Kettcar - Du Und Wieviel Von Deinen Freunden - Cover
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Kettcar Du Und Wieviel Von Deinen Freunden


  • Label: Grand Hotel Van Cleef/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Obwohl aus Hamburg stammend, wird die Newcomer-Band Kettcar nicht zur vielzitierten „Hamburger Schule“ gezählt. Das ist auch besser so, denn mehr als ein müdes Lächeln lösen Bands wie Die Sterne oder Tocotronic heutzutage kaum noch aus. Eine Schubladisierung haben die fünf Protagonisten eh nicht nötig, sind sie doch bereits gestandene Musiker, die man aus Punk- und Ska-Bands wie But Alive und Rantanplan kennt.

Obwohl schon seit geraumer Zeit Songs von der Band durch das Internet kursieren, gelangt das Debütalbum erst dieser Tage in den Handel. Doch ausnahmsweise hat diesmal alles seine Richtigkeit. Seit Anfang letzten Jahres verteilt die Band auf ihren Konzerten eine kostenlose Vier-Song-EP, die die Spannung auf die erste reguläre Veröffentlichung in unermessliche Höhen getrieben hat. Bei Fans und Plattenfirmen war schnell klar, dass sich mit Kettcar etwas Großartiges ankündigte. Schier verwunderlich ist es dann, dass das Album „Du und wieviel von deinen Freunden“ (übrigens: der Rechtschreibfehler im Titel ist absichtlich!) nicht auf einem Major-Label, sondern bei dem Indie Indigo Records erscheint. Doch auch das ist Wunsch und von der Band ausdrücklich gewollt. Man ging sogar soweit und gründete eigens das Privat-Label „Grand Hotel Van Cleef“, sodass lediglich die Vertriebsrechte bei Indigo liegen. Dazu Sänger Marcus Wiebusch: „Die ‘großen‘ Labels sind in etwa so unflexibel wie die Abwehr von Hertha BSC. Die denken immer noch, Rockmusik sind vier dümmliche, gut aussehende Boys aus Baden-Württemberg. Aber das ist nicht mehr so. Rockmusik ist das Ding, das einem hilft und gleichzeitig immer an der Grenze des Leistbaren ist - psychisch und finanziell. Wir haben uns sozusagen unseren adäquaten Partner selber erschaffen, so ein bisschen wie bei ‘Frankenstein's Bride‘“.

Doch was ist es, dass die Musik der Herren Marcus Wiebusch (Texte, Gesang, Gitarre), Lars Wiebusch (Keyboards), Erik Langer (Gitarre), Reimer Bustorff (Bass) und Frank Tirado-Rosales (Drums) so besonders macht? Da sind zum einen die Texte, die zwischen kryptischen Verschachtelungen und einfachen, klaren Aussagen pendeln. Da darf dann auch schon mal eine etwas peinlich wirkende Udo-Lindenberg-Lyrik Verwendung finden („... Halleluja, ding dong happy. Habt ihr alles was ihr braucht? Jetzt wo die Pinneberger weg sind und die Straßen uns gehören...“ aus dem ansonsten hervorragenden „Money left to burn“), wenn dann am Ende das Ergebnis stimmt. Und so ist es. Wiebusch erzählt intensive, aus dem Leben gegriffene Geschichten, die musikalisch von frischem Gitarren-Pop mit leichten Elektro-Einflüssen untermalt werden. In Verbindung von Wort und Ton sind Begriffe wie Emo-Pop oder Gänsehaut-Rock schnell bei der Hand, aber auch nicht so falsch. Auf jeden Fall reiht sich „Du und wieviel von deinen Freunden“ in der diesjährigen Hitliste deutscher Platten auf einem Podiumsplatz ein. Daran „schuld“ sind Hymnen wie „Landungsbrücken raus“, „Im Taxi weinen“, „Wäre er echt“ oder „Ich danke der Academy“, um nur ein Paar zu nennen, was gar nicht so einfach ist, da das Album keinen einzigen Ausfall vorzuweisen hat.

Frei nach dem Motto „Support Your Local Artists“ rufe ich dazu auf, diese Platte zu kaufen! Sofort!

Anspieltipps:

  • Money left to burn
  • Landungsbrücken raus
  • Balkon gegenüber
  • Im Taxi weinen
  • Ich danke der Academy
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