The Jeevas - 1234 - Cover
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The Jeevas 1234


  • Label: Setanta Records/ZOMBA
  • Laufzeit: 36 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Es war einmal eine Band, die in der Hochzeit des BritPop, zwischen 1995 und 1996, am schier uneinnehmbaren Thron von Oasis und Blur rüttelte und zumindest kurzfristig eine ernstzunehmende Konkurrenz für die beiden Megaseller des Königreichs darstellte. Die Rede ist von Kula Shaker, dem von indischer Pseudo-Mystik angehauchten Projekt um Mastermind Crispian Mills, das sich in dem legendären BritPop-Sommer des Jahres 1996 anschickte, mit seinem Debütalbum „K“ neue Maßstäbe in Sachen Kunst und Kommerz zu setzen.

Am Ende wurden Kula Shaker knapp von den Gallagher-Brüdern abgehängt und es wurde lange Zeit still um die Band. Erst zweieinhalb Jahre später erschien der Nachfolger von „K“, der auf den Namen „Peasants, pigs & animals“ lautete, aber in der Öffentlichkeit zu unrecht kaum noch wahrgenommen wurde. Im schnelllebigen Popbusiness sind 30 Monate eben eine kleine Ewigkeit, was dazu führte, dass die Band schlicht und ergreifend in Vergessenheit geriet. Außerdem riss sich das Label Sony Music nicht gerade ein Bein aus, um das Werk zu promoten. So floppte nicht nur das Album. Auch Kula Shaker gaben im September 1999 ihren Split bekannt. In den nächsten Jahren verdingte sich Crispian Mills in allerlei kleinen Projekten, während er im stillen Kämmerlein an neuen Songs arbeitete. Nach zwei Jahren des Herumprobierens mit halbfertigen Aufnahmen und unausgegorenen Ideen, fragte er seine Kumpel Andy Nixon (Drums) und Dan McKinna (Bass), ob sie ihm nicht bei der Produktion eines Albums helfen wollten. Die Zwei stimmten zu und bereits während der ersten Jam-Sessions konnten erste Erfolgserlebnisse verbucht werden. The Jeevas waren geboren und ein Album nicht mehr fern.

Unter dem Arbeitstitel „Three Dudes In A Room“ spielte man in drei Wochen eine komplette CD ein, die mit einer extrem abgespeckten („Nicht“-) Produktion und ohne jegliche Overdubs auskommt. Schließlich wollte man sämtliche Tracks live genauso rüberbringen wie im Studio. Dazu Crispian Mills: „If you listen to Chuck Berry, or Frank Sinatra, you'll notice they're all in the same room and they're just doing it. During the late seventies and throughout the eighties, people just got lost in the studio. Some people did a great job of it, like Queen, or Pink Floyd, but we like it to be more immediate“. Dem ist nichts hinzuzufügen, denn wo er Recht hat, hat er Recht. Als Titel bekam das Werk "1234" verliehen, was es allen potentiellen Käufern bei der Nachfrage im Plattenladen leicht machen sollte.

Nach einer freundlichen Begrüßung im Stile eines Radio-Nachrichtensprechers, legt das Trio rasant mit „Virginia“ los. Obwohl noch ganz leichte Kula-Shaker-Ansätze spürbar sind, legen die Musiker einen coolen, 60er Jahre beeinflussten, Rocksong vor, der durchaus Hitqualitäten hat und deshalb auch als Singleauskopplung herangezogen wurde. Es folgt „Ghost cowboys in the movies“, dessen Gitarrenlicks ein wenig an „Beast of burdon“ von den Rolling Stones erinnern. Ansonsten handelt es sich aber um einen eigenständiger und vor allem cool krachender Rocksong mit einem abgefahrenen Orgel-Solo im Mittelteil. Wie sehr sich Crispian Mills vom Kula-Shaler-Ballast befreit hat, zeigt der Song „You got my number“. Im Stile einer Punk-Band sprintet die Band drauf los und zementiert einen knackigen 3-Minuten-Rocker in den Raum. Da bedarf es erst mal ein wenig Abkühlung. Diese folgt in der ungeschliffenen, 70er Jahre angehauchten Blues-Balladen „What is it for?“ und „Don’t say the good times are over“. Es heult die Hammond und auch der Crispian, dass es eine wahre Freude ist. Vergleiche mit den ganz Großen des BritPop (Radiohead, Coldplay) werden wach und sind gewiss nicht zu hoch gegriffen. Eigentlich kann die Performance jetzt nicht mehr gesteigert werden. Doch die Jeevas legen mit „Once upon a time in America“ noch einen feinen Sing-Along drauf, ohne auf eine erdige Instrumentierung zu verzichten. Stark!

Kurz vor Ende gibt es dann doch noch einen unverhohlenen Tribut an die Ex-Band des Herrn Mills. „Teenage breakdown“ und „Silver apples“ bedienen sich in altbekannter Manier indischer Einflüsse, was aber durch eine relativ hart aufspielende E-Gitarre zumindest erträglich gestaltet wird. Das Schlussstück „Edge of the world“ geht dann noch in die BritPop-Richtung und lässt das Album adäquat ausklingen. Damit ist die Überraschung perfekt. Was kaum für möglich gehalten wurde, ist süße Realität geworden. Crispian Mills schafft es tatsächlich, ein beinahe schnörkelloses Rockalbum einzuspielen, das in kompakten 36 Minuten alles bietet, was man heutzutage von einem Gitarrenalbum verlangt. Coole Riffs, feine Melodien und einen Schuss Verrücktheit. Als kleiner Wehrmutstropfen muss allerdings angemerkt werden, dass das Album auf Crispian Mills eigenem Label Cowboy Music veröffentlicht wurde, was es alles andere als leicht macht, an diese CD heranzukommen. Auf dem Import-Weg besteht zwar die Möglichkeit das Album zu beziehen. Allerdings schlägt dies mit zum Teil horrenden Preisen zu Buche. Wert wäre es die CD aber allemal.

Anspieltipps:

  • Virginia
  • What is it for?
  • You got my number
  • Once upon a time in America
  • Ghost cowboys in the movies
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