Kelly Osbourne - Shut Up - Cover
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Kelly Osbourne Shut Up


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Im fernen Beverly Hills gibt es eine kleine, verrückte Familie, die die Welt im vergangenen Jahr lieb gewonnen hat: The Osbournes. Dabei ist es noch heute ein Rätsel, wie die Macher des Musiksenders MTV darauf gekommen sind, das Familienleben des einzig wahren „Prince Of Fucking Darkness“, Ozzy Osbourne, als semi-dokumentarische Soap Opera auf den Bildschirm zu bringen. Schließlich hatte der ehemalige Black-Sabbath-Sänger seit ewigen Zeiten kein Studioalbum mehr veröffentlicht und galt bei den Kids als total out.

Inzwischen konnte der gute Ozzy den weltweiten Hit „Dreamer“ feiern und von MTV eine unglaubliche Summe für die Fortsetzung der Osbournes-Serie einstreichen. Doch selbst wenn die wenigen übrig gebliebenen Metal-Fans der 70er Jahre dem neuerlichen Erfolg ihres Idols extrem kritisch gegenüberstehen („Die Welt lacht nicht mit, sondern über Ozzy!“), hat der authentische Charme des verdatterten Ozzy, seiner knallharten Manager-Frau Sharon und der verzogenen Gören Kelly und Jack Millionen Fernsehzuschauer verzaubert. Statements wie „My teeth, my car, my vagina, my business“ oder „She's pissing in the bottle, just like she shit in dad's weed in Hawaii“ haben absoluten Kultstatus erreicht und lösen auch nach mehrmaligen Sehen herzhafte Lacher aus.

Wie es sich für ein geschicktes Management gehört, wird nun versucht, den Erfolg zu versilbern. Sony Music brachte ein Ozzy-Live-Album („Live at Budokan“) und einen Soundtrack zur TV-Serie („The Osbournes Family Album“) auf den Markt. Darauf enthalten war auch ein Track, den Osbournes jüngste Tochter Kelly im Frühsommer 2002 als Demo aufgenommen hatte: Der Madonna-Klassiker „Papa don’t preach“ aus dem Jahr 1986. Ihre geschäftstüchtigen Eltern und natürlich auch Sony/Epic Records fanden, dass sich der Song so gut anhört, dass er auf dem bereits fertigen „Family Album“ - eine Kollektion der liebsten Songs der Familienbande - nicht fehlen durfte. „Papa don‘t preach“ wurde sogar als Single veröffentlicht und rund um den Globus zum Hit. Keine Frage, dass es jetzt zu überlegen galt, ob eventuell ein ganzes Album mit der 18-jährigen Kelly Osbourne eingespielt werden sollte.

Nachdem man verschiedene Details abgeklärt hatte (sie würde keine Diva sein, sie würde auch keine bauchfreien Oberteile tragen und sie wollte sich für die stets präsenten Kameras nicht verbiegen lassen), steckte sie die Plattenfirma eine Woche später mit dem Produzenten Ric Wake (Mariah Carey, Celine Dion, Jennifer Lopez) in ein New Yorker Studio. Und sie war sogleich Feuer und Flamme, arbeitete mit diversen Songwritern und Musikern zusammen, um ihre Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Es ging dabei um Attitüde, nicht um Sex-Appeal, um Realität und nicht um Fantasie. Nach zwei Monaten in New York und Los Angeles war „Shut up“, so der Titel, fertig: Und es sind elf Songs (plus „Papa don‘t preach“ als Hidden Track) geworden, die mehr über Kelly Osbourne sagen als jedes noch so trendy Outfit, das sie trägt oder jeder noch so spontane Kommentar, den sie abliefert. Und zur Überraschung aller, hat sie an allen elf Songs als Co-Songwriterin mitgewirkt.

Das Ergebnis geht natürlich in die Richtung Rockmusik, was eigentlich unnötig zu erwähnen ist, da ihr der Rock ´n´ Roll quasi in die Wiege gelegt wurde. „Shut up“ serviert uns Kellys bittersüße Rotznäsigkeit und Burschikosiness, die wir aus dem Fernsehen kennen. In knapp 40 Minuten werden die späten 70er und frühen 80er Jahre zitiert, als der New Wave das Sagen hatte. Die Gitarren dominieren und decken die doch recht schwache Stimme der kleinen Kelly weitestgehend zu. So ist z.B. der Opener „Disconnected“ ein ziemlich grooviger Song, mit einem treibenden Rhythmus, der irgendwo aus dem Hintergrund von Kim-Wilde-ähnlichen Vocals begleitet wird. Doch schon bei Song Nummer zwei („Come dig me out“) hat man sich an diesen eigenwilligen Retro-Sound gewöhnt und gibt sich dem entwaffnenden Charme der simplen Rock-Kracher hin.

Klar, dieses Album will unterhalten, rocken und auf gar keinen Fall Langeweile verbreiten. Für viele junge Fans dürfte die CD deshalb absolut frisch klingen und eine logische Fortsetzung des Avril-Lavigne-Sounds sein, der weltweit bereits über zehn Millionen Käufer gefunden hat. Trotzdem lässt sich behaupten, dass Songs wie der Titeltrack „Shut up“ mit seinen eher simplen Lyrics („Shut up! Don't want to hear your voice. Shut up! I'm sick of all the noise. There's nothing you can say to me, So get away from me. Shut up! Blah Blah, Blah Blah, Blah Blah, Blah Blah. That's what, It sounds like you said to me. You nag and you brag and I gag. There's so much beauty in what we have.“) im Vergleich zu Avril Lavigne’s „Sk8er boi“ tieferschürfende Lyrik darstellen. Doch im Prinzip spielt das für das Album keine Rolle. „Shut up“ rockt von der ersten bis zur letzten Minute und ist Fun pur!

Anspieltipps:

  • Come dig me out
  • Too much of you
  • On the run
  • Right here
  • Shut up
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