Brendan Benson - Lapalco - Cover
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Brendan Benson Lapalco


  • Label: V2/ZOMBA
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die 13 Songs (inkl. Hidden Track) auf „Lapalco” sind wahre Schmankerl, bei denen jedem Melodieliebhaber das Herz aufgehen muss.

Fünf Jahre nach seinem Debüt „One Mississippi“ bringt der amerikanische Songschreiber Brendan Benson sein zweites Abum „Lapalco“ heraus. Eine Meldung, die auf den ersten Blick nicht sonderlich bemerkenswert erscheint. Doch grenzt es fast an ein Wunder, dass der 31-Jährige überhaupt noch im Musikbusiness tätig ist. Schließlich hat man dem großen Songwriter-Talent bereits am Anfang seiner Karriere böse mitgespielt.

Die Laufbahn des in Detroit, Michigan, geborenen Musikers begann in den frühen 90er Jahren, als er mit 30 selbstverfassten Songs bei den großen Labels in Los Angeles hausieren ging, um einen Plattenvertrag zu bekommen. Schon bald nahm in das Majorlabel Virgin Records unter Vertrag und schüttete den jungen Künstler mit Geld und traumhaften Arbeitsbedingungen zu. Er durfte sich in sündhaft teuren Aufnahmetempeln austoben, auf Top-Produzenten und Studiomusiker zurückgreifen und an jedem Song so lange arbeiten, bis er in den Ohren der (wohlgemerkt!) Plattenfirma „perfekt“ war. So entstand sein aller erstes Album unter Bedingungen, die von Musikern in der Regel verabscheut werden, von Benson aber mit stoischer Ruhe hingenommen wurden: „Bei ’One Mississippi’ haben wir sehr darauf geachtet, dass die Songs ins Radio passen würden. Das Album musste bestimmten klanglichen Anforderungen genügen, und die Vorgaben wurden sehr genau eingehalten. Es war auch immer ein A&R-Typ von der Plattenfirma bei den Aufnahmen dabei. Von jedem Song wurden verschiedene Mixe gemacht, einer fürs Radio, einer fürs Fernsehen, mal musste die Stimme lauter sein, mal leiser“. Wahrlich kein Inbild des Rock ’N Roll....

Doch als wenn das noch nicht genug des Übels wäre, erreichte Benson inmitten der Promo-Tour ein Anruf seines Labels, dass er seine Konzertreise beenden solle. Die Werbemaßnahmen für das Album seien ab sofort eingestellt, da er nicht in der Lage sei, anständige Hooklines zu schreiben und es sich nicht lohne, sein Album weiter zu bewerben. Damit war das Schicksal von „One Mississippi“ besiegelt und Bensons Zeit bei Virgin vorbei. Trotz überragender Rezensionen blieb das Werk wie Blei in den Regalen liegen und findet sich seitdem auf den Wühltischen der großen Plattenläden wieder. Für den Nachwuchskünstler ging natürlich eine Welt unter. Der große Traum vom Plattenstar schien ausgeträumt, bevor er richtig begann. Brendan Benson verkroch sich und kämpfte ein ganzes Jahr gegen eine Schreibblockade an. In dieser Zeit kaufte er sich von der übrig gebliebenen Virgin-Gage ein Haus in Detroit und richtete sich darin ein Heimstudio ein, in dem er ohne Druck an neuen Songs arbeiten konnte. „Das war ganz klar eine Reaktion auf das, was zuvor passiert war“, berichtet Benson. „Ich habe mich in Tonstudios nie richtig wohl gefühlt, und ich war mir sicher, dass ich zu Hause eine bessere Leistung abliefern würde. Das alles reflektiert auch meine Persönlichkeit. Ich bin immer schon ein Einzelgänger gewesen und mache die Dinge lieber nach meinen eigenen Vorstellungen.“

So entwickelte sich Stück für Stück das Album „Lapalco“, das nach der Hauptstrasse im Örtchen Harvey, Louisiana, benannt wurde, wo Benson seine Kindheit verbrachte. Als Musiker und Co-Songschreiber stand ihm dabei der frühere Jellyfish-Gitarrist und zeitweilige Air-Bassmann Jason Falkner zur Seite, der bekanntlich einen ziemlichen Enthusiasmus für die klassische Schule der 60s-angehauchten Popmusik mitbringt. Doch nicht zuletzt als Reaktion auf das Desaster, das er bei seinem Debüt erlebt hatte, machte Benson bei „Lapalco“ das meiste alleine: Vom Songwriting über die Vorproduktion mit einem 8-Spur-Gerät, bis hin zur Instrumentierung, die er komplett im Alleingang besorgte, ist das aktuelle Album Benson pur.

Im Stile der 60s legt Benson dann auch los und eröffnet die CD mit dem beschwingten „Tiny spark“, das luftige Pianoklänge mit hymnischem Chorgesang verbindet und vorsommerliche Gefühle auslöst. Wird Zeit, das Surfbrett aus der Garage zu holen. Doch bevor die Euphorie mit einem durchgeht, wird auch schon mit „Metarie“ eine bitter-süße Ballade eingestreut, an deren Ende man dann doch die Sonne aufgehen sieht, denn der Refrain ist einfach zu schön, um sich traurigen Empfindungen hinzugeben. Bei „Folk singer“, der nächsten Singleauskopplung, lässt Benson den, nein, nicht Folk-Singer, sondern Rocker raus und rechnet mit seiner Vergangenheit ab. Da dürfen die Gitarren gerne elektrisch und die Riffs scharf wie ein Schweizer Messer sein. Dazu zitiert er im Text seine Freundin: „Every single day at eleven I'm home at bed in sleep heaven. Alone ’cause my girl leaves at seven. Ain’t got time for my bed-in. She says 'stop pretendin, you’re not John Lennon!’”

„Life in the D” ist wunderbarer Folk-Pop, während „Good to me” vom Songaufbau her entfernt an Oasis erinnert. Es schrammeln die Gitarren, die Wurlitzer pumpt und dem Bass werden originalgetreue 60s-Grooves entlockt. Eine Mischung, die auch bei „Eventually” und diversen anderen Stücken auf der Platte hervorragend funktioniert. Selbst wenn das Album kein Hitparadenfutter abwirft. Der Vorwurf, Brendan Benson könne keine Hooklines schreiben, ist schlicht falsch. Perlen wie „Pleasure seeker” benötigen einfach etwas länger, bis sie ihr volle Schönheit entfaltet haben. Glücklich sei der, der in der Lage ist, solche Kompositionen abzuliefern.

Die 13 Songs (inkl. Hidden Track) auf „Lapalco” sind wahre Schmankerl, bei denen jedem Melodieliebhaber das Herz aufgehen muss. Zwischen Rock, Pop, Folk und Country seviert uns Brendan Benson eine Dreiviertelstunde lang Cabrio-Feeling galore, ohne einen einzigen Ausfall. Selten wurde 60s-Feeling so clever und authentisch in die Jetztzeit transport wie hier. Egal ob Beatles, Buffalo Springfield oder Beach Boys. Hier findet alles statt - und zwar respektvoll und mit Niveau. Für viele Kritiker zählt „Lapalco“ deshalb zu den besten Gitarren-Pop-Alben des letzten Jahres. Seinen finalen Ritterschlag erhält es aber von Jack White, Mastermind der mega-angesagten White Stripes: “I want to tell everyone about my new favorite album. It’s by a Detroit songwriter named Brendan Benson, and the album is called ‘Lapalco’ and it is the best thing I’ve heard in years. I couldn’t believe how good it was, this man is a master song craftsman…”. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Anspieltipps:

  • Tiny spark
  • Folk singer
  • Metarie
  • What
  • Eventuelly
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