The Wallflowers - Red Letter Days - Cover
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The Wallflowers Red Letter Days


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Stimmlich gibt Jakob Dylan eine hervorragende Performance ab, die irgendwo zwischen Tom Petty und seinem Vater angesiedelt ist.

Als Sohn einer Rocklegende konnte sich Jakob Dylan wohl keinen heikleren Beruf aussuchen, als Musiker. Trotzdem entschied er sich für diesen steinigen Weg und muss fortan damit leben, dass sein gesamtes Schaffen mit dem seines Vaters Bob Dylan verglichen wird. Ein Schicksal, von dem Julian und Sean Lennon ein Lied singen können.

Den Wunsch Musiker zu werden, hatte Jakob Dylan bereits im zarten Kindesalter von 12 Jahren, als er nach einem The Clash Konzert beschloss, Gitarre spielen zu lernen. Er spielte in diversen Bands und rief 1989 zusammen mit seinem ehemaligen Klassenkameraden Tobias Miller (Gitarre) sowie Barrie Maguire (Bass), Peter Yanowitz (Drums) und Rami Jaffee (Keyboards) The Wallflowers ins Leben. Diese unterschrieben 1991 ihren ersten Plattenvertrag bei Virgin Records, die das selbstbetitelte Debütalbum im August des folgenden Jahres veröffentlichten. Doch so richtig kam die Karriere der jungen Band nicht in Schwung. Das Album floppte, die Bandmitglieder kamen und gingen und die Plattenfirma hatte alsbald genug von den Wallflowers. Mitte 1993 entließ Virgin die Band aus ihrem Vertrag, die daraufhin bei Interscope Records unterschrieb.

Der im Mai 1996 veröffentlichte Zweitling „Bringing down the horse“ bescherte der Gruppe den großen Durchbruch. Die Wallflowers gewannen zwei Grammys für den Song „One headlight“ und erhielten eine Nominierung für „6th avenue heartache“. Das Album verkaufte über fünf Millionen Einheiten und beförderte die Band im ausgehenden Jahrtausend in den Rock-Olymp. Zwischen Mai `99 und Januar 2000 nahmen die „Mauerblümchen“ ihr drittes Album auf, das im Oktober 2000 auf den Markt kam. „Breach“, so der Titel, war ein sehr introvertiertes Werk ohne große Hits. Die Verkäufe waren ziemlich enttäuschend und holten die Band auf den Boden der Tatsachen zurück. Doch während der Promotiontour zu „Breach“ arbeitete Dylan bereits an neuen Songs und nutzte jede Gelegenheit, Demos aufzunehmen. Dabei spielte es keine Rolle, ob man in Umkleideräumen, auf Toiletten oder in Duschen aufzeichnete. Hauptsache, das Material konnte festgehalten werden, bis Dylan eines Morgens aufwachte und bemerkte, dass man eine komplette CD fertig hatte. Im Oktober 2001 ging es in verschiedene Studios in Los Angeles, wo unter Mithilfe der Produzenten Bill Appleberry und Tobi Miller, Jakob’s altem Schuldfreund, das vierte Werk „Red letter days“ eingespielt wurde. Dabei gesellte sich dem aktuellen Lineup aus Jakob Dylan (Vocals), Greg Richling (Bass), Mario Calire (Drums) und Rami Jaffee, einem extrem begehrten Keyboarder, der bereits mit Victoria Williams, Grant Lee Buffalo, Richie Sambora, Everclear und Garth Brooks zusammengearbeitet hatte, kein geringerer als Pearl Jam’s Mike McCready dazu, der bei fünf Songs an der Gitarre aushalf.

Den Weg auf die Platte haben insgesamt 13 Songs gefunden, die textlich die Beziehungsprobleme von Jakob Dylan verarbeiten und musikalisch am erfolgreichen „Bringing down the horse“-Album anzuknüpfen versuchen. Dazu Dylan: „This has not been the greatest year for anybody, really. While it hasn't always been true in the way I've written in the past, on these songs I really tried to be hopeful - because I needed to be hopeful. With any kind of music or art, you have an opportunity to put an energy out there that's going to be positive, or you can state the obvious, that things are not good. Every time you walk that line, you make a choice. And on this record, I needed to believe that things will be better. I think I'm having a better time being in this group since the very first line-up, which was when I was 19-years-old and we didn't know what the hell we were doing. We got very far of track from that for a long time. Now the priorities are there and we're all here because we believe in what we're doing. Recording Red Letter Days became a huge lesson for us - that records do not have to be torture to make. I think we've got a really healthy situation. I'm not very Zen about these things, but now there's definitely a good vibe.”

Der Album-Opener „When you’re on top“ ist auch gleich die erste Singleauskopplung. Er wird von leichten Elektro-Beats untermalt, zu denen Dylan sich im Sprechgesang übt. Beim Refrain setzen dann Gitarre und Schlagzeug ein, die den Song in Tom-Pettyeske Bahnen lenken. Noch besser gelingt dies bei „How good it can get“. Das Stück ist purer Sommer-Sonne-Cabrio-Hollywood-Boulevard-Sound und geht sofort ins Ohr. Dafür werden die Wallflowers geliebt. „Closer to you“ ist eine atmosphärische Ballade, die von zarten Piano- und Streicherklängen begleitet wird. „Everybody out of the water“ verrät mit seinen knalligen Gitarrenriffs sofort, dass hier Mike McCready den Sechssaiter bedient. Der Songaufbau ist ziemlich dramatisch und hat den Hang zur Hymne. Ein echter Ausfall ist dagegen „Too late to quit“. Zwar blitzt ein ums andere Mal die schneidige Gitarre von Herrn McCready auf, aber ansonsten nervt der Song mit der permanenten Wiederholung der Titelzeile. Doch Besserung folgt sogleich. Das mit einem bitter-süßem Text ausgestattete „Health and happiness“ rechnet ziemlich eindeutig mit Jakobs Ex ab. Der beiweiten atmosphärischste Song auf „Red letter days“ wird im Zeitlupentempo vorgetragen. Es pluckern die Sequenzer, der Drum-Computer pumpt und Dylan singt mit Grabesstimme „I wish you health, I wish you happiness, but absolutely nothing else“. Gott gnade der Frau, die da gemeint ist.

Eine weitere sonnige West-Coast-Melodie präsentiert uns „Everything I need“. Der Refrain kommt sehr melodiös und druckvoll aus den Boxen und wieder greift Mike McCready in die Saiten, wobei er von beherzten Orgelklängen unterstützt wird. Ein typischer Wallflowers-Ohrwurm, der ein wenig an Joe Grushecky erinnert. „Here in Pleasantville“ ist der offizielle Abschluss und heimlicher Favorit des Albums. Zum zweiten Mal werden dezente Streicherklänge aufgefahren. Dazu gibt es ein paar Tupfen von der Hammond und akustische Gitarren. Der Song setzt sich zwar nicht auf Anhieb im Gehör fest, gewinnt aber bei jedem Hördurchgang dazu.

Mit ihrem vierten Album reichen die Wallflowers nicht ganz an die Genialität des Vorgängers „Breach“ heran, liefern aber wieder gewohnt gutklassige Mainstreammusik ab, die trotz zum Teil zynischer Texte die Sonne im Herzen trägt. Stimmlich gibt Jakob Dylan eine hervorragende Performance ab, die irgendwo zwischen Tom Petty und seinem Vater angesiedelt ist. A propos Tom Petty. „Red letter days“ ist wahrscheinlich genau die Platte, auf die sich Tom Petty Fans bei „The last DJ“ gefreut und nicht bekommen haben. Diese können nun getrost auf „Red Letter Days“ zurückgreifen.

Anspieltipps:

  • Closer to you
  • Here in Pleasantville
  • Health & happiness
  • How good it can get
  • Everybody out of the water
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