Anthrax - We´ve Come For You All - Cover
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Anthrax We´ve Come For You All


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 61 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es dauerte mal eben fünf Jahre, bis Anthrax jetzt mit einem neuen Werk vorstellig werden können.

Wenn man vom Thema Nu-Metal spricht, fallen einem sofort die üblichen Verdächtigen der Branche ein. Limp Bizkit, Papa Roach, Slipknot, ja sogar System Of A Down, um nur ein paar zu nennen. Doch bereits nach relativ kurzer Existenzdauer wird deutlich, dass die meisten dieser Bands früher oder später wieder verschwunden sein werden und nur ganz wenige diesen Trend überleben werden. Aber wo liegen eigentlich die Ursprünge dieser im Prinzip gar nicht mal so neuen Spielart der Hartwurstfraktion?

Eine der möglichen Antworten auf diese Frage kann nur Anthrax lauten. Die in den frühen 80er Jahren in New York gegründete Trash-Metal-Kapelle um den bärtigen Springteufel Scott Ian begeisterte bereits vor 20 Jahren mit Speed-Metal-Songs, trashigen Riff-Attacken und einer Symbiose zwischen Rap und hartem Rock. Songs wie „I’m the man“ (1987) oder „Bring the noise“ (1991), zusammen mit Public Enemy, unterstreichen noch heute die Vorreiterfunktion, die Anthrax auf diesem Sektor inne haben. Dabei wurde es den Herren Scott Ian (Gitarre), Charlie Benante (Drums), John Bush (Vocals), Frank Bello (Bass) und Rob Caggiano (Lead-Gitarre) in den letzten Jahren alles andere als leicht gemacht. Den letzten Outputs „Stomp 442“ (1995) und „Volume 8 – The threat is real!“ (1998) ging dank dilettantischer Plattenfirmen, bzw. deren Pleiten auf halber Strecke die Luft aus. So gehören vier Labelwechsel in zehn Jahren sicher nicht zu den alltäglichen Vorgängen im Biz. Selbst ein 15-Millionen-Dollar-Deal mit Elektra/Warner zu Beginn der Neunziger kann getrost im Bereich Flop verbucht werden.

Es dauerte mal eben fünf Jahre, bis Anthrax jetzt mit einem neuen Werk vorstellig werden können. Denn in „guter“ Tradition schloss der U.S.-Vertriebspartner kurz vor der geplanten Veröffentlichung von „We’ve come for you all“ seine Pforten. Und ohne Deal in ihrem Heimatland wollte sich die Band nicht erst die Arbeit machen, einen neuen Longplayer zu stemmen. Doch mit diesen Querelen soll nun endgültig Schluss sein. Ab sofort setzt die Band auf deutsche Gründlichkeit und bringt ihre Platten auf dem, im schönen Schwaben-Ländle beheimateten, Label Nuclear Blast (im Vertrieb von Warner) heraus. Ende Februar stand die heißersehnte Langrille endlich in den Regalen und dürfte zumindest alle Fans der New Yorker Trash-Ikonen absolut glücklich machen. Schon das Intro deutet an, wohin der Zug auf Anthrax‘ neuntem Studioalbum fährt. Aus der Ferne rollt ein bedrohliches Donnergrollen in Form eines trashigen Gitarrengewitters auf den Hörer zu. Erst leise, dann immer lauter, bis sich die ganze Ladung in dem furiosen Nackenbrecher „What doesn’t die“ entlädt. Mit einem Schlag fühlt man sich in die seligen 80er Jahre zurückversetzt, als eine Horde Langhaariger in ulkigen Bermuda-Shorts die Metal-Szene gehörig auf den Kopf stellte.

Doch Anthrax kochen auf „We’ve come for you all“ nicht etwa ihre Hits von vor 15 Jahren neu auf, sondern bieten treibende Riffs in einem modernen Metal-Gewand, die sich griffig und brutal im Kleinhirn des Hörers einnisten. Dabei grooven die Stücke wie Sau und machen ein gewisses Gefühl der Wiedergeburt frei. Shouter John Bush (Ex-Amored Saint) gibt wie gewohnt eine mehr als überzeugende Vorstellung und macht seinen Vorgänger, Heulboje Joey Belladonna, endgültig vergessen. Drummer Charlie Benante feuert eine Double-Bass-Drum-Salve nach der anderen ab, während die Gitarrenabteilung Höchstleistungen abliefert. So fügt sich ein cooles Teilstück an das nächste, was „We’ve come for you all“ zum einem glaubwürdigen Mix aus Tradition und Moderne macht. Quasi als Bonus-Schmankerl bietet das Album nach ewig langer Zeit auch wieder so etwas wie potenzielle Hitsingles. Als da wären „Cadillac rock box“, das auch aus dem Hause KISS stammen könnte und durch ein Gitarrensolo plus Anrufbeantworterspruch (!) von Dimebag Darrel (Pantera) veredelt wurde. Der Song handelt von einen riesigen Truck, in den ein gigantisches Soundsystem eingebaut ist und in dem Herr Darrel gerne mal vor sich hin klampft. Noch mehr schneidige Hooks plus eingängiger Melodie bietet „Safe home“, das sogar als Single ausgekoppelt wurde.

„We’ve come for you all“ ist ein Album, das man unbedingt bei größtmöglicher Lautstärke hören sollte. Gerade dann entfalten die Songs eine unheimliche Energie, die so ziemlich jeden Rock- und Metal-Fan in ihren Bann ziehen dürfte. Die amtliche Produktion des Producer-Teams „Scrap 60“ bläst einem so richtig den Fensterkitt von der Brille und serviert dem Hörer (in der limitierten Erstauflage) eine Stunde lang Metal-Fun pur. Die Platte ist nicht nur für die Generation empfehlenswert, die in den 80er Jahren, der Hochzeit des Heavy Metal, aufgewachsen ist, sondern auch für all die, die meinen, dass zu Anfang genannte Bands das non plus ultra der harten Musik darstellen.

Anspieltipps:

  • Safe home
  • Strap it on
  • What doesn’t die
  • Cadillac rock box
  • Nobody knows anything
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