Evan Dando - Baby I´m Bored - Cover
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Evan Dando Baby I´m Bored


  • Label: Clearspot/EFA
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Er hat es tatsächlich geschafft! Sieben Jahre nach dem letzten Album der kultisch verehrten Lemonheads meldet sich der ehemalige Kopf der Bostoner Indie-Heroen auf der Bildfläche zurück. Doch wirklich daran geglaubt haben nur noch wenige. Nach Auflösung der Lemonheads im Jahre 1997 bestand die Hauptbeschäftigung Evan Dandos nämlich aus Herumhängen und exessivem Drogen konsumieren. Dazwischen wurde mal eben geheiratet und bei diversen Projekten als Gastmusiker mitgewirkt. Von echter Kreativität fehlte jedoch lange Zeit jede Spur. Erst 2001 machte Dando nachhaltiger von sich Reden. Er steuerte einige Songs zum Comeback-Album der Blake Babies bei und ging auf eine eigene Club-Tour, von der das Doppelalbum "Live at the Brattle Theatre / Griffith Sunset EP" (EMI, 2001) zeugt.

Tatsächlich werkelte Evan Dando in den letzten drei Jahren mit vielen Freunden und Kollaborateuren in verschiedenen Sessions in New York City, Los Angeles und Tucson, Arizona, an Songs für sein erstes Soloalbum. Unter den Mitwirkenden und Co-Writern finden sich so illustre Namen wie Ben Lee, der zwei Songs beisteuerte („Hard drive“ und „All my life“), Howe Gelb, John Convertino und Joey Burns von Giant Sand und Calexico, der ehemalige Spacehog-Frontman Royston Langdon, der einstige Codeine-Drummer/Come-Gitarrist Chris Brokaw sowie Come-Drummer Arthur Johnson. Auch Tom Morgan, Evans langjähriger Lemonheads-Songwriting-Partner, durfte an den Aufnahmen mitwirken, die teilweise von dem in Los Angeles ansässigen Komponisten Jon Brion betreut wurden, der für seine Zusammenarbeit mit Aimee Mann und Fiona Apple sowie für die Soundtrack-Scores der Paul-Thomas-Anderson-Filme „Boogie Nights“, „Magnolia“ und „Punch-Drunk Love“ bekannt ist. Brion erledigte bei einigen Stücken die Produktion und das Co-Writing. Dazu spielte er diverse Instrumental-Parts ein. Für die Mehrzahl der Tracks auf dem „Baby I’m bored“ betitelten Album ist allerdings der New Yorker Produzent Bryce Goggin verantwortlich, der sowohl das letzte Lemonheads-Album „Car button cloth“ (1996) als auch einige Pavement-Alben produzierte.

Mit dem Titel seiner CD spielt der 36-jährige Barde auf die dämlichen „Baby on board“ Autoaufkleber an und nicht etwa auf sein langweiliges Dasein als Ehemann. Denn langweilig ist Evan Dandos Leben bestimmt nicht. Auch wenn er beteuert, von den harten Drogen inzwischen die Finger zu lassen, machte er auf der Promo-Tour zu seinem Album einen eher zwiespältigen Eindruck. Doch harte Drogen hin oder her. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass sich der Mann nur wohl fühlt, wenn er stramm wie eine Natter ist. Nichtsdestotrotz hat es der blonde Beau geschafft, ein Dutzend eigenwillige und spröde Songs in bester Singer/Songwriter-Manier einzuspielen, die seit Ende März in den Plattenläden dieser Welt vorliegen. Die Stücke rumpeln schnörkellos zwischen Rock, Pop und Country, denn offensichtlich will Dando nichts aufregend Neues in die Welt setzen. Er macht einfach das, was er am besten kann: seine Gitarre umhängen und loslegen. Das Ergebnis sind zwölf überwiegend akustische Perlen, die einen sehr rauen Charme versprühen und das über Jahre aufgestaute Potenzial in angenehm klein gehaltenen Songs, die sich aus persönlichen Texten und simplen Melodien speisen, entlädt. Dabei fällt auf, dass die unspektakulären, teils leicht verschroben klingenden Gitarren-Popsongs, nichts von Dandos Gespür für den kleinen, einfachen Indie-Song mit herzergreifenden Melodien eingebüßt haben. Im Vergleich zu den Lemonheads braucht es zwar etwas länger, bis die ganze Pracht zum Vorschein kommt. Aber bei 38 Minuten Spieldauer ist das kein Problem, sondern viel mehr eine Aufforderung, das Album immer wieder zu hören.

Die Songs, die auch ohne die Aufforderung Evan Dandos im Booklet („This record sounds better played loud!“) funktionieren, bewegen sich mehr oder weniger auf gleichem Niveau, wobei hier und da ein paar besonders hell funkelte Edelsteine hervorstechen. Für Lemonheads-Fans ist das Album deshalb ein Pflichtkauf. Wer ein Faible für Songwriter-Platten hat und sich nicht an der Lo-Fi-Attitüde von „Baby I’m bored“ stört, wird ebenfalls viel Freude mit dem Werk haben. Mann sollte ihm nur, wie gesagt, etwas Zeit zur Entfaltung geben. Und wenn wir alle die Platte fleißig kaufen, hören wir vielleicht schon bald etwas Neues aus dem Hause Evan Dondo. Denn im letzten Jahr gründete er mit James Iha (Ex-Smashing Pumpkins), Melissa Auf Der Maur (Ex-Hole) und Ryan Adams (Ex-Whiskeytown) die Band The (Fucking) Virgins. Zwar brachten es die Vier bisher nicht auf die Reihe, ein Album einzuspielen, da die Terminkalender mit den Soloprojekten der Protagonisten bis zum Bersten gefüllt sind, aber laut Dando stehen die Chancen für eine Veröffentlichung im nächsten Jahr nicht schlecht. Wir drücken die Daumen!!

Anspieltipps:

  • My idea
  • All my life
  • Hard drive
  • Shot is fired
  • Rancho Santa Fe
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