The White Stripes - Elephant - Cover
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The White Stripes Elephant


  • Label: XL Recordings/ZOMBA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Man könnte jetzt hier an dieser Stelle auf Linkin Park einschlagen und sagen, dass die Musik der White Stripes ja sowas von unkommerziell im Vergleich zu den geldgeilen Nu-Metallern und das sowas die einzig ehrliche Musik ist. Aber diesen Gesichtspunkt wollen wir an dieser Stelle ganz einfach mal außer acht lassen. Vorerst.

Denn Low-Budget-Produktion muss nicht gleich unkommerziell heißen. Auch die White Stripes haben ein wohl zurechtgezimmertes Image, das man getrost als kommerziell bezeichnen darf. Und ja, es ist korrekt, diese Platte hat lediglich 9.000 Dollar verschlungen und das ist verdammt wenig. Damit begleichen Linkin Park vermutlich ihre Handyrechnung. Aber kommen wir zur Musik. Meg und Jack White, Pseudo-Geschwisterpaar oder wahlweise geschiedene Eheleute, machen auf ihrem vierten Album nämlich genau das, was man von ihnen erwartet hatte: Rotzigen, naiven Garagenrock, mit einem kleinen Punk-Einschlag ("Hypnotize") und gefühlvollen Balladen dazwischen. All das getragen von schier unglaublicher Energie, die man von einer zweiköpfigen Band so nicht unbedingt erwarten würde. Ganz ohne Bassist will man aber so recht nicht immer auskommen, so wäre zum Beispiel die erste - sehr feine - Singleauskopplung "Seven Nation Army" ohne seine Bassfigur nicht mehr als ein hässliches Entlein.

Weiterhin hervorzuheben ist das wundervolle "Cold Cold Night", in dem Meg White eine seltene Kostprobe ihres sehr feinen Stimmleins geben kann und dem Lied seinen ganz eigenen, unwiderstehlichen Charme gibt. Oder der siebenminütige Kracher "Ball and Biscuit", das simpel vor sich her düdelt, um dann von einer dahergaloppierenden Gitarre in der Luft zerissen zu werden. Oder einfach schön anzuhörende, härtere und mit schneidigen Gitarren angereicherte Songs wie "Black Math", "There's No Room For You Here" oder das sehr gelungene Burt-Bacharach-Cover "I just don't know what to do with myself", die allesamt gefallen und immer wieder gerne gehört werden. Wenn auch die Songstruktur bei den meisten der Lieder sehr simpel gestrickt ist, so bewahrt der Großteil dieser Platte seinen Charme auch noch nach x-maligem Hören.

Bei soviel Power finden sich jedoch hier und da ein paar Verschnaufpausen (oder böser: Schwachstellen). Namentlich wäre das z.B. "The Hardest Button To Button", das fast ein bisschen penetrant zu Werke geht. "I Want To Be The Boy" ist auch ein eher unnötiger Song mit B-Seiten-Charme. Was den White Stripes allgemein vorgeworfen wird, ist, dass sie einfach zu billig sind und sich alles zusammenklauen. Den Vorwurf des Eklektizismus kann man durchaus vertreten. Die Referenzen sind nämlich reichlich: Die Beatles, natürlich, da ein bisschen Stones, da ein bisschen Velvet Underground oder Lou Reed, Bob Dylan und Led Zeppelin. Aber mal ehrlich: Das macht heutzutage eigentlich fast jede Band.

Haken wir also diesen Vorwurf ab und gehen zum zweiten über: Die "billigen" White Stripes, das Gegenteil von Linkin Park. Sicher, hier und da hätte eine ordnende Produzentenhand gut getan und hätte die eine oder andere rein technische Schwachstelle ausbügeln können. Aber da würde dieses Duo Gefahr laufen, ihren Charme vollends zu verlieren; denn das Ungehobelte, fast anarchistische dieser Band ist doch gerade die Stärke der White-"Geschwister" und wenn sie in "It's true that we love one another" mit Holly Golightly als Gast herrlich naiv "Yes, I love Jack White like a little brother" singen, da kann ihnen eigentlich niemand wirklich böse sein und man kommt zu dem Schluss, dass das hier alles doch sehr schöne Musik ist. Die bildet eben doch den Kontrapunkt zur überproduzierten, "seelenlosen" und letztlich unwichtigen Musik einer "Metal"-Kappelle aus den Vereinigten Staaten.

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