Billy Bob Thornton - Private Radio - Cover
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Billy Bob Thornton Private Radio


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn Schauspieler eine Sangeskarriere anstreben oder umgekehrt Musiker sich dem Schauspiel widmen, dann ist in der Regel Vorsicht geboten, denn es gibt genügend Beispiele dafür, dass ein Lagerwechsel selten zu fruchtbaren Ergebnissen geführt hat.

Aktuell versucht sich kein geringerer als Billy Bob Thornton an einem eigenen Album. Thornton zählt zu den Multitalenten der Filmbranche. Bisher konnten wir ihn als Film- ("The Man Who Wasn't There", "Armageddon", "U-Turn", "Banditen") und TV-Schauspieler ("The Outsiders", "Küss mich, John"), Drehbuchautor ("Sling Blade", "One False Move", "The Gift") sowie als Produzent und Regisseur ("All die schönen Pferde", "Sling Blade") erleben. Für letztgenannten Film konnte er sogar einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch einheimsen. Zurzeit ist er in den deutschen Kinos in dem Gefängnis-Drama "Monster’s Ball“ (Filmkritik hier:) zu sehen. Einem Film über Rassenhass, Schicksal, Liebe und Tod, für den die weibliche Hauptdarstellerin Halle Berry einen Oscar bekam.

Auf seinem Schallplattendebüt „Private radio“ hat sich der 47-Jährige aus Arkansas ganz der Country- und Blues-Musik verschrieben, wobei Thornton offenbar versucht, den kauzigen Charme eines Lyle Lovett nachzueifern, freilich ohne dessen Genialität zu erreichen. Dabei ist die Musik dem Schauspieler gar nicht so fern, wie man denkt. In den 70er Jahren spielte er Schlagzeug in der Band Tres Hombres und betätigte sich außerdem als Sänger. Aus welcher Langeweile heraus die Idee zu einem eigenen Album geboren wurde, bleibt dabei vorerst unergründet. Auf jeden Fall verarbeitet Thornton in den zum Großteil selbstverfassten Songs sehr persönliche Erlebnisse und lässt "die Hosen vor seinem Publikum runter", wie es der Künstler auszudrücken pflegt. Die Songs entstanden unter Mithilfe von Produzent Marty Stuart (Johnny Cash, Sam Bush, Reggie Young) im ehemaligen Übungskeller „The Cage“ von Ex-Guns `N Roses Gitarrist Slash und bieten netten, radiotauglichen Country-Sound, wie er sich wohl nur in den USA verkaufen lässt.

Trotzdem bietet das Werk auch europäischen Hörern gute Unterhaltung. So werden etwa der Opener „Dark and mad“ und das Schlussstück „Lost Highway“ von Thornton mit dem markant knarzigen Timbre eines Johnny Cash intoniert und von exquisiten Pedal Steel Guitar, Fiddle und Hammond Orgel-Klängen verfeinert. „Forever“ ist ein swingender Country-Blues, bei dem der Barde cool vor sich hinbrabbelt. Und der Song „Angelina“ ist eine Ode an die ehemals angebetete (Noch-)Ehefrau Angelina Jolie („Yeah, Angelina can you feel it. Two crazy panthers on the prowl. They said we would only fake it for a while. But we just looked at them and growled. You were masked and tied and cut and weary. But I said that’s okay, you can be a girl“). „Your blue shadow” ist eine atmosphärische Ballade, bei der ein Hauch von New Orleans aus den Boxen weht, wogegen „Beauty at the back door“ einen fast zehnminütiger Talking-Blues darstellt.

Es ist keinesfalls so, dass „Private radio“ zu einem Ärgernis geraten ist. Für einen Hobbymusiker präsentiert B.B. Thornton eine respektable Song-Kollektion, die sogar einige echte Perlen aufweisen kann. Die Songs decken diverse Stilarten von Hill-Billy über Blues bis zu Country ab. Dabei ist das Album in seiner Gesamtheit alles andere als spektakulär. Doch wer genannte Musikarten mag, wird auch den charmanten Songs auf dieser CD positives abgewinnen können.

Anspieltipps:

  • Angelina
  • Forever
  • Your blue shadow
  • Private radio
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