wie z.B. „My city of ruins“, „Nothing man“ und „You’re missing“ oder dramatisch aufgebaute Stücke wie „The fuse“ und „Further on (up the road)“, bei denen man sich vorstellen kann, wie es Springsteen ergangen sein muss, als er von seinem Anwesen die in Flammen stehenden Türme des WTC sehen konnte. Besonders eindrucksvoll schildert er in „Into the fire“ und „Empty sky“ diese Eindrücke:

„The sky was falling and streaked with blood. I heard you calling me, then you disappeared into the dust. Up the stairs, into the fire. Up the stairs, into the fire. I need your kiss, but love and duty called you someplace higher. Somewhere up the stairs, into the fire. May your strength give us strength. May your faith give us faith. May your hope give us hope. May your love give us love. You gave your love to see, in fields of red and autumn brown. You gave your love to me and lay your young body down. Up the stairs, into the fire. Up the stairs, into the fire. I need you near, but love and duty called you someplace higher. Somewhere up the stairs, into the fire.” („Into the fire”).

„I woke up this morning. I could barely breathe. Just an empty impression. In the bed there you used to be. I want a kiss from your lips. I want an eye for an eye. I woke up this morning to an empty sky. Empty sky, empty sky. I woke up this morning to an empty sky. Blood on the streets. Blood flowin' down. I hear the blood of my blood. Cryin' from the ground. On the plains of Jordan. I cut my bow from the wood. Of this tree of evil. Of this tree of good. I want a kiss from your lips. I want an eye for an eye. I woke up this morning to the empty sky” (“Empty sky”).

Unglaublich faszinierend ist der Umgang mit Weltmusik-Einflüssen beim Song „Worlds apart“. Mit einer Menge Pathos wird das Aufeinandertreffen der arabischen und der westlichen Welt beschrieben („Where the distant oceans sing, and rise to the plain. In this dry and troubled country your beauty remains. Down from the mountain roads where the highway rolls to dark. 'Neath Allah's blessed rain, we remain worlds apart”). Das Aushängeschild ist sicher der Titeltrack „The rising“, eine Hymne, die Aufbruchstimmung vermittelt und einen mit ihrem eingängigen Refrain sofort in den Bann zieht. Ein scheinbar simpler Song, indes mit großer Wirkung, gibt er doch den Menschen den Optimismus wieder.

Im Alter von 53 Jahren ist dem Boss ein Album geglückt, für das Amerika ihm schon jetzt mehr als dankbar ist! Zudem ist „The rising“ für Bruce Springsteen das erste Nummer 1-Album in den USA seit 10 Jahren. In der ersten Woche wurden unglaubliche 525.000 Einheiten abgesetzt. Doppelt soviel wie vom Nummer 2-Album, Linkin Park’s Zweitwerk „Reanimation“. Man kann also mit Fug und Recht behaupten: THE BOSS IS BACK !!

Anspieltipps:

  • Nothing man
  • Countin’ on a miracle
  • The rising
  • Worlds apart
  • My city of ruins
  • Paradise
  • You’re missing
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