Supergrass - Life On Other Planets - Cover
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Supergrass Life On Other Planets


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Für musikbegabte britische Mittzwanziger gilt allgemein ein immer wiederkehrender Weg vorgeschrieben: Man nehme eine Gitarre, bearbeite diese mit reichlich traurig klingenden Akkorden, lasse einen Sänger am Mikrophon vor Seelenpein quieken und verdiene am Ende soviel Geld damit, dass man am Ende gar nicht mehr so traurig ist. BritPop eben, seit jeher ein Hort der Melancholie, des Elegischen und des Hymnischen. Ob sie nun Oasis, The Verve, Blur, Radiohead oder Coldplay heißen, alle haben sie diesen melancholischen Unterton, der diese Musik auszeichnet.

Supergrass kommen auch aus England. Genauer gesagt aus Oxford. Da stammen auch Radiohead her. Und mit denen haben sie außer der Herkunft so ziemlich gar nichts gemeinsam. "Supergrass", das sind Gaz (Gitarre, Gesang) und Rob Coombes (Keyboard), Danny Goffey (Schlagzeug) sowie Mickey Quinn (Bass, Gesang), bilden mit ihrer Musik schon seit Mitte der Neunziger eine Antithese zum melancholischen BritPop. Ihr Auftreten ist reichlich albern, ihre Videos stellenweise bescheuert und ihre Frisuren mehr als bizarr. Ihre Musik klingt flockig, melodieverliebt und äußerst gut gelaunt. Keine Spur von Trauer und Hedonismus. Musikgewordener Optimismus.

"Life On Other Planets" ist bereits der vierte Werk der Oxforder und steht seinen Vorgängern musikalisch in keiner Weise nach. Im Gegenteil: Die Songs klingen noch mal ein ganzes Stückchen ausgereifter und sind im Vergleich zum selbstbetitelten Vorgänger zeitweise etwas sperriger und teilweise sogar - und das ist wirklich neu - psychedelisch ("Run"), ohne jedoch den frohgemuten Unterton zu verlieren. Ansonsten ist die CD vollgestopft mit Power-Pop, unwiderstehlichen Melodien und gewitzten Liedern, die von kleineren Wutausbrüchen ("Never Done Nothing Like that Before") bis zu poppigen Mitsing-Nummern reichen ("La Song"). Was alle Tracks gemeinsam haben, ist die für Supergrass längst selbstverständlich gewordene lockere Melodieverliebtheit, das durchwegs vorherrschende schnelle Tempo und das fast omnipräsente Klavier, das vielen Songs eine wunderschöne Melodielinie verpasst ("Za" , "Grace"). Man merkt den Songs regelrecht an, dass sie im sonnigen Südfrankreich erdacht wurden (die Band mietete sich ein Haus an der Cote d'Azur, um Songs zu schreiben und auszuspannen). Da ist es eigentlich nur schade, dass der Sommer schon vorbei ist.

Was aber fehlt noch zur absoluten Glückseligkeit? Vielleicht ist es der Ideenklau, den Supergrass schon hier und da durchschimmern lassen. Die Songs klingen wie wahlweise aus den Sechzigern oder auch Siebzigern importiert. Ob Stones, Beatles, Beach Boys oder gar das Electric Light Orchestra: Supergrass machen keinen Hehl daraus, dass ihr Sound keineswegs neu ist. Und auch das Songwriting der Vier ist nicht selten ein bisschen durchschaubar und sich selbst zitierend. Aber mal ehrlich: Derartig erfrischende Rockmusik ohne Euphorie-Bremse hat es in diesem Jahr noch nicht gegeben. Deswegen ist "Life On Other Planets" eigentlich fast ohne Einschränkungen empfehlenswert und gehört schon jetzt zu den Platten des Jahres.

Anspieltipps:

  • Za
  • Evening Of The Day
  • Grace
  • Prophet 15
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