Feeder - Comfort In Sound - Cover
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Feeder Comfort In Sound


  • Label: Roadrunner/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Man merkt „Comfort In Sound“ sehr deutlich an, dass es sich um kein Gute-Laune-Album handelt.

Geschichte wiederholt sich - ein Satz, der einem beim Gedanken an das neue Feeder-Album automatisch in den Sinn kommt, denn im Januar diesen Jahres nahm sich Feeder-Schlagzeuger Jon Lee das Leben. Trotz dieses Schicksalsschlages beschloss die Band mit der Musik weiterzumachen und ein neues Album einzuspielen. Eine ähnliche Geschichte wie bei den Kollegen der Manic Street Preachers, dessen Mitglied Richey Edwards von einen Tag auf den anderen spurlos verschwand und inzwischen für tot erklärt wurde. Dieses auf und ab der Gefühle wegen der Ungewissheit, was mit ihrem Freund passiert ist, mündete in dem grandiosen Album „Everything must go“. Ähnliches erhofft man sich nun auch von der walisischen Band Feeder.

Feeder schlossen sich im Jahr 1995 in London zusammen, bestehend aus Sänger und Gitarrist Grant Nicholas, Bassist Taka Hirose und Schlagzeuger Jon Lee. Sie veröffentlichten in ihren Anfangstagen diverse Singles und die beiden Mini-Alben „Two colours“ (1995) und „Swim“ (1996), ehe 1997 das erste reguläre Album „Polythene“ erschien. Dieses setzte sich sofort in den britischen Charts fest und beförderte gleich drei Singleauskopplungen in die UK Top 40. Der musikalische Stil der Band pendelte irgendwo zwischen dem Power-Rock der Foo Fighters und den beatlesken Melodien der üblichen Verdächtigen des Brit-Pop (Travis, Oasis, Stereophonics). Interessanterweise stand die Band zu dieser Zeit nicht auf der großen Hype-Liste des New Musical Express, sondern wurde ausschließlich in den Gazetten für Rock und Metal, wie dem Kerrang!, gehandelt. Dies änderte sich mit der Veröffentlichung des zweiten Studioalbums „Yesterday went to soon“ (1999), das Feeders Power-Rock mit Einflüssen von Bands wie den zu der Zeit unheimlich angesagten Radiohead kombinierte und damit zu einem Thema für die ersten Chartsränge wurde. Die Jungs tourten zusammen mit Everclear, The Offspring, Candlebox, Green Day und Monster Magnet durch die USA, spielten in Japan und Australien und headlineten einige Festivals in ihrer Heimat.

2001 debütierte Album Nummer drei, „Echo park“, auf Platz fünf der englischen Charts und machte Feeder in der Heimat endgültig zu Stars. Die Verkäufe aller drei Alben näherten sich langsam der Viertelmillion-Marke und auch Resteuropa nahm endlich Notiz von dem Trio. Singles wie „Buck Rogers“, „Just a day“ oder „Turn“ schafften es sogar hierzulande in die Rotation von MTVIVA, sodass Feeder auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt waren. In den Vorbereitungen zum vierten Album ereilte die Musikwelt plötzlich die Nachricht, dass sich Schlagzeuger Jon Lee am 07. Januar 2002 in seinem Haus in Miami erhängt hatte. Band und Fans waren gleichsam geschockt von dem tragischen Ereignis. Jeder hätte Verständnis dafür gehabt, wenn Grant Nicholas und Taka Hirose das Handtuch geschmissen hätten. Doch die beiden entschieden sich dafür weiterzumachen und in der Musik Trost und Zuflucht zu suchen. Da ein Teil der neuen Songs noch mit Lee komponiert wurden, begab man sich für den Rest in verschiedene Studios und spielte mit Producer Gil Norton (Pixies, Foo Fighters) an den Reglern in drei Monaten das Werk „Comfort of sound” ein. In Anbetracht des schrecklichen Ereignisses kann man gespannt sein wie das Duo Nicholas/Gill mit Aushilfsdrummer Mark Richardson (Skunk Anansie) ihre Trauer in Wort und Ton verarbeitet haben. Dazu Grant Nicholas im Kerrang! Magazin: „This is the next chapter of what we are as a band, and I want to make sure that people realise that. Please be positive about it, otherwise it's very hard for us to carry on doing it. There's a lot of emotions on this record. There's love; there's tragedy. Certainly on half of this record there are a lot of lyrics that were definitely fuelled by emotions that I felt. Every song on this record really does mean a lot in terms of both the content and the mood of it. That's what we've always tried to do. But in a sad way, there's more ammunition to play with on this one”.

Welche Titel vor bzw. nach dem Tod ihres Drummers entstanden sind, läßt Grant Nicholos nicht mit Bestimmtheit verlauten. Anhand der Texte, die ausschließlich auf der Band-Homepage nachzulesen sind, kann man allerdings gewisse Zuordnungen wagen. So dürfte die süßliche College-Rock-Ballade „Just the way I’m feeling”, das von Streichern unterstützte „Forget about tomorrow”, sowie die musikalische Liebeserklärung an einen Freund namens „Quick fade” direkten Bezug zu Lee’s Suizid haben. Zeilen wie „I miss you more than words can say. A part of me has torn. A china heart will always break. A fracture to a twist to a twisted face. But things are gonna heal again. Eyes once blind will see again. I miss you more than words can say“ aus „Quick fade” bedürfen wohl auch keiner weiteren Erklärung. Doch wer glaubte, dass es auf der CD nur ruhig Musik mit melancholischen Lyrics gibt, täuscht sich. Feeder verstehen es perfekt, die schwermütige Stimmung immer wieder von kleinen Noise-Attacken wie „Godzilla” aufzubrechen. So ist auch „Come back around“ ein Power-Pop-Song im Foo Fighters Stil zu „There is nothing left to loose“-Zeiten, „Helium“ weiß mit ganz zarten Industrial-Anleihen zu gefallen, die den Song aber nicht von seinem unverschämten Pop-Appeal befreien. „Child in you“ ist eine atmosphärische Ballade, die von der Struktur ein wenig an Bush erinnert. Der Titeltrack „Comfort in sound“ ist waschechter Brit Pop mit einem gerüttelt Maß an Pathos, den U2 oder die Simpel Minds bereits vor 20 Jahren in die Wagschale warfen und „Love pollution“ ist einfach nur wunderschönes Gefühlskino für die Ohren. Da sind die Jungs von Travis nicht mehr weit...

Man merkt „Comfort in sound“ sehr deutlich an, dass es sich um kein Gute-Laune-Album handelt, was gewiss keine Überraschung darstellt. Die Songs sind zum Großteil dezent instrumentiert und lassen hier und da schon mal ein Orchester auffahren. Die Band hat sich bei den Melodien viel Mühe gegeben und auch bei den Texten versucht, den Tod ihres Freundes so zu verarbeiten, dass es auf Dritte nicht peinlich oder wie die Vermarktung eines Rockstar-Todes aussieht. Stellvertretend dafür sollen die Worte der epischen Schlusshymne „Moonshine“ stehen: „Floating in the everglades. Faces lit in sun. A moon that lights a thousand ways across is company for one. Ooh won't you come back to me, ooh won't you shine out for me. Falling down from grace in houses made for one. Holding matches til they burn away. Ashes to the wind. Only you, it's only for you. Always true. But time is passing by. Only you. Always you. But every time we cry we wave the sun goodbye Moonshine“.

Anspieltipps:

  • Helium
  • Moonshine
  • Quick fade
  • Love pollution
  • Forget about tomorrow
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