Meat Loaf - Couldn´t Have Said It Better - Cover
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Meat Loaf Couldn´t Have Said It Better


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Immer wenn Meat Loaf mit anderen Songschreibern als Jim Steinman zusammenarbeitete, waren die Outputs eher zwiespältiger Natur.

Neben den britischen Rock-Dinosauriern von Queen gibt es auf der Welt nur noch einen Künstler, der den Begriff „Rock-Oper“ entscheidend geprägt und mit seinem Namen verbunden hat: Meat Loaf. Der 1951 in Dallas, Texas geborene Marvin Lee Aday, so der bürgerliche Name Meat Loafs, kann nicht gerade auf eine behütete Kindheit zurückblicken. Weil Marvin schon als Kind eher dicklich war, gab ihn sein Vater den Spitznamen Meat Loaf (Fleischklops), den er auch als Künstlernamen beibehielt. Sein Vater Orvis war ein gewalttätiger Alkoholiker und seine Mutter Wilma starb bereits früh an Krebs. Grund genug für Marvin, das Elternhaus im Alter von 15 Jahren fluchtartig zu verlassen. Er zog Ende 1966 nach Los Angeles, um sich als Musicalsänger und Schauspieler zu verdingen. Nebenher sang er in Bands, die im Vorprogramm von The Who, Ted Nugent, Joe Cocker und Iggy Pop & The Stooges spielten.

Beim einem Casting für das Off-Broadway-Musical „More Than You Deserve“ trifft Meat Loaf 1974 den Komponisten des Stücks, einen gewissen Jim Steinman. Ein paar Jahre später, nachdem Meat Loaf in Richard O’Brians „The Rocky Horror Picture Show“ als „Eddie“ Kultstatus erlangte, bringen Steinman und Meat Loaf eine gemeinsame Platte heraus: „Bat out of hell“ (1977). Das Werk bricht alle Rekorde und bläst das Publikum mit seiner unbändigen Energie schier vom Stuhl. Meat Loafs außerordentlich voluminöse Stimme, die perfekte Produktion von Todd Rundgren und Steinmans Wagnereske Kompositionen verbanden sich zu einem noch nie da gewesenen Rock-’N’-Roll-Sturm, der über 30 Millionen Käufer fand und damit zu den erfolgreichsten Alben der Musikgeschichte zählt. Doch anstatt zusammen weiterzumachen, trennten sich die Wege von Steinman und Meat Loaf für annähernd 15 Jahre. Abgesehen von einigen sporadischen Zusammenkünften mit seinem Mentor, brachte Meat Loaf mehr oder weniger künstlerisch wertvolle Soloalben heraus und spielte in diversen Hollywood-Filmen mit (u.a. Fight Club, Spice World), während Steinman komplett in der Versenkung verschwand. Erst 1993 fanden die beiden wieder zusammen. Steinman hatte die Fortsetzung der „Bat out of hell“-Story geschrieben, die in dem Album „Back into hell“ mündete und zu einem der größten Comebacks der Rockgeschichte wurde. Die erste Singleauskopplung „I would do anything for love (but I won’t do that)“ eroberte die Charts in 16 Ländern und bescherte dem Duo eine Grammy–Auszeichnung. Steinmans bombastischer Sound, zusammen mit Meat Loafs unvergleichlicher Stimme, begeisterte alte und zahlreiche neue Fans, die das Album zu Multi-Platin-Ehren verhalfen.

Nach dem ´96er-Werk „Welcome to the neighbourhood“, zu dem Jim Steinman lediglich zwei Stücke beisteuerte weshalb vermutlich an den Erfolg des Vorgängers nicht angeknüpft werden konnte, sowie dem gelungenen Karriererückblick „VH-1 Storytellers“ (1999) erscheint nun mit „Couldn’t have said it better“ das achte Studioalbum in 25 Jahren. Für die knapp drei Jahre andauernden Aufnahmen konnte Meat Loaf Künstler wie die dreifache Grammy-Gewinnerin Diane Warren, Nikki Sixx (Ex-Mötley Crüe), Kevin Griffin (Better Than Ezra) und Stephen Trask, Komponist und Texter von „Hedwig and The Angry Inch“, gewinnen. Produziert wurde das Album von Peter Mokran, der bereits mit den Backstreet Boys, Christina Aguilera, The Flaming Lips, Michael Jackson und N’Sync zusammen gearbeitet hat. Laut Meat Loaf ist dies seine bisher effektivste Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, die zwar nicht an die epische Wucht der zwei Fledermaus-Alben herankommt, aber trotzdem den typischen Meat-Loaf-Sound vom traurigen Tenor und den schwebenden Harmonien wiedergibt.

Die herausragendsten Songs des Albums sind zugleich die ersten Singleauskopplungen, die auch die CD eröffnen. Der Titeltrack „(I) Couldn’t have said it better (myself)“ und „Did I say that“, beide aus der Feder von James Michael, vereinen sämtliche Trademarks, die den Sound des musikalischen Schwergewichts seit nun mehr 26 Jahren ausmachen. Zu langsamen Klavierpassagen trägt Meat Loaf eine Geschichte vor, die sich inhaltlich mit immer intensiverer Musik paart. Die anfänglich sehr sparsame Instrumentierung wächst langsam aber sicher zu ausufernden Walls of Sound mit dramatischen Wendungen wie bei einer kleinen Opern heran. Voluminöse Chöre dröhnen, während sich Orchesterklänge mit hart rockenden Gitarren abwechseln. Dazu säuselt, winselt und schreit Meat Loaf sich die Seele aus dem Leib. Und das nicht unter sechs Minuten Spielzeit. So was ist zweifelsohne perfekter Bombast, wie er besser nicht sein kann. Doch Meat Loaf beweist, dass er es auch etwas kompakter beherrscht. Songs wie „Because of you“, „Tear me down“ oder „You’re right, I was wrong“ sind für seine Verhältnisse beinahe knackig kurz geraten, denn die 4-Minuten-Marke wird nicht überschritten. Wenn ein Jim Steinman sich so kurz fassen müsste, würde er vermutlich mit Panikattacken zum Psychiater rennen. Die aktuellen Songschreiber setzen dagegen auf stringent auf den Punkt gebrachten Rock, wie Kevin Griffin bei „Testify“ oder Billy Rankin bei „Do it!“. Richtig groß ist und bleibt der Meister aber bei dramatischen Balladen wie „You’re right, I was wrong“, „Why isn’t that enough“ oder dem wunderschönen „Forever young“, einer Bob-Dylan-Coverversion.

„Couldn’t have said it better“ ist ein absolut solides Rockalbum mit einigen bemerkenswerten Highlights geworden. Dabei war eigentlich klar, dass das Werk nicht an die Meisterhaftigkeit von „Bat out of hell I & II“ anknüpfen kann. Immer wenn Meat Loaf mit anderen Songschreibern als Jim Steinman zusammenarbeitete, waren die Outputs eher zwiespältiger Natur. Die Schar junger Songschreiber, die am 2003er Werk arbeitete, hat es dagegen verstanden, dem Meister exakt die Songs auf den Leib zu schneidern, die er gewohnt ist zu singen. Somit brauchte sich Meat Loaf nicht um- oder verstellen und konnte die Leistung abliefern, die man von ihm erwarten darf. Vermutlich gilt die CD aber auch „nur“ als eine Art Zwischenstation, denn momentan laufen die Planungen für „Bat out of hell III“. Jim Steinman schreibt schon eifrig an neuen Songs, die, wenn alles nach Plan läuft, im September nächsten Jahres das Licht der Welt erblicken. Aber bei Meat Loaf und Steinman ist bekannt, dass grundsätzlich allerhand dazwischenkommen kann und aus 2004 ganz schnell 2005 wird.

Anspieltipps:

  • (I) Couldn’t have said it better (myself)
  • You’re right, I was wrong
  • Forever young
  • Tear me down
  • Did I say that
  • Testify
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