Placebo - Sleeping With Ghosts - Cover
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Placebo Sleeping With Ghosts


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Solides Handwerk, eben typisch Placebo, unnachahmlich und auf seine eigene Art und Weise genial.

Placebo erweitern ihr musikalisches Spektrum und bleiben sich dennoch treu: Erwartungen werden weder überstiegen noch enttäuscht: "Sleeping With Ghosts" ist ein Album mit zwölf kantigen Liedern mit Pop-Appeal und viel Emotion. Im Grunde dasselbe wie auch in den drei Alben zuvor.

Hatte man mit Placebo, dem Debüt von 1996 von dieser Band noch den Eindruck einer blutspruckenden Kapelle postpubertärer Gören, verfestigte das Meisterwerk "Without You I'm Nothing" den Ausnahme-Status einer Band, die erfrischend anders war und nach der sich Gruppen wie Muse oder JJ72 eindeutig ausrichteten. Mit eingängigen Perlen wie "Every You, Every Me" und dem von Album drei ("Black Market Music") stammenden Nummern "Slave To The Wage" oder "Blackeyed" hatte man sich auch kommerziell einen Status erarbeitet, den sich andere Bands nur träumen ließen. Die Frage war vor allem aber nach Album Nr. 3: In welche Richtung geht es mit den drei Musikern um den exzentrischen Semi-Transvestiten Brian Molko? Sollte man die Experimente mit HipHop und Elektronic, die auf "Black Market Music" anklangen, weiterführen? Oder gar alle Konzepte der Melodiösität um den Haufen werfen? Placebo haben sich anders entschieden. Wie Molko selbst sagt, ist "Sleeping With Ghosts" "von vorne bis hinten Rock". Daran ändern auch die fast schon obligatorischen elektronischen Spielereien in nahezu jedem Lied nichts, wo eben mal der Computer die Melodieführung übernimmt und die Gitarren quietschend dazwischenbrettern. Oder ein Song wie "English Summer Rain", der angeblich zu 90% auf Brian Molkos Privatrechner entstand.

Denn derartig deftig zupackend wie im instrumentalen Opener "Bulletproof Cupid" zum Beispiel hatte man Placebo bisher noch nie erleben dürfen. Und HipHop sucht man hier genausowenig wie unmelodische Knüppelsongs. Stattdessen werden Fans hier mit Monster-Hooklines wie in "This Picture" oder "Special Needs" gefüttert, und die von Placebo so geliebten Balladen sind in Form der Lieder "Centrefolds" und "I'll Be Yours" wieder in wunderschöne Gesangslinien verpackt. Die Indie-Gemeinde dürfte angesichts von Songs wie "Plasticine" und vor allem dem unwiderstehlichen "Bitter End" von der Tanzfläche wohl kaum mehr vertrieben werden können. Überhaupt klingt hier Einiges wieder frischer als noch auf dem eher düsteren "Black Market Music". Placebo wollten bei der Produktion, die sie diesmal in die Hände von Jim Abbiss (Dj Shadow, Björk) legten, ohnehin etwas Abstand nehmen vom politisch motivierten Touch des Vorgängers, was zwar schade ist, aber hier voll aufgeht: Die emotionsschwangeren Songs wollen auch nach zehnmaligem Auflegen nicht müde werden und reißen stets aufs Neue mit.

Klar ist dabei allerdings auch, dass sich Placebo seit ihrem Debüt höchstens in eine Richtung weiterverändert haben: Hin zu mehr Professionalität. Ob die massentauglich abgemischten Songs dem harten Kern der Band gefallen werden, sei einmal dahingestellt. Ebenso darf man von "Sleeping With Ghost" wie gesagt keine Quantensprünge erwarten. Es handelt sich hier um solides Handwerk, eben typisch Placebo, unnachahmlich und auf seine eigene Art und Weise genial. Nicht mehr und nicht weniger.

Anspieltipps:

  • This Picture
  • Bitter End
  • Special Needs
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