A Camp - A Camp - Cover
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A Camp A Camp


  • Label: Stockholm Records/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer das letzte Album der Cardigans mochte, wird auch dieses Werk uneingeschränkt in sein Herz schließen.

Genau ein Jahr ist es nun her, dass die Frontfrau der Cardigans, Nina Persson, ihr erstes Soloalbum veröffentlichte. Eine Platte, wie geschaffen als Soundtrack für die kommenden Herbsttage: Dunkel, melancholisch und bittersüß zugleich.

Nach vier Longplayern, zusammen mit ihren Freunden Peter Svennson, Lasse Johansson, Magnus Sveningsson und Bengt Lagerberg, wurde es Zeit, die angesammelten Texte und Melodien, die für ihre Stammband keine Verwendung fanden, für ein Soloprojekt umzusetzen. Dieses hört auf den Namen A Camp und wurde von Mark Linkous (Sparklehorse) produziert und zusammen mit Niclas Frisk von der Band Atomic Swing in Schweden und New York aufgenommen. Es präsentiert 14 ausgereifte Popsongs zwischen Fröhlichkeit und Melancholie, mit Einflüssen aus Folk, Country, Elektronik, Rock und Pop.

Interessanterweise wurden die Songs des vorliegenden Albums bereits im Jahr 1998 produziert. Aber in der Zwischenzeit war Nina Persson mit der Umsetzung nicht mehr zufrieden, so dass sie sich nach einem Produzenten umsah, der ihrer Meinung nach einen zeitgemäßen Sound für die Stücke schaffen konnte. In Mark Linkous fand sie einen kongenialen Partner, der die richtige Atmosphäre für zum Teil sehr private Texte und überraschende Melodien fand. Wobei man sagen muss, dass die Texte tatsächlich eine sehr starke Anziehungskraft erzeugen und perfekt mit den Liedern harmonieren. So ist die erste Singleauskopplung „I can buy you“ die geniale Vertonung einer verzweifelten Liebe, die soweit geht, dass der eine die Zuneigung des anderen erkaufen will („ I wanna buy you a home. I'll pay your friends if you're feeling alone. The pain of losing a guy like you is a bigger cost than paying your dues. I can buy you, oh yeah, oh yeah. But I can't make you do what you don't. And I can hire you, oh yeah, oh yeah. But I can't make you love me, I can't make you.... So if I can't make you love me. If I can't make you care. What price can take me there in this world. Somebody told me cash is care.”).

„Angel of sadness“ ist, wie der Name schon andeutet, ein trauriger Song, der die unheilvolle Stimmung mit Streichern und einer herzzerreißenden Steel Guitar untermalt und somit Gänsehaut-Feeling garantiert, wenn Frau Perssons wimmert „Angel of sadness, leave me alone. Save me some hours to try on my own. When the music is over, the silence is on. You know I will be yours alone. So pick me up and carry me home“.

Das Stück „Such a bad comedown“ verarbeitet dagegen offensichtliche Drogenerfahrungen der Chanteuse und wartet mit leicht dissonanten Streichereinsätzen im Tom Waits Stil auf. Doppeldeutige Textpassagen á la „You took me away, made monday a saturday. You stained me with blood and left me in dirty laundry. But I left my ground for a minute. Your body in my veins. Your power is what remains. You know I never had. Such a bad, bad comedown But I was happy and pretty. I floated and I touched your neck, Billy Sky. My oh my you took pride in my fuck-up“ verführen den Hörer zudem dazu, ein ums andere Mal das CD-Booklet aufzuschlagen, um festzustellen, ob man das Gehörte tatsächlich richtig verstanden hat.

So geht es Song für Song auf höchstem Niveau weiter und sorgt dafür, dass das Album in die erste Unterhaltungsliga katapultiert wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob wunderschöne Balladen mit fein eingestreuten Bläser-Riffs („Song for the leftovers“), niedliche Popsongs („Algebra“) oder hart rockende (!) Stücke wie „Hard as a stone“ aufgefahren werden. Auf dem Weg zum perfekten Popalbum ist schließlich (fast) alles erlaubt. Wer also das letzte Album der Cardigans („Gran Turismo“, 1998) mochte, der wird auch dieses Werk uneingeschränkt in sein Herz schließen.

Anspieltipps:

  • Algebra
  • I can buy you
  • Frequent flyer
  • Hard as a stone
  • The same old song
  • A song for the leftovers
  • The bluest eyes in Texas
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