American Hi-Fi - The Art Of Losing - Cover
Große Ansicht

American Hi-Fi The Art Of Losing


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 37 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das große Rock‘N‘Roll-Phrasenlexikon lehrt uns: „Für das erste Album hast du ewig Zeit, für das Zweite meist nur wenige Monate. Also mach das Beste draus!“ Ein nicht von der Hand zu weisender Sachverhalt, der schon vielen Bands zum Verhängnis geworden ist.

Auch die Shooting-Stars von American Hi-Fi müssen gegen diese Last ankämpfen. Ihr selbstbetiteltes Debüt aus dem Jahr 2001 bescherte dem Quartett aus Boston Lobeshymnen in Fach- und Fankreisen. Die Single „Flavour of the week“ war ein gestandener Sommerhit, auch wenn die Kunde davon nicht wirklich bis nach Deutschland durchgedrungen war. Doch jetzt gilt es, den erlangten Status als hoffnungsvoller Rock-Act zu verteidigen. Was läge da näher, als das neue Album schlicht „The art of losing“ zu nennen? Das Werk wurde in den kurzen Pausen der letzten, 300 Auftritte umfassenden, Welt-Tour geschrieben und zusammen mit Produzent Nick Launay (Nick Cave, Gang of Four, Girls Against Boys, Silverchair, Eric Clapton) im Sunset Studio 2 in Hollywood eingespielt.

Erneut pendeln die Songs zwischen klassischem Rock und heftigem Punk und beweisen, wie schöpferisch und vielleicht auch ein bisschen geisteskrank die Herren Stacy Jones (Gesang), Jamie Arentzen (Gitarre), Drew Parsons (Bass), Brian Nolan (Drums) sind. Die elf Songs auf „The art of losing“ behandeln das Versagen der Männlichkeit beim Thema Romantik sowie die Freuden der jugendlichen Leidenschaft. Daraus resultiert im besten Fall ein Rock-‘N‘-Roll-Gewittersturm für Fans von ungeschliffenem, kraftvollem Rock („The gold rush“), dessen Spektrum von Seventies- und BritPop („This is the sound“) über Kindergarten-Punk wie Blink 182 & Co. („Built for speed“) und melancholischen Alternative-Rock („Save me“) reicht. Dabei balanciert die Band mehr oder weniger gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Banalität und Anspruch, Kitsch und Kunst. Doch hin und wieder gelingt es American Hi-Fi auch, den Hörer nach nur wenigen Sekunden uneingeschränkt auf ihre Seite zu ziehen. So geschehen beim Titeltrack des aktuellen Albums, auf dem Sänger und Gitarrist Stacy Jones (Ex-Drummer von Veruca Salt und Letters To Cleo) dermaßen vehement drauflos brüllt „Hey ho let‘s go. I'm gonna start a riot. You don‘t wanna fight it. One two fuck you. Don‘t tell me what to do. I don‘t wanna be like you!“, dass einem die Argumente auszugehen drohen.

Doch mit diesem Song hat die Band ihr Pulver auch schon verschossen. Natürlich ist „The breakup song“ eine zukünftige Smash-Single, mit eingängigen Reggae-Rhythmen die von Ramones-würdigen Gitarren begleitet werden. Sicher bietet „Beautiful disaster“ laute, laszive Gitarren-Wände und „Save me“ umschmeichelt mit akustischen Versen und hart rockenden Refrains als ausladendes Gitarrenepos das Ohr. Aber wirklich überzeugen, geschweige denn im Gedächtnis hängen bleiben, können die Songs nicht. Zwar ist „The art of losing“ kein flaches, anspruchsloses Werk, doch egal wie oft man sich die CD zu Gemüte führt, man erfährt nichts Neues, entdeckt keine weiteren Facetten, wird nicht ein einziges Mal überrascht. Im Vergleich zum wirklich hervorragenden Vorgänger haben American Hi-Fi auf ihrer neuen Scheibe Fast Food fürs Ohr produziert. Das Album besitzt keinerlei Bedeutung wird aller Voraussicht nach als Flop in die Geschichtsbücher eingehen. Und da haben wir wieder das alte Problem. Für ihr Debüt konnte sich die Band alle Zeit der Welt lassen. Beim zweiten Album wurden zwischen Tür und Angel, in irgendwelchen Hotelzimmern und Tourbussen, ein paar Songs zusammengeschustert, die den Materialwert einer CD kaum wert sind. Schade.

Anspieltipps:

  • Happy
  • The art of losing
  • This is the sound
  • Nothing left to lose
Neue Kritiken im Genre „Rock“
9/10

Marbles In The Park
  • 2017    
Diskutiere über „American Hi-Fi“
comments powered by Disqus