Dredg - El Cielo - Cover
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Dredg El Cielo


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Musik ist dann am Schönsten, wenn sie haften bleibt. Wenn sie einen nicht mehr loslässt und selbstverständlicher Teil des Lebens wird. Wenn man süchtig nach ihr wird und noch für Monate immer neue Details in ihr entdeckt. Diesen Ansprüchen gerecht zu werden, gelingt heutzutage nur noch ganz wenigen Bands. Und es ist eben jene Wohltat, was die Band mit dem grotesken Namen "Dredg" mit "El Cielo" abliefern.

Dredg, heute noch ein nahezu unbeschriebenes Blatt, könnte mit dieser Platte der ganz große Durchbruch gelingen. Hatte man mit dem Debut "Leitmotif" schon im Underground aufhorchen lassen, so dürfte "El Cielo" eine noch viel größere Masse ansprechen. Die vier Kalifornier mit Sänger Gavin Hayes präsentieren hier Progressive-Rock, der sich mit allem messen kann, was die Rockmusik jemals ausgezeichnet hat. "El Cielo" bietet eigentlich alles, was man erwarten kann und noch viel mehr. Große Melodien, schneidige Gitarren und Songs für die Ewigkeit. Ließ die erste Singleauskopplung "Same Ol' Road" mit ihrer bombastischen Intensität schon aufhorchen, enttäuscht kein Song auf der Platte die Erwartungen, die man danach haben könnte. Dutzendweise hymnisches, psychodelisches und schwer melodiöses Material ohne Durchhänger. So fällt es sogar schwer, den einen oder anderen Song rauszuheben. Seien es die innovativen Ansätze im relativ geradlinigen "Sorry But It's Over" oder der vielleicht allerstärkste Song "Of The Room", der dermaßen emotional und intensiv daherkommt, dass er wie ein Erdbeben anmutet, immer entdeckt man als Hörer etwas Neues und es wird niemals langweilig.

"El Cielo", zu deutsch "der Himmel", wird seinem Namen mehr als gerecht. Eine Platte wie der Herbst. Kaum hat einen der Strahl einer großartigen Melodie gefangen, ziehen vom Horizont dunkle Metal-Wolken herauf, die ein Gitarrengewitter heraufbeschwören, das ein dermaßen intensives Hörerlebnis garantiert, das so in jüngster Zeit höchstens "Tool" oder "A Perfect Circle" gelungen ist. Der unwiderstehliche Popappeal der Stimme von Sänger Hayes paart sich hier erbarmungslos mit messerscharfen Riffs, sphärischer Melodik und viel Pathos. Und genau das macht den Unterschied aus: Es findet sich hier kein leeres Pathos wie bei aktuellen Pseudo-Rockern wie "Creed", sondern ehrliches, intensives und völlig vereinahmendes Pathos, das nie fehl am Platz wirkt. Dazwischen immer wieder kleine, instrumentale Interludes, die den einmaligen Sound unterstreichen.

Was "El Cielo" außerdem ausmacht, ist schlicht und einfach seine Perfektion. Hier sitzt jeder Ton, jedes Break, jedes Interlude und jede Gesangsmelodie. Eine Platte, wie sie dieses Jahr sonst nur "And You Will Know Us By The Trail Of Dead" (die im Booklet erwähnt werden) geschaffen haben: Von der ersten Sekunde an fesselnd, und das 54 Minuten, immer wieder neu begeisternd und vor allem ganz große Rockmusik, die dem Nu-Metal wie ein Tritt in den Allerwertesten erscheinen muss. Bei aller Innovation ein in seiner eigenen Weise eingängiges Meisterwerk, das man einfach haben muss und deshalb nicht weniger als 10 Punkte verdient hat.

Anspieltipps:

  • Same Ol' Road
  • Sanzen
  • Sorry But It's Over
  • Of The Room
  • T he Canyon Behind Her
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