Bree Sharp - More B.S. - Cover
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Bree Sharp More B.S.


  • Label: Union Recording Group
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei einem Blick auf das Cover des zweiten Bree-Sharp-Albums „More B.S.“ kommt man(n) der Einladung, „mehr“ von der Dame zu bekommen, gewiss sehr gerne nach. Dabei sind die (musikalischen) Talente der 26-jährigen Singer/Songwriterin aus Philadelphia (USA) außerhalb ihrer Heimat kaum bekannt.

Insider kennen ihre Songs als Untermalung der TV-Serien „Dawson’s Creek“, „Charmed“ und „Party Of Five“. Vielleicht ist der eine oder andere auch schon mal auf die Debütsingle „David Duchovny“ vom ´99er Album „A cheap and evil girl“ gestoßen, die dem „Akte X“-Star gewidmet ist und auf ironische Art die Stalker-Phantasie eines Fans verarbeitet („It’s Sunday night, I am curled up in my room. The TV light fills my heart like a balloon. I hold it in as best I can. I know I’m just another fan. But I can’t help feeling I could love this secret agent man. I can’t wait anymore for him to discover me. I got it bad for David Duchovny. David Duchovny, why won’t you love me? David Duchovny floating above me in the alien light of the spaceship of love, I need David Duchovny hovering above me. American Heathcliff, brooding and comely. My bags are packed, I am ready for my flight. Want to put an end to my daydream days and sleepless nights. Sitting like a mindless clone wishing he would tap my phone just to hear the breath of the man, the myth, the monotone. And I would say David Duchovny, why won’t you love me? David Duchovny I want you to love me to kiss and to hug me, debrief and debug me. David Duchovny I know you could love me. I’m sweet and I'm cuddly - I'm gonna kill Scully! I’ll be waiting in Nevada...”). Viel mehr dürfte der Otto Normalverbraucher allerdings nicht von Frau Sharp gehört haben, deren Stimme eine verblüffende Ähnlichkeit mit der Natalie Merchants aufweißt und die ihre Musik von Bob Dylan, Patti Smith und Elvis Costello beeinflusst sieht.

Wurde ihr Debüt noch auf einem Majorlabel herausgebracht (Trauma Records), musste für das neue Album eine andere Lösung gefunden werden, da Bree Sharp in den Wirren der Umgestaltung der Plattenfirma auf die Abschussliste nicht profitabler Künstler geriet. Die Lösung des Problems sah dann ähnlich aus, wie bei der Songwriterkollegin Aimee Mann: Gefrustet von den Machenschaften der Plattenfirma wurde kurzerhand das eigene Label Ahisma gegründet (Ashima ist ein Wort aus dem indischen Sprachgebrauch, das soviel wie keine Gewalt gegen jegliche Lebensformen bedeutet), das ihre Platten über einen Vertriebspartner (in diesen Fall der Union Recording Group) auf den Markt bringt. Mit dieser Unabhängigkeit kann die Künstlerin genau das veröffentlichen, was sie will, ohne auf die Anliegen eines Majors Rücksicht nehmen zu müssen.

Dabei herausgekommen sind zehn Songs, die von Gitarrist Don Dilego in Bree Sharps Wahlheimat New York in den Lincoln Lounge Studios produziert wurden. Die Künstlerin geizt wiederum nicht mit kritisch ironischen Ansichten und nimmt zu den unterschiedlichsten Themen Stellung. Dabei legt sie grundsätzlich keine Songwritertypische Oberlehrermentalität an den Tag, sondern glänzt mit exakten Beobachtungen ihrer Umgebung oder verarbeitet eigene Erfahrungen. So erzählt sie im Song „The ballad of Grim and Lily“ die Geschichte eines Gangsterpärchens, „Lazy afternoon“ deckt die Marotten der Modeindustrie und deren „Junkies“ auf („Take a walk on Madison. The handbag hounds are out again. I can hear the “oohs” and “ahhs” rising from the sidewalk sale. From the girls in Vogoue to the hip-hop chill. It’s okay to trap and kill in the name of fashion. It’s okay to to slash and burn in the name of hunger. It’s a big commercial grin. It wears me down till I have to give in. There’s a barcode where my heart should be. Oh, TV, tell me what I need. I don’t care how I got to the store. Just give me more, more, more.”), „The last of me“ nimmt genüsslich Rache an einem Ex-Freund („Did you think that I would cry? That I would just let you win? Did you think that I would die? I’m just beginning. For every vicious deed you spend payback is your dividend. You can bet that you’ll see me again”) und “Dirty magazine” befasst sich mit der Story eines jungen Möchtegern-Models (“I left home at the age of thirteen with a fistful of cash and a dirty magazine. Now I never cared for the things I seen I just want to be I a dirty magazine”).

Dazu präsentiert Miss Sharp eine außergewöhnliche Neuinterpretation des Don-Henley-Klassiker „The boys of summer“, dem sie mit Vehemenz ihren eigenen Stempel aufdrückt und einem im Prinzip ausgelutschten Song völlig neue Facetten abgewinnt. Dazu Sharp: „I just wanted to put a little bit of an angry edge on it. I always felt like Don Henley's version -- which I love -- was beautiful but also kind sad and weak. He's in love with this woman who's off partying with the summer boys, and he's saying, 'When you're done playing around I'll still be here because I love you so much'. I just thought of putting a little turn on it like, 'Even though I'm doing all this stupid fucking stuff, I still love you,' or even, 'Why am I in a position to go play with the boys? Maybe you did something.' I like how the lyrics are vague enough that you can make up your own story. Like, 'Remember how I made you scream' -- whoa, what's going on there? What kind of fights were they having, or was it good screaming? There's just so many different ways to interpret it. I love it."

Das gesamte Album ist sehr erdig und rockorientiert ausgefallen und transportiert während der gesamten Laufzeit eine wunderbar positive Energie auf den Hörer. Bree Sharps herrliche Texte werden von den Studiomusikern in ein Bett aus unverbrauchten Melodien gelegt, die auch nach dem x-ten Hördurchgang nichts von ihrer Frische verlieren, sodass eine langfristige Freude an „More B.S.“ garantiert ist. Bei dieser CD können alle die zugreifen, denen Sheryl Crow zu mainstreamlastig und Aimee Mann zu verschroben ist, oder die einfach nur Spaß an guter Songwriter-Musik haben. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn diese talentierte Songschreiberin mit ihrer zweiten CD den Durchbruch schaffen würde. Doch dazu wird der Vertriebsarm eines weltweit operierenden Labels benötigt, von dem sich Bree Sharp ja erst kürzlich getrennt hat, weshalb es bis heute noch nicht mal einen Veröffentlichungstermin außerhalb der USA gibt.

Anspieltipps:

  • Galaxy song
  • Sleep forever
  • The last of me
  • The boys of summer
  • Everything feels wrong
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