MyBalloon - Between Here And Away - Cover
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MyBalloon Between Here And Away


  • Label: Supersonic/BMG
  • Laufzeit: 46 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

"Ich liebe die Musik von Slut, Readymade oder Miles. Aber damit kannst du kein Geld verdienen. Und das möchte ich mit meiner Musik schon. Insofern ist meine Band auch kommerziell." Ein durchaus mutiges Statement, dass da Tom Lüneburger, seines Zeichens Sänger von myballoon, einer deutschen "Rockhoffnung" aus Berlin, da abgibt. Sich so offensichtlich dem gerade in der Musikszene so verhassten Kommerz anzubiedern, beweist erstaunliches Stehvermögen und geradezu bewunderswerte Ehrlichkeit.

Aber wenn derartige Aussagen gemacht werden, ist natürlich die Frage selbstverständlich erlaubt, mit welcher Musik "myballoon" denn da ihr Geld verdienen wollen. Die ist leicht zu beantworten: Mit gut verträglichen Pop-Rock, der ins Radio will und am besten gar nicht wieder raus. "On My Way" hieß der Mini-Hit der Ballonflieger aus der Bundeshauptstadt und war auch im Radio präsent. Sonniger Bubblegum-Rock mit netter Hookline. War das noch zu toppen? "Between And Away" ist nun also der Nachfolger und schickt mit "Trust No One" ein Selbstplagiat an die Front. Wiederum nette Hookline, nette Gitarren, nette Stimme und zuckersüße Melodie. Was wollen uns "myballoon" damit sagen? Dass die Welt schlecht ist, und wir besser niemanden als uns selbst trauen sollen? Danke, ihr lieben Berliner, aber das haben uns schon andere Bands gesagt. Weiter im Text geht es mit "Don't Go Away", dem wohl nach "I Believe" am häufigsten verwendeten Songtitel der Musikgeschichte.

Und hier wird's erstmals richtig provinziell: "Everlong", der Hit vom 1997er Album der Foo Fighters, wurde um sein Intro beraubt und in einem melodischen Pop-Rock-Kaugummi verarbeitet. Derart offensichtlich klaut wohl nur Dieter Bohlen auf "Deutschland Sucht Den Superstar - United" . Mit dem Unterschied, dass er sich selbst beklaut. Ein bisschen peinlich ist das ja schon, aber wenigstens weiß das Stück ansatzweise zu gefallen. Ansatzweise - ein gutes Stichwort für den Rest der Platte. Da ein bisschen Ballade, da ein bisschen Sex, Drugs and Rock 'n Roll und immer schon mit Pop aufdröseln, dass es nur so spritzt. Dazu eine Prise Testosteron-Creed-Sekret und viel Pathos-Glasur drumherum. Das Ganze aufblasen in einen riesigen Ballon. Ein Ballon voller Pop-Rock-Songs, die perfekter nicht produziert, melodischer nicht sein können. Ein Ballon, der phänomenaler Weise nach drei Hördurchgängen kläglich zerplatzt und nur übelriechende und undefinierbare Haufen hinterlässt, die in zwei Jahren bei Album Nr. 3 ein drittes Mal aufgeblasen werden. Rock'n Roll made in Germany - dank "myballoon" eine traurige Angelegenheit.

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