Karma To Burn - Almost Heathen - Cover
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Karma To Burn Almost Heathen


  • Label: Eagle Rock/EDEL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Man sollte diese großartige Platte einfach nur genießen und hoffen, dass es eine Fortsetzung geben wird.

Reine Instrumentalmusik ist im Bereich der U-Musik relativ selten anzutreffen. Filmmusik basiert logischerweise zum Großteil auf diesem Muster, aber auch die Ur-Form des Techno kommt ohne Gesangsparts aus. Dann wird das Feld schon relativ dünn. Im Bereich der Rockmusik sind Darbietungen ohne gesangliche Unterstützung gar kaum bekannt.

Doch es gibt da eine kleine verschworene Gruppe von Musikern aus Hicksville in West Virginia (USA), die harten Rock ohne stimmliche Beihilfe zelebrieren. Dabei war das nicht immer so. Die Band Karma To Burn (aktuelle Stammformation: William Mecum , Rich Mullins und Rob Oswald ) präsentierte im Jahr 1997 ihr selbstbetiteltes Debütalbum, auf dem sich ein gewisser Jason Jarosz an den Vocals versuchte. Diese Aktion beruhte aber nicht auf einer freiwilligen Entscheidung der Gründungsmitglieder. Vielmehr war es die Bedingung ihres Labels Roadrunner Records an die Instrumental-Combo, einen Sänger zu suchen. Ansonsten würde es keinen Plattenvertrag geben. Eher halbherzig stellte man deshalb Jarosz ein, was darin gipfelte, dass der Bursche bei den Konzerten im Vorprogramm von Metallica schon nach wenigen Stücken die Bühne verlassen musste. Als daraufhin das zweite Album „Wild wonderful purgatory“ (1999) ganz ohne Sänger eingespielt wurde und die Songs zu allem Überfluss lediglich nach Zahlen benannt wurden, fand man dies bei Roadrunner gar nicht mehr witzig. Die Fans erinnern sich zwar noch heute mit einem Schmunzeln an damalige Presseankündigungen („Karma To Burn announce three titles from their upcoming album: 'Five', 'Nineteen' and 'Thirty seven'“). Doch die Band kostete der Spass den Deal.

Zwei Jahre später steht trotz allem ein weiteres Werk via Spitfire Records in den Regalen und bietet wieder allerfetteste Gitarren-Riffs bis der Arzt kommt!! Ob Metal, Blues, Doom, Psychedelic, Southern- oder Stoner-Rock. Auf „Almost heathen“ wird alles vereint, was in den letzten 30 Jahre Rockgeschichte stattgefunden hat. Die Drums knallen wuchtig aus den Speakern, der Bass sorgt durch seine Vehemenz für Schmerzen in der Magengrube und die Gitarren sägen, dass jedem Puristen das Herz aufgeht.

Da auch diesmal alle Stücke nach Zahlen benannt wurden, ist es fast sinnlos, einzelne Tracks herauszuheben, wobei dieses Prozedere nebenbei bemerkt einen genialen Schutz gegen illegales Downloaden darstellt. Entweder man schätzt und kauft sich das ganze Werk oder man lässt es eben bleiben. Beziehungsweise wie Karma To Burn es auszudrücken pflegen: „Our music doesn't need to be named, it just needs to be listened to. We're all ready for tonight - how about you shithead!?“

Dem geneigten Fan seien stellvertretend die Songs Nummer drei („34“) und fünf („39“) und acht („35“) ans Herz gelegt. Wie auf dem gesamten Album verbreitet das Trio auf den Tracks absolutes Donnergrollen mit tiefergestimmten Gitarren, dengelnden Drums und rumpeligen Bass-Sounds, dass man die Spitze jeder Coolness-Skala erreicht. „39“ erinnert bisweilen sogar an die Frankfurter Trash-Metal Kapelle Tankard und ihren Kult-Song „Empty tankard“. Das zaubert ein verstecktes Grinsen auf das Gesicht des Alt-Metallers. Wer es bisher nicht einsehen wollte, muss nun eingestehen, dass die Herren ohne Zweifel grandiose Riffs schreiben, die auch auf Dauer nicht langweilig werden. Da wird auch der Einsatz eines Sängers nicht vermisst. Man vermag allerdings kaum daran zu denken, was passieren würde, wenn die diese Combo mit einem talentierten Sänger ins Studio gehen würde. Vielleicht fänden die legendären Kyuss endlich ihre legitimen Nachfolger. Ob dies tatsächlich geschieht, steht leider in den Sternen, da im April des laufendes Jahres die Meldung verbreitet wurde, dass sich Karma To Burn getrennt hätten. Auf ein offizielles Statement zu dieser Meldung wartet man leider noch heute. Deshalb sollte man diese großartige Platte einfach nur genießen und hoffen, dass es eine Fortsetzung geben wird.

Anspieltipps:

  • 34
  • 35
  • 39
  • 40
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