Avril Lavigne - Let Go - Cover
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Avril Lavigne Let Go


  • Label: RCA/BMG
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, das randvoll mit eingängigen Refrains und effektvollen Gesangsleistungen ist.

Ist es nur so ein Gefühl, oder dreht sich das Rad in der Musik tatsächlich immer schneller? Die Acts kommen und gehen und inzwischen reicht deren Haltwertzeit nicht mal mehr über zwei Albumproduktionen hinaus. Dann verpufft das mühsam aufgebaute Marketingkonstrukt und die Menschen haben genug von den Herren und Damen Künstlern. Doch anstatt in Musiker mit Substanz zu investieren, geht die Suche nach dem „Next big thing“ weiter, in der Hoffnung, dass dieser, neben kommerziellem Erfolg, auch ein wenig künstlerischen Gehalt aufweist. Immerhin gibt es noch einige wenige Pioniere, die sich auf die Fahne geschrieben haben, echte Talente zu entdecken und zu fördern.

Zu den wohl größten Talent-Spürnasen der Schallplattenindustrie zählt Antonio „L.A.“ Reid, der schon Künstler wie Babyface, Bobby Brown, Toni Braxton und Boyz II Men betreute und seines Zeichens seit zwei Jahren Präsident von Arista Records ist. Er hat sich nun einem neuen angehenden Star am Pop-Himmel gewidmet. Reid verpflichtete die 17-jährige Kanadierin Avril Lavigne aus dem 5.000 Einwohner zählenden Städtchen Napanee in Ontario, die sich selbst als Skate-Punk bezeichnet (was immer das sein mag). Damit schlägt Reid eine ganz neue Richtung ein, denn bisher waren die Künstler aus seinem Stall eher im Bereich Black-Music angesiedelt. Avril Lavigne dagegen ist mehr der Rockmusik zugetan und kommt mit ihrer stimmlichen und optischen Ausdrucksweise der kanadischen Kollegin Alanis Morissette sehr nahe. Sie spielt ebenso wie Morissette Gitarre und beherrscht eine recht unorthodoxe Betonung gewisser Laute.

Mit der finanzkräftigen Unterstützung des Major-Labels und der Hilfe von Produzent Clif Magness (Celine Dion, Wilson Phillips, Sheena Easton) wurde rund ein Jahr an dem Debütalbum „Let go“ gewerkelt, dass mit der ersten Single-Auskopplung „Complicated“ bereits einen veritablen Radio-Hit aufweisen kann. Dabei war das Album bestimmt keine leichte Geburt. Arista stellte der jungen Künstlerin unter der Oberaufsicht von Antonio Reid eine ganze Armada an Songwritern und Produzenten zur Verfügung, mit denen Sie in einem New Yorker Studio Songs für das Album schreiben sollte. Doch das funktionierte überhaupt nicht. Avril berichtet: „I started working with these really talented people, but I just wasn't feeling it; the songs weren't representative of me. Then they started talking about having people write for me, but I had to write myself. I had to do my music. It was a really stressful time, but I never considered giving up”. Sie brach die Aufnahme-Sessions ab und zog nach Los Angeles, wo sie den Produzenten Clif Magness kennen lernte. Plötzlich klappte es mit dem Songschreiben und die Lieder rieselten nur so aus der Feder. Und das ganz ohne die Hilfe von irgendwelchen Star-Songschreibern. Dazu nochmals Avril: „I'm just coming out and I'm going to clearly be myself. I write what I feel, I never worry what others think, I'm gonna dress what's me, I'm gonna act what's me and I'm gonna sing what's me”.

Als Ergebnis liegt nun eine CD mit 13 Tracks vor, die randvoll mit eingängigen Refrains und effektvollen Gesangsleistungen ist und jede Menge Hitpotential aufweist. Die Songs sind eine kluge Mischung aus treibenden Rocksongs („Losing grip“, „Unwanted“), radiotauglichem College-Rock („Nobody’s Fool“, „My world“), glasklaren Hitsingles („Sk8er boi“, „Complicated“) und verträumten Halb-Balladen („Naked“, „I’m with you“). Lediglich die Texte erscheinen etwas banal und bieten kaum Überraschungsmomente. Doch darf man von einer 17-jährigen keine tiefschürfenden Lyrics erwarten. Außerdem hat eine Priese Naivität der Popmusik noch nie geschadet. Das Konzept scheint also aufzugehen. Kein Wunder, dass von „Let go“ in den USA nach nur acht Wochen bereits über eine Million Einheiten abgesetzt wurden.

Anspieltipps:

  • Mobile
  • Unwanted
  • Sk8er boi
  • Complicated
  • Things I’ll never say
  • Anything but ordinary
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